Heilwerdungen
Hi Schneider,
Des Weiteren frage ich mich, wie man sowas früher ausgehalten hat. Johann
Sebastian Bach sind, soviel ich weiß, innerhalb von 8 Jahren 8 Kinder
weggestorben ohne dass es seiner Schaffenskraft einen Abbruch getan hätte.
Wenn mir dagegen auch nur ein Kind wegstirbt werde ich zum Therapiefall.
Klar, so zu denken. Bach kennen wir beide nicht. Dass du beim Gedanken an den Verlust deines Kindes weinst, das ist zu erwarten. Dass du nach dem Verlust deines Kindes nicht immer nur weinen würdest, ist etwas, dass man nicht erklären kann. Die ersten Tage sind das schlimmste, da das Nicht-loslassen-Wollen sich wie ein Krampf durch deinen Körper und dein Denken zieht. Dann heißt es: Mit den Gedanken hier bleiben und, wenn überhaupt, sich gemeinsam in ihnen zu verirren. Das ist so schwer, sag ich dir. Ein Spagat zwischen Hass und Liebe, Angst davor, sich zu verlieren, davor, dass man sich nur noch etwas vormacht. Doch wenn klar wird, dass es etwas Größeres gibt, etwas, das die Familie bzw. die Beziehung zusammen hält und ruft: "Bitte verliert euch nicht! „Auf was soll ich sonst warten?", dann beginnt etwas zu wachsen, etwas, mit dem diejenigen, die da lustvoll mitfühlen wollen, niemals klar kommen. In anderer Leben zu fühlen ..... HEIL EUROPA!
Mitgefühle oder Gefühle kann man grundsätzlich nicht erklären, fordern oder erkennen. Wir glauben, dass wir die Gefühlswelt normieren könnten (bitte jetzt alle mal ein paar Tage Halbmast), vergessen dabei jedoch, dass es gar nicht um Mitgefühle geht. Es geht um gezielte Erregungen, Lust und Kundgebungen (endlich mal etwas, was man drehen und wenden kann, ohne dass es von selbst verläuft, etwas, das uns anzieht und anziehend wirkt). Das meine ich mit der Hochemotionalisierung. Selbstbetrügerische Heilwerdungen wohin das Auge blickt. Wen interessieren dabei schon die Hinterbliebenden? Niemanden!
"Haste schon gehört was passiert ist?"
Schau dir die völlig leeren und Diskussionen der letzten Tage in Verbindung mit dem Absturz an. Als kämen gerade alle aus dem Kinosaal und seien angetrunken noch völlig geflasht. Kriegsangst, 9/11, Terror, Mitgefühl, Mördersuche, Vorverurteilungen.
Um es auf den Punkt zu bringen: Es herrscht kein Mitgefühl, sondern eine wahnsinnige Lust, sich mitzuteilen. Kundgebungen, Ideale und Urteile wohin das Auge blickt. Denn zuhause hört ja niemand zu, wartet derweil eine Gefühlswelt, die vernachlässigt werden will. Oder was passiert im eigenen Leben?
Herzlichst,
Ashitaka
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Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.