Die Macht der Worte

Nico, Dienstag, 02.02.2016, 21:01 (vor 3658 Tagen) @ azur7067 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 02.02.2016, 21:09

"Der Debitismus ist keine „alle sind an allem Schuld“-Religion"

Vor allem war er (der Debitismus) es schon gar nicht von beginn an, werter azur; vielmehr bedeutete er ursprünglich eine allerdings neoliberale Beschreibung des Wirtschaftens. Im Debitismus ging es ursprünglich ausdrücklich um monetäre Schulden, welche in der englischen Sprache auch entsprechend als „debt“ bezeichnet werden. Eine Ausweitung auf eine moralische Schuld, bei der man im englischen davon abgrenzend nun von „guilt“ spricht, ist erst im Nachhinein in diesem Forum entstanden. Der Untertitel zu „Der Kapitalismus“, lautend „Ein System das funktioniert“, soll nun als Ironie verstanden werden, und es wird damit offenbar ohne große Schmerzen in Kauf genommen, dass es doch völlig unseriös wäre, wenn es denn wirklich stimmen würde.

In Tat und Wahrheit bedeutet es eine ebenso rätselhafte, wie aber auch verhängnisvolle Schwäche der deutschen Sprache, dass diese zwei absolut zu unterscheidenden Erscheinungen hier gleich-lautend bezeichnet werden. Hinzu kommt, dass sich die ansonsten vielleicht trotzdem zurecht hochgelobte deutsche Sprache dabei auch nicht entblödet, auf der gegenüberliegenden Seite gar einen „Gläubiger“ zu erblicken.

Ist es in dieser Hinsicht also nur Zufall, dass im Falle eines Insolvenzverfahrens die Schuldbefreiung in Deutschland nach 7 (biblischen) Jahren in Kraft tritt, während sich der selbe Prozess in England in nur einem Jahr vollzieht? Anzumerken wäre dabei noch, dass diese Regel in Deutschland erst im neu angebrochenen 3. Jahrtausend, und zwar als eine Art 'Plan B' eingeführt wurde. Plan A blieb dabei weiterhin in Kraft, wonach eine titulierte Schuld erst nach astronomischen 30 (Licht-) Jahren (praktisch ein gesamtes Erwerbsleben) erlischt. Ich glaube Mord verjährt schneller, oder?

Ist nun wiederum die Entwicklung des Debitismus auch nur Zufall, oder konnte er vielleicht nur in genau das selbe vorgezeichnete Verhängnis geraten?

Schöne Grüße

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... in Wirklichkeit ist ... immer alles ganz anders, als es ... in Wirklichkeit ist ...


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