Fred Leuchter war soviel Ingenieur, wie Postel Arzt war ...
... mit dem einzigen Unterschied, dass Postel immerhin andere, auch habilitierte, Aerzte beeindrucken konnte.
Leuchter hat sich dagegen faelschlich als "beratender Ingenieur" ausgegeben, und wurde spaeter dann dafuer zu zwei Jahren auf Bewaehrung (im deutschen Strafrecht heisst das: "grade nochmal gutgegangen" ...) verurteilt.
Leuchter hat daher die genannten US-Bundesstaaten getaeuscht ueber seine wahre Befaehigung.
Damit nicht genug, in Folge hat er dann noch versucht, u.a. das Gericht in Kanada beim Zuendel-Verfahren als selbsternannter "Toxikologe" hinter's Licht zu fuehren. Auch dafuer ist er abgewatscht worden.
Er hat aber eigenen Angaben zufolge nur einen Bachelor-Abschluss in Geschichte ...
Dann hat er die Auschwitz-Putz- und Mauer-Brocken einem Labor zur Analyse gegeben, ohne zu erzaehlen, um was genau es geht.
Denn: die Zyanid-Anhaftungen bei einer innen mit Kalk- oder Zementputz verputzten Mauer sind nur in den obersten Mikrometern wirklich drastisch nachweisbar (haengt sicher von der Putzstruktur ab - das haette also gesondert untersucht werden muessen, vor der Zerstoerung der Proben!). Dadurch, dass Leuchter dem Labor aber ganze Zentimeter dicke Brocken bzw. mehrere Millimeter dicke Scheibchen uebergab, ohne zu sagen, was genau die chemische Analyse beweisen solle, haben die im Labor dann diese mehrere Zehnerpotenzen zu dicken Brocken klein gemahlen und "analysiert" und dadurch mehrere Zehnerpotenzen geringere Gesamt-"Konzentrationen" "ermittelt", als bei korrekter Analyse nur des Oberflaechenmaterials -fuer diesen Nachweiszweck- korrekt gewesen waere.
Es steht darin zwar auch, dass er nur aus Not genommen wurde, weil bessere Qualifizierte nicht wollten. Aber dass er gewisse Kenntnisse von der Materie hatte, lässt sich meines Erachtens nicht leugnen.
Doch. Erstens ist es richtig, dass, so, wie Mediziner eigentlich nicht an Folterungen teilnehmen duerfen (und dafuer auch schon mal von der American Medical Association mit dem Ausschluss bedroht werden), sich wohl viele Ingenieure weigern, an Toetungsmaschinen in Gefaengnissen mitzuwirken, zumal sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr gezeigt hat, dass da bis zu 50% nachweislich Unschuldige umgebracht werden. Auch ich weigere mich, als SAP-Berater in zwei Industriezweigen taetig zu werden: Ruestungsindustrie und Tabakindustrie, egal, wie verlockend die Angebote sein moegen.
Aber zweitens ist richtig, dass sie Leuchter nur deshalb auf den Leim gingen, weil er sich illegal als belastbare Alternative ausgab. Ein Hochstapler also. Es gibt wohl kaum ein Thema in der Menschheitsgeschichte, wo man Hochstapler als Geschichtsfaelscher noch weniger brauchen koennte?!
Es steht darin zwar auch, dass er nur aus Not genommen wurde, weil bessere Qualifizierte nicht wollten. Aber dass er gewisse Kenntnisse von der Materie hatte, lässt sich meines Erachtens nicht leugnen.
Aber drittens aus Leuchters -voruebergehend gelungener- Taeuschung nun konstruieren zu wollen, "weil Bundesstaaten von ihm erfolgreich getaeuscht wurden, sei er also auch qualifiziert gewesen", erinnert mich an Kohn und Blau und den Fisch.
Darin, dass der Leuchter-Report nicht stimmig ist, sind wir uns einig. Ich hatte ja schon geschrieben, dass der Leuchter-Report schwere Mängel hat. Die Verbindung von den russischen Forensikern zu Leuchter ist mir allerdings nicht klar, da erstere Leichen und letzterer Mauern untersuchte.
Ja, aber in beiden Faellen geht es darum, dass Zyanid-Verbindungen nach Jahrzehnten
- entweder gar nicht mehr nachweisbar sind
oder
- nicht mehr sicher nachweisbar sind
oder
- aus diesen nicht mehr die urspruenglichen Konzentrationen ableitbar sind.
