Anmerkungen zu US-, britischem und sonstigen Kranken"versicherungs"-"Modellen" ...
$24.000/Jahr waere dann der Betrag fuer die gesamte Familie, also $6.000 pro Kopf.
Aha, hatte mich doch schon gewundert. USA hat, anders als Deutschland, in der privaten Krankenversicherung auch diese "Familienversicherung", waehrend wir strikt Einzeltarife haben. Siehe weiter unten.
Vermutlich mussen die den Grossteil fuer Klagen zurueckstellen.
Weniger das, aber das ist (m)eine Vermutung. Rueckstellungen darf man ja (eigentlich) nur machen, wenn der Anlass hinreichend konkret ist. Und darueber befinden letztlich (in Gemeinschaft mit Wirtschaftspruefern und Gerichten/Rechtsprechung) Behoerden, vor allem Steuerbehoerden. Da der Staat USA meint, alles sei in Butter, gehe ich eher von einer Unterdrueckung solcher Rueckstellungsgelueste aus.
Auch ist es so, dass man nicht beliebig rueckstellt in einer praemienfinanzierten Versicherung, denn dann muss man ja die Rueckstellungen aus den damit steigenden Praemien dotieren! Endergebnis: weniger Kunden, d.h. weniger Praemienzahler und damit aufgrund geringerer statistischer Basis noch hoehere "Ungewissheits"-Praemien.
So funktioniert das KV-Geschaeft eben gerade nicht ... auch wenn immer ueber hohe Praemien gescholten wird. Reich wird von denen mit Ausnahme weniger Betruegervereine niemand, jedenfalls nie, solange es noch mindestens einen Konkurrenten gibt.
Diese Tarife gab es auch schon vor dem ACA, sie hiessen nur anders.
Ja schon, aber damals war der Beitritt freiwillig. Das macht einen Riesenunterschied. In einem Zwangssystem, das auch jeden aufnehmen muss, waehlt jede(r) den fuer ihn "guenstigsten" Tarif und unterlaeuft damit die Risikomischung, die frueher auch ueber die Aufnahmepolitik gesteuert war. Diese ist mit ACA i.W. weggefallen. Wenn man das tut, muss man letztlich eine Einheitsversicherung einfuehren ... wie in Deutschland bei den Sozialversicherungen.
Ja, haben wir nicht "verschiedene" oeffentliche Krankenversicherungen? Nein, das sieht nur so aus. Ueber den Risikostrukturausgleich ist vor Jahren praktisch eine Einheitsversicherung geschaffen worden. Verlassen die "Gesunden" eine oeffentlich-rechtliche deutsche Krankenkasse und gehen zu einer "billigeren", dann wird diese dadurch nicht etwa noch billiger - was sie ja durch Risikoabsenkung seitens neuer, noch gesuenderer Mitglieder werden muesste, sondern ... teurer. Denn: sie muss nun die ueberdurchschnittlich Kranken, die in der alten KV verblieben sind, ueber den Ausgleich mitfinanzieren. Die dadurch installierte Buerokratie tut ein uebriges. Da aber manche Krankenkassen geringere Verwaltungskosten haben, andere (Betriebskrankenkassen) von den zugehoerigen Unternehmen heimlich quersubventioniert werden, sieht es (noch) so aus, als gaebe es unter deutschen Sozialkassen "Wettbewerb". Ist aber ein Huetchenspiel ...
Das waere etwa so, wie wenn ALDI an Lidl Ausgleichspraemien zahlen muesste, wenn deren Muesli billiger wird und dadurch Lidl weniger verdient und der Regalplatz fuer Lidl-Muesli dadurch anteilig teurer wird ...
Naja, das ist bei Versicherungen schon immer und ueberall so, dass die Gesunden die Kranken mitbezahlen.
