Wenn ich behaupten würde, ich fühle mit, würde ich lügen

trosinette, Freitag, 27.03.2015, 08:28 (vor 3946 Tagen) @ Ashitaka11683 Views

Guten Tag,

So ist es, es geht einzig und allein um "das Ausschlachten von Gefühlen!"
bzw. die Hochemotionalisierung der Gesellschaft.

Heute Morgen habe ich mir kurz vorgestellt, meine Kinder würden jäh aus dem Leben scheiden. Da musste ich sofort anfangen zu weinen und habe mein Mitgefühl daraufhin gleich wieder eingestellt. Um mich halbwegs unbeschwert den Alltagsgeschäft zuwenden zu können bleibt nur eine fade Beileidsbekundung.

Tröstlich ist der Gedanke, dass die Opfer, im Gegensatz zu Mengeles Versuchskaninchen, höchstwahrscheinlich nicht leiden mussten. Vermutlich lief es ehr wie in Hiroshima ab, wo tausende von Menschen im Bruchteil einer Sekunde verdampft sind.

Will sagen: Wenn Offizielle vor die Kamera treten und mir die Umstände das Absturzes als unvorstellbar verkaufen, komme ich mir total verarscht vor. In jeder Stadtbibliothek lässt sich nachlesen, zu was der Mensch in der Lage ist und was die Politik und wir als Helfershelferlein alles auf dem Kerbholz haben. Für meine Begriffe können wir die obere Hälfte der Fahnenmasten gleich absägen. Und wenn ich so vorfühle, was noch alles auf uns zukommen könnte, wird möglicherweise alles Wachs der Welt nicht ausreichen um hinreichend Grabkerzen für Mitleidsbekundungen zu Verfügung zu stellen.

Des Weiteren frage ich mich, wie man sowas früher ausgehalten hat. Johann Sebastian Bach sind, soviel ich weiß, innerhalb von 8 Jahren 8 Kinder weggestorben ohne dass es seiner Schaffenskraft einen Abbruch getan hätte. Wenn mir dagegen auch nur ein Kind wegstirbt werde ich zum Therapiefall.

Mit freundlichen Grüßen
Schneider


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