Gedanken zur Hausheizung vor und nach Game Over
Zum Überleben ist Wärme weit wichtiger als Essen und Trinken! Man kann drei Tage ohne Wasser und drei Wochen ohne Nahrung überstehen. Die Möglichkeit der Unterkühlung (je nach Situation nach nur drei Stunden lebensgefährlich!) ist in den meisten Gegenden dieser Erde die größte Gefahr! (Zitat aus: "Wildnis - Survival", Hans-Jörg Kriebel, BoD Verlag)
Wer hat keine Lebensmittelvorräte zuhause? Ich meine gar keine? Vermutlich haben alle zumindest ein paar Kleinigkeiten daheim, mit denen man zumindest ein paar Tage gerade so satt werden könnte.
Doch was ist mit der Heizung (Öl, Gas, Strom), wenn z.B. der Strom ausfällt? Das ist sogar im neu gebauten Ökodorf SiebenLinden passiert. Die Photovoltaik zur Netzeinspeisung wurde genutzt, anstatt als autarke Stromversorgung zu funktionieren (vielleicht mittlerweile geändert). Bei einem Stromausfall, vor ein paar Jahren, gab es kein Trinkwasser mehr, weil die einzige Wasserpumpe vom Netzstrom versorgt wurde ... Dieser Stromausfall war noch dazu im tiefen Winter und die Holzheizkessel der Zentralheizungen hatten sofort heftige Probleme: Die Heizungspumpen waren aus. So wurde die Wärme aus den Kesseln nicht mehr abgeführt ... Nur mit viel Einsatz konnten wohl die Heizkessel gerettet werden.
Was ist, wenn man so eine super tolle Holz-Heizung hat, der Strom läuft weiter, wegen mir auch aus eigener autarker Versorgung, und dann geht ein Teil kaputt, das man nicht mehr reparieren kann und das Ersatzteil lässt sich nicht mehr bestellen? Die Wirtschaft am Boden, der Hersteller ist pleite, kein Paketdienst kommt durch den meterdicken Schnee - egal was das Problem ist, manchmal fehlt nur eine kleine Schraube und alles steht still.
Wie zu Beginn geschrieben, hat man bei Wasser und noch mehr beim Essen eine deutliche Zeitspanne, um zu reagieren. Bei ausfallender Wärme kann es sehr schnell sehr eng werden. Und die Worte "sehr eng" kann man durchaus doppeldeutig sehen: Ganz schnell zusammen unter die Bettdecken, da ist es noch eine Zeit lang warm ...
Spaß beiseite: Welche Heizungstechnik ist komplett krisenfest?
Meiner Ansicht nach nur der Holzofen.
Gut, es mag noch ganz wenige Häuser geben, die so gebaut sind, dass sie keine Heizung mehr brauchen. z.B. Null-Energiehäuser, Plus-Energiehäuser oder Earthships. Kleiner Einschub, dass beim Wiki-Eintrag zum Plusenergiehaus dieser Satz zu finden ist, zeigt die geistige Kurzsichtigkeit hinter manchen Entwicklungen: "Nicht berücksichtigt wird weiterhin der Primärenergiebedarf, der für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung der Baustoffe zur Erstellung des Hauses benötigt wird, die sogenannte graue Energie."
Nur, was ist bei Stromausfall? Die dichten Häuser können eventuell zu Sauerstoffmangel führen. Und wer hat so ein Haus überhaupt? Eine verschwindend geringe Anzahl. Und womöglich machen diese Häuser auch krank, während alle Versorgung läuft (Schimmel etc.).
Und wenn ich die Frage nach der Krisenfestigkeit noch mehr verschärfe:
Was ist, wenn die Krise so stark wird, dass man all sein Hab und Gut packen und umziehen muss? Sei es durch drohende Überschwemmung mit Wasser (oder fremden Menschen), sei es aus Gründen atomarer Verseuchung, sei es, weil ein Krieg näher rückt. Welche Heizung ist so krisenfest, dass man sie mitnehmen kann? Das Null-Energiehaus sicher nicht ... Es geht nicht darum, den Teufel an die Wand zu malen, sondern darum, Möglichkeiten aufzuzeigen, bei denen eine gewisse Flexibilität günstig wäre.
