Versunkene Kosten und Graue Energie ...
Das Problem mit der Kostenrechnung ist ohnehin, dass es keine absolute Kostenrechnung gibt.
Aehnlich wie bei Bayes' Theorem, haengen Kostenumlagen immer von subjektiven Einschaetzungen ab, d.h.
- von den persoenlichen Vorlieben
- den vorhandenen Investitionen und deren noch moeglicher Restnutzungsdauer
- der vorab geschaetzten Nutzungsdauer der neuen Investition, bzw.
- bei Abnutzung, der erwarteten Auslastung pro Zeiteinheit ab;
- und die Wartungskosten, Ersatzteilsicherheitshorizont und -kosten, usw.
Dann, wenn man "externalisierte Kosten" (wegen des eigenen Umweltgewissens) mit einbeziehen moechte, muss man auch noch den vorher (Herstellung, Transport) und hinterher (Entsorgung) entstehenden Aufwand, insbes. bei Heizungen die sog. "Graue Energie" mit einberechnen.
Zudem haengen die Schaetzungen/Vorabkalkulationen ab davon, welche Alternativen es gaebe und ob es erwartete Kostensteigerungen oder -senkungen gibt (z.B. "Oel wird billiger Pellets teurer" versus "Ja, ja, aber Pellet-Brenner werden wegen groesserer Stueckzahlen demnaechst billiger, Oelheizungen nicht, da deren Skaleneffekte bereits ausgereizt sind" versus "Ich hab' gelesen, naechstes Jahr kommt ein noch sparsamerer Motor auf den Markt - fahre ich den alten Schlitten halt noch ein Jahr" versus "Ja, ja, angekuendigt haben die den neuen Motor, aber das letzte Mal haben sie den Liefertermin doch auch um drei Jahre ueberschritten - lieber also jetzt das aeltere Model mit dem gerade angebotenen Rabatt kafen, als dann naechstes Jahr unter Druck zum Normalpreis" ... usw. usf.
Drum bringt es auch jeder geschickte Kostenrechner "irgendwie" fertig, eine Investition gut- oder schlechtzurechnen.
Die Mathematik des Lottospiels ist eben praeziser.
Und da am Ende auch die innerbetriebliche Kostenrechnung niemals alle einer Neuanschaffung zuzurechnenden Mehr- oder Minderkosten richtig attribuiert (u.a. Problem der Gemeinkosten), ist selbst im Nachhinein keine "korrekte" Berechnung moeglich. Vgl. gerade wieder den Streit um die "wahren" Fluechtlingskosten.
Mehrere hundert Prozent (!!!) Abweichung bei gleicher Datenbasis (!!!) sind keine Seltenheit (drum Forschungsminister Matthoefers Ausspruch: "Alle Kosten-Schaetzungen fuer oeffentliche Planung muss man mit Pi malnehmen.")
Das gilt auch fuer private Konsum- und Investitionsentscheidungen.
Zudem aendern sich die Praeferenzen auch noch dynamisch mit dem verfuegbaren oder auch dem antizipierten Einkommen.
Der legendaere US-amerikanische Volksaufklaerer Jim Rohn fragte immer in die Runde: "Na, wer von Ihnen spart schon?" Regelmaessig meldete sich dann jemand: "Mit 2.000 Dollar im Moment reicht es schon hinten und vorne nicht, da kann meine Familie nicht sparen" Dann fragte Rohn: "Ok - wenn sie 2.500 Dollar/Monat haetten ... wuerden Sie dann sparen?" - "Vermutlich, ja." Rohn in die Runde: "Wer verdient hier 2.500 Dollar?" - Einige melden sich. "Und - sparen Sie?" - Schweigen.
So ist das also auch mit Heizungen, Autos, ganzen Haeusern, deren Kauf auch sehr oft von der Naehe zum Arbeitsort bestimmt wird, und da muss man "halt nehmen, was man sich dort leisten kann" (nur, um naechstes Jahr die Firma zu wechseln und nun 100 km jeden Tag zu "pendeln".
Also, ein dauerhaft effizienter Ofen zum Mitnehmen kann seine Vorteile haben ![[[freude]]](images/smilies/freude.gif)
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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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