Dass Leuchter als Zeuge gar nicht oder nur eingeschränkt brauchbar war, ist natürlich richtig, da er weder über die Konzentrationslager in Polen noch über die fraglichen chemischen Vorgänge nennenswerte Kenntnisse hatte.
Was soll dann aber das Argument, Bundesstaaten haetten ihn mal- unter voellig falschen Voraussetzungen- "beratend" taetig sein lassen? Doch ohnehin niemals fuer die Frage, wieviel Zyanid nach Jahrzehnten in Mauern auffindbar sein koennte??? Da wuerden sie auch einen qualifizierten Ingenieur nicht fragen, sondern Chemiker und Toxikologen und vielleicht noch -zusaetzlich- Festkoerperphysiker?
Klar, eine solche Vielzahl von Pseudonymen macht einen schlechten Eindruck. Vielleicht dachte er, er könnte sich dadurch vor der Verfolgung und Karrierezerstörung schützen.
Nicht nur einen schlechten Eindruck. Einen geradezu moerderischen, wenn man bedenkt, was er damit bezweckt, was er offenbar auf ehrlichem Wege nicht schaffen zu koennen meint.
Zudem ignorieren Leuchter wie "Rudolf" (wie heisst er denn nun?) wie auch der summa-cum-laude-Faurisson bestimmte Schriftstuecke zu Gaskammern beharrlich bzw. versuchen sie, mit fadenscheinigsten Argumenten zu diskreditieren, die, auf ihre eigenen "Argumente" genauso "kritisch" angewendet, bedeuten wuerden, dass man sie geteert und gefedert aus dem Dorf triebe ...
Doch, du hattest hier auf den Artikel "The Chemistry of Auschwitz" verwiesen.
Ja, verstehe, aber das war im verlinkten Beitrag. Verstehe aber immer noch nicht, was das mit Leuchter zu tun hat. Dessen Nachweisversuche sind, ebenso wie Rudolfs, nunmal der Scharlatanerie ueberfuehrt.
Ich verstehe Deine Stossrichtung nicht (es ging lediglich um die Frage, ob Eggert, der seine Meinung kund getan hat, als Leuchter schon laengst entlarvt war, einen Knall hat), es sei denn, auch Du moechtest durch die Hintertuer verstohlen widerlegte revisionistische Argumente aufwaermen.
Die Zyanid-Bestimmung in einer fuer Menschen konstruierten Gaskammer und der in einer fuer Entlausung konstruierten ist aus verschiedenen Gruende nicht vergleichbar. (Genauso, wie staedtische Krematorien fuer Einzelverbrennung und die Hochleistungskrematorien in Auschwitz nicht vergleichbar sind.)
Einer der Gruende ist, dass Insekten und Spinnentiere einen voellig anderen Atemapparat und -mechanismus haben. So, dass fuer Entlausung eine Konzentration von Blausaeure von 16.000 ppm ueber 24 bis 72 Stunden erforderlich ist, um alle Organismen abzutoeten, waehrend fuer Menschen nur 300 ppm ueber wenige Minuten, laengstens vielleicht eine halbe Stunde, erforderlich ist.
Das sind Unterschiede, schon rein rechnerisch, rechnen wir konservativ:
24 Stunden zu 16.000 ppm = Masszahl 384.000 bei Entlausung
1 Stunde zu 500 ppm (genau dosieren wird man es nicht koennen) = Masszahl 500 oder
... ein Missverhaeltnis von 1: 768, oder auch fast eins zu tausend, wenn man die jeweils unguenstigeren Rechenwerte annimmt.
Nimmt man am Standort Auschwitz noch hinzu, dass die Entlausungskammer im besseren Zustand war, waehrend die Menschengaskammer durchfeuchtet und bewittert wurde, und nimmt hinzu, dass Zyanid-Verbindungen von Bakterien abgebaut werden/werden koennen (da gibt es hunderte Moeglichkeiten, und je hoeher die Feuchte, desto schneller), dann sind wir bei vielleicht eins zu zehntausend.
Nehmen wir hinzu, dass Scharlatan Leuchter ganze Brocken genommen hat aus tieferen Schichten und sie hat mit dem Oberflaechenmaterial vermahlen lassen ... dann sind wir bei eins zu hunderttausend bis eins zu einer Million bis zu eins zu mehreren Millionen Ungenauigkeit, oder ... "unter der Nachweisgrenze".
Aber so ist das mit den Revisionisten jedesmal, wenn man ihnen auf den Zahn fuehlt.
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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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