Einen Holzofen kann man mitnehmen. Ja, sogar Tonnen an gelagertem Brennholz kann man aufladen und transportieren. Schwieriger wäre dies mit Gas aus dem Gastank, mit Öl aus dem Öltank... Der Brennstoff Holz ist leicht verfügbar. Bäume oder verbrennbare Biomasse wachsen praktisch überall.
Nun, betrachten wir die aktuellen Entwicklungen beim Holzofen. Die Forderungen werden immer schärfer, höherer Wirkungsgrad, weniger Feinstaub etc. In der Krise mag das keinen mehr interessieren, aber aktuell nötigen die Vorschriften die Hersteller bei der Entwicklung. So gibt es jetzt viele Pelletbrenner, die einen Stromanschluss brauchen, um zu funktionieren. Abgesehen davon wachsen Pellets nicht am Baum ... Man kann sie kaufen, wenn man denn noch was kaufen kann ...
Also geht es um Scheitholz-Öfen: Einer der neuesten Schreie sind Doppel-Feuer. In einem Brennraum wird ein Feuer entzündet und nach einer gewissen Zeit wird umgestellt, so dass die brennbaren Gase nach unten durch das Glutbett ziehen und im unteren Brennraum eine zweite Flamme ergeben.
Beispielweise gibt es das von der Firma Wallnoefer GmbH mit dem Namen Walltherm und von der Firma Specht GmbH & Co. KG mit dem Namen xeoos twinfire.
Schauen wir das mal genauer an:
Ein Problem am Xeoos ist die relativ große Scheibe. Wirkt zwar nett, das Feuer zu sehen (ist auch Mode geworden), aber darüber verliert es viel Wärme, die das Feuer eigentlich noch haben muss, um gut fertig zu brennen.
Laut dieser Seite: http://xeoos.de/fileadmin/dateien/Zusammenfassung_xeoos.pdf
hat der Xeoos eine Abgastemperatur von 210°C (Je nach Bauart des Schornsteins ist viel davon Verlustwärme).
Die Wärmeabgabe beim Xeoos läuft über eine hohe Oberflächentemperatur (Verbrennungsgefahr).
In der Bedienungsanleitung http://www.xeoos.de/fileadmin/user_upload/bedienanleitung/neu/Bedien-_und_Aufstellanleitung-xeoos_5kw-8kw_Version_151125.pdf finde ich diesen Satz:
„Die Verwendung von Weichhölzern als Scheitholz sollte aufgrund des geringen Brennwertes und des hohen Ascheanfalls vermieden werden.“
Die Angabe zum Brennwert ist fachlich gesehen falsch, zumindest unvollständig: Weichholz hat oft einen höheren Brennwert als Hartholz, wenn man es pro Gewicht rechnet. Nur wenn man es pro Volumen rechnet, ist der Brennwert kleiner! Und hoher Ascheanfall ist bei Weichholz auch nicht generell vorhanden.
