"Gezahlt wird nicht mit Zahlungsmitteln, wie es bis heute immer so schön heißt, sondern mit Zahlungs-versprechen" @Arvid (ed)

azur, Donnerstag, 02.04.2015, 18:31 (vor 3938 Tagen) @ Rybezahl8169 Views
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 02.04.2015, 18:38

Hallo Rybezahl,

wir müssen immer aufpassen, dass wir die Dinge nicht quasi in einem Vulgär-Debitismus zu sehr vereinfachen.

Man muss also schon überlegen, was es alles bedeutet. Etwa wenn hier steht: "Gezahlt wird nicht mit Zahlungsmitteln, wie es bis
heute immer so schön heißt, sondern mit Zahlungs-versprechen!"

Das hängt davon ab..., muss man dazu sagen.

Nämlich dann, wenn das Zahlungsmittel ein Zahlungs-Versprechen beinhaltet, also damit verknüpft ist... Das wiederum ist der Fall, wenn der Geldschein zugleich eine verbriefte Forderung ist. Also wenn der Inhaber des Scheines EM verlangen darf. Dann hat ein Dritter, der Schuldner der Forderung, etwas herzugeben. Wobei die Übertragung von EM eigentlich keine Zahlung im eigentlichen Sinne ist.

Zahlung erfolgt mit Zahlungsmitteln, gleich ob diese aus der Zeit mit ZBs usw. oder ohne ZB stammen.

Zahlung erfolgt mit Zahlungmitteln, gleich ob diese zugleich eine verbriefte Forderung sind, oder nicht.

Die Vorstellung, dass alle Schuld erst erfüllt ist, wenn alles Geld wieder zurück bei den ausgebenden Banken ist, ist so auch zu verkürzt, zumal schon dottore im alten Forum sehr viel zu Münzverfall usw. schrieb, wo rein gar nichts zurück kommt, sondern einfach durch Währungsreform alte Geld als ungültig und neues Geld als gültig erklärt wurden (im Mittelalter manchmal mehrfach jährlich - zugunsten vor allem dessen, der das Münz-Regal inne hatte).

Sieh mal im DGF, aber auch im alten Forum und bei Google unter Münzverfall usw.

Alles nicht so einfach. Aber da kommen wir ja nur durch gründliche Analyse weiter, und nicht durch Simplifizierungen.

Es ist schon doll, wenn man eben mit Forderungen bezahlen konnte, wie dottore herausstellt.

Schon die alten Kaufmanns- und Bankennetze benutzten solche Methoden, die sehr praktisch und probat sind, um z. B. Schulden einzulösen: Anweisungen; Briefe, in denen der Träger zum Empfang von Bargeld berechtigt war; Gutschriften, Aufrechnungen usw. Es war doch alles klasse, was z. B. davor bewahrte mit Mengen Bargeld oder Gold und Silber überfallen zu werden usw. Und untergegangene Schiffe voll Münzen und EMs gibt es en mass und die sprechen auch Bände.

Simplifizierungen können in die Irre führen. Also bitte immer sehr kritisch bleiben, bei allem, und nachschlagen, was man liest - auch wenn man meint es zu wissen, was das meint, ist es doch en detail oft noch ganz anders.

Das Recht, das das alles abbildet und regelt ist hochkomplex, aber das Leben noch weit komplexer. Vieles aber war, ist und bleibt so: Ein Schuldverhältnis gibt es nur, wenn es Schuldner, Gläubiger usw. gibt. Und Schuldner ist der, der die Leistung versprochen hat, und Gläubiger der, der die Einlösung des Versprechens fordern kann.

(H/S hätten in der Eingentumsökonomik das Eigentum vor den Tausch gestellt, aber das kann irre führen. Tausch verlangt doch das Wechseln des "gehören zu", was rechtlich durch das Eigentum geregelt wurde.
Wenn man genau hinschaut sieht man, dass es auch in vorrechtlichen Bereich Dinge fremd und eigen gibt. Das ist nicht erst mit dem Recht entstanden, sondern durch das Recht anders handhabar geworden - und hat dann ganz eigene Effekte. Natürlich ist die Entstehung des Eigentums evident ungeheuer bedeutend. Aber Austausch ist eben auch grundlegend. Wir alle leben im ständigen Austausch von vielem, so auch Leistungen.)

Lass uns nicht an Sätzen kleben, sondern diese immer kritisch würdigen.

Immer nachschlagen, immer abgleichen...

Nur so kommen wir zum Kern.

Viele freundliche Grüße

azur


Ed.: Deine nächtliche Aufforderung zu erklären woher Geldscheine kommen, wo sie sind und bleiben, verbuche ich einfach mal.

Erinnerte mich an die uralten philosophischen Grundfragen:
1) woher kommen wir?
2) wohin gehen wir?
3) was ist der Mensch?

Das soll man alles schnell mal niederlegen? Na gut: 42! [[top]] [[freude]]

Zumal dazu auch sehr viel im alten und neuen Forum zu finden ist.

Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Woher_kommen_wir%3F_Wer_sind_wir%3F_Wohin_gehen_wir%3F

--
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Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.


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