wenn sich der Zufall mit dem Zufall zum Quadrat erhebt
Hallo Tob!
Du schreibst: Der Herr hat offensichtlich überhaupt keine Ahnung von Mathematik und erst recht nicht von Stochastik.
Das glaube ich Dir gerne und ich fand diese Einschiebungen zwischen seinen durchaus respektablen Recherchen und seinen teilweise albernen Kommentaren völlig überflüssig. Mit einem Hinweis auf die geringe Wahrscheinlichkeit hätte er es belassen sollen.
Und jetzt lausche ich mal Deinen Berechnungen. ![[[zwinker]]](images/smilies/zwinker.gif)
Ich übernehme mal ohne Prüfung die Wahrscheinlichkeit, dass ein Europäer einen Terroranschlag miterlebt, wobei ich seinen Faktor 1000 bereits als äußerst knapp ansehe und ihn höher ansetzen würde: 0,0000544
Nehmen wir ferner an (wie der Youtuber), dass die Ereignisse Terroranschlag 1 und 2 statistisch unabhängig sind, so erhalten wir tatsächlich 0,0000544 * 0,0000544 = 0,00000000295936
Ergo – ziemlich unwahrscheinlich.
.. Statt der 0,00000000295936 müsste man nun mit dem Satz von Bayes die Wahrscheinlichkeit berechnen, beim Anschlag "beteiligt" gewesen zu sein unter der Bedingung, dass er in München wohnt. Und diese Wahrscheinlichkeit ist viel, viel, vieeeel höher!
..
Trotz der unglaublich geringen Wahrscheinlichkeit vom Blitz getroffen zu werden, werden laut der Welt allein in Deutschland 700 Menschen pro Jahr getroffen. Frage: Ist es also 10 mal Wahrscheinlicher, dass ein Mensch bei zwei Terroranschlägen dabei ist, als das 700 Menschen im Jahr von Blitzen getroffen werden?
Nehmen wir mal an, Deine Rechnung wäre korrekt, was sie leider nicht ist, denn es werden nicht 700 Menschen vom Blitz getroffen, sondern im Durchschnitt „nur“ 40 Leute.
In Deutschland werden pro Jahr etwa 30 bis 50 Menschen von einem Blitz getroffen. Rund zehn Prozent davon sterben. Wer den Blitzschlag überlebt, muss unter anderem mit Nervenschäden rechnen.
Quelle: http://www.t-online.de/lifestyle/gesundheit/id_63859650/blitzopfer-kaempfen-oft-mit-ver...
Sei’s drum.
Dann ist aber dabei sein, etwas anderes als so dabei zu sein, wie er dabei war.
Beginnen wir mit Nizza.
Dort hatte Gutjahr einen absoluten Logenplatz von dem er in aller Ruhe den LKW filmen konnte. Wie wahrscheinlich ist denn das?
Er hätte auch ein Zimmer auf der Rückseite haben können, ein anderes Hotel gebucht, an einer anderen Stelle der Promenade anwesend sein können, die ist immerhin mehrere Kilometer lang und so weiter und so fort.
Nein, er zog den Sechser mit Zusatzzahl!
Aber, warum soll ein investigativer Reporter nicht auch einmal dieses Glück haben? Gönnen wir ihm das einmal.
Nun kommen wir nach München.
Dort war er angeblich auf dem Weg zur Arbeit.
Das hat er schön formuliert, weil es nicht falsch ist, denn Reportagen gehören zu seinem Job. Wenn er aber zum Bayerischen Rundfunk wollte - der liegt ganz woanders, nämlich in der Nähe des Hauptbahnhofes - paßt das dann mit der Anfahrt von Wohnung und Zielort nicht zusammen.
Immerhin war er am Morgen noch in Nizza und üblicherweise macht man sich nach einer Reise (sicher mit dem Flieger) etwas frisch, wenn man noch anderswo auftaucht, so daß die Annahme, er kam von zu Hause, so weltfremd nicht sein sollte.
Wenn er aber zur Recherche unterwegs war, warum war er dann zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort?
Wie wahrscheinlich ist es denn, daß ausgerechnet im OEZ etwas passiert, wenn es genauso gut den Flughafen, den Hauptbahnhof, den Marienplatz oder andere große Einkaufszentren und zentrale Punkte in München hätte treffen können?
Der Terrorort München beschreibt die Umstände viel zu unscharf.
In München wohnen fast 1,4 Millionen Menschen, aber wirklich dabei waren einige Hundert, maximal 1.000.
D.h. für einen Münchener ergab sich am 22.07. die Wahrscheinlichkeit von 0,071 % in die Geschehnisse involviert zu sein. Nehmen wir einen etwas größeren Radius dann würde wohl die Zehnerpotenz verschoben, aber das Problem nicht wirklich entschärft.
Und dankenswerterweise hat uns Herr Lange auf die verschieden Erzähl-Varianten des Herrn Gutjahr, die mir so gar nicht aufgefallen waren, hingewiesen.
Am nächsten an der Wahrheit war er wohl, als er zugab, es von seiner Tochter erfahren zu haben. Er war gerade am Gelände vorbei gekommen, als ihn just seine Tochter informierte. Es paßte also nicht nur zeitlich sondern auch lokal.
Also, ich ziehe mir die Hose ab und zu auch mal mit der Kneifzange an, aber eben nicht immer.
Gutjahr ist ein eingebetteter Journalist, der Vorwissen hatte und seinem Töchterchen wohl ein paar Türen öffnen wollte, denn innerhalb kürzester Zeit meldeten sich die Top-Adressen bei ihr, um das Video übernehmen zu dürfen.
Und jetzt werde ich einmal die These mit der höchsten Wahrscheinlichkeit formulieren.
Gutjahr wußte von einem kommenden Großereignis und hat sich auftragsgemäß in die Spur begeben. Wegen der Nähe zur „Oma“ hat er Angenehmes mit Nützlichem verbunden und das Töchterchen involviert, die sehr schnell und professionell reagierte.
Und kurze Zeit später war Thamina weltweit präsent mit ihren Schilderungen über das Geschehen.
Inwiefern sie das Ereignis und seine Konsequenzen durchschaut hat, kann ich nicht sagen, aber Gutjahr selbst wußte, daß irgendwo Menschen in Gefahr kommen werden und hat das gnadenlos für sich ausgebeutet.
Pfui Deibel, Herr Gutjahr! ![[[kotz]]](images/smilies/kotz.gif)
Und wenn es alles nur Theater war, macht es die Sache auch nicht besser, denn einen Toten gab es in jedem Fall.
Und es beweist einmal mehr, daß wir es sowohl in Nizza als auch in München mit INSZENIERTEM TERROR zu tun hatten.
nereus