Zum Thema Anheizen finde ich: „Bis zum Erreichen der notwendigen Grundglut muss der TwinFire® Starter in Position „Anheizen“ stehen. Nach ca. 30-45 Minuten ist so viel Glut entstanden, dass auf Position TwinFire® gestellt werden kann (Indikator: X-Feuerrost glüht).“
Das bedeutet, man muss nach dem Anheizen mindestens 45 Minuten im Haus bleiben, oder dann wieder da sein, um zum rechten Zeitpunkt umzuschalten. Da aber die eingelegte Holzmenge nur für ca. 1,5 Stunden reicht, muss man praktisch dauernd zuhause sein…
Dann finde ich noch: „Wichtig: Holz ist kein Dauerbrand Brennstoff, das bedeutet: ein Durchheizen über Nacht ist mit Holz nicht möglich. Zur Dauerglut eignen sich Braunkohlebriketts.“
Nun, da der Xeoos fast keine Speichermasse hat, muss man ihn nachts wohl mit Braunkohle betreiben … und die muss man kaufen, dieser Brennstoff ist nicht regenerativ und die Asche sollte nicht in den Garten …
Und dann noch:
„Die Nennwärmeleistung von 5 kW wird mit ca. 1,2 kg Holz […] pro Stunde erzielt. Legen Sie nie mehr als ein bis zwei Stücken auf einmal auf [2 kg bei 5kW]“
Das heißt konkret, wenn man den Xeoos 14 Stunden lang warm haben will, muss man 10x Holz nachlegen. Alle 1,5 Stunden muss man beim Ofen sein. Das geht oft nicht bei aktuellem Lebensstil, z.B. mit Arbeitsplatz ausserhalb der eigenen Wohnung, etc.
Zum Thema Wartung finde ich noch dieses:
Rauchgaszüge reinigen
Die Grundreinigung, die je nach Intensität der Nutzung alle 2-3 Jahre durchgeführt werden sollte, darf nur durch einen autorisierten Fachhändler durchgeführt werden. Hierzu müssen die Isolier-Platten [Vermiculite-Platte] entfernt werden.
Zu dem Angebot der Firma Wallnoefer GmbH finde ich dies hier:
http://www.wallnoefer.it/produkte/walltherm-kaminoefen.html
Die Asche vom oberen und unteren Brennraum wird täglich entnommen, […] Die Reinigung der Rauchzüge sollte alle 6-8 Wochen durchgeführt werden. […] Dichtungsbänder an Türen und Reinigungsöffnungen sind ca. alle 2-3 Jahre auszutauschen. Der Injektorblock aus Edelstahlfeinguss und die Gussroste im oberen Brennraum haben eine durchschnittliche Haltbarkeit von ca. 3 – 6 Jahren, je nach Benutzung des Ofens. Schamottesteine können mit der Zeit oberflächliche Risse zeigen, in der Regel sind sie dadurch aber noch stabil und erfüllen Ihren Zweck, erst wenn sie nach ca. 7-8 Jahren zerfallen, sollten sie getauscht werden. Die Glasscheibe des unteren Brennraums ist sehr hohen Temperaturen ausgesetzt, sie muss in Einzelfällen periodisch ausgetauscht werden, falls sie Ihre Transparenz verliert.
Auf dieser Seite http://www.wallnoefer.it/produkte/walltherm-kaminoefen/kaminoefen-wallthermr-air.html
finde ich auch was interessantes: Zum einen heißt der Ofen „Strahlungsofen“ mit dem Begriff „Air“ davor. Dann steht dort: „Warmluftgebläse“ […] Die Zirkulation der Warmluft kann je nach Bedarf zugeschaltet und reguliert werden.
Da gibt es also viel Warmluft … und viel Arbeit, um laufend zu putzen und Teile zu tauschen…
Diese High-Tech-Öfen, von Pellet bis Doppelfeuer, finde ich eine typische Ausgeburt technokratischen Denkens. Je mehr Technik, desto mehr Abhängigkeit, um so besser werden sie bewertet. Die dargestellten Details der zwei Firmen stehen nur symbolisch für praktisch alle aktuellen Angebote. Man kann schauen wohin man will. Im üblichen Angebot findet man diese Punkte sofern man genauer nachbohrt.
Im Sinne des Debitismus ist das verständlich. Man braucht Umsatz, Nachschuldner usw.
Zur Veranschaulichung, was auch möglich ist, beschreibe ich gerne zu einem späteren Zeitpunkt einen Ofen, der meiner Vorstellung einer krisenfesten, und auch jetzt sehr angenehmen Heizung, am ehesten entspricht. Will jetzt erstmal sehen, ob dieses Thema im Gelben auf Interesse stößt.
Viele Grüße
Konstantin