NEIN!!! Natuerlich bezahlen die, bei denen nie eingebrochen wird, die mit, bei denen eingebrochen wird. Aber VORHER! Aber wer zu welcher Kategorie gehoert, weiss er vorher nie. Sonst wuerde sich ja nur der versichern, bei dem "sicher" eingebrochen wird, alle anderen nicht. Und da eine Versicherung Geld kostet fuer Verwaltung, wuerden folglich selbst die, bei denen in Zukunft eingebrochen werden wird, sich auch nicht versichern ...
Wenn man aber alle bereits Kranken oder solche mit hohem Risiko zum selben Geld "versichert" wie die weniger Risikobehafteten, dann ... versichern sich vorzugsweise die Kranken, und die Gesunden lieber nicht. Wenn man sie nun alle zwingt, dann werden die ... Gesunden Bronze waehlen, die Kranken Platin. Und ueber kurz oder lang wird man bei Platin Konkurs gehen oder ... den Bronze-Ueberschusstopf anzapfen. Wie war das gleich. Ach ja, nennt sich ... Risikostrukturausgleich.
Am Ende steht zwangslaeufig die Einheits"versicherung". Das ist aber keine Versicherung. Da zahlt der Gebirgsbewohner nun Hochwasserversicherung fuer den, der sein Haus zu nahe an die Oder baut.
Das war im rein privaten System vor ACA auch nicht anders.
Ja, ich habe mich, aus rechtsvergleichendem Interesse, mit der US-Krankenversicherung schon seit den Siebzigern befasst. Es war nur eben von Bundesstaat zu Bundesstaat anders, d.h. man konnte wenigstens vergleichen, wer den groessten Mist baut. Obama hat nun den jeweils groessten Mist genommen, statt die schlankste Loesung, und sie allen aufgedrueckt. Und wird darum bei genau dieser Einheitsversicherung landen (muessen).
Und die Versicherten bezahlen die Unversicherten, die Zahlenden bezahlen die Nicht-Zahlenden (die Notbehandlungen muessen nun mal gemacht werden, egal ob versichert oder nicht, egal ob bezahlt wird oder nicht - die Kosten werden dann von den Versicherten/Zahlenden reingeholt). Das war im rein privaten System auch schon immer so.
Der Unterschied ist aber: wer sich frueher nicht versicherte, setzte sich nicht freiwillig in die Notaufnahme. Jetzt dagegen wird er zwangs-platin-versichert. Jetzt har er/sie Ansprueche. Wie oft habe ich mir schon anhoeren muessen, dass Menschen "soviel" fuer die Hausratversicherung zahlen und "man hat nix davon". Wer die Trolle fuettert, bekommt eine Einheitsversicherung. Das ist nicht herzlos dahingesagt, mit den Trollen. Sondern: wenn es Menschen gibt, die nicht versicherbar sind, dann muss man das evtl. aus einem allgemeinen Steuertopf finanzieren. Aber man soll bitteschoen nicht Privatunternehmen in die Kalkulation eingreifen und es heimlich tun! Warum denn darf die KFZ-Versicherung schadensabhaengige Tarife haben? Ist "Mobilitaet nicht ein Menschenrecht"? Oh, wie ich diese Gesundheitsheuchelei hasse!!!
Es ist vor allem ein buerokratischer Wahnsinn, aber der war es vor ACA auch schon. Dafuer gibt es in den USA sogar einen spezifischen Beruf: Coder.
Gibt es auch bei uns - nennt sich Kodierhilfe. Wer sie nicht nutzt, hat entweder Geld verschenkt oder muss eine teurer-ausgefuchste Praxishilfe zusaetzlich einstellen. Die ihm der naechste Arzt ueber LinkedIn/Jobboerse bald wieder abwirbt ...
Jede Abrechnung einer medizinischen Leistung unterliegt bestimmten Bedingungen (Codes).
Bei uns auch. Nur sind die USA immer ein paar Jahr(zehnt)e voraus.
Ausserdem gibt es eine extreme Segmentierung des Gesundheitswesens, die den buerokratischen Aufwand in die Hoehe treibt, als auch den Wettbewerb verzerrt bzw. unmoeglich macht.
Das haben i.W. die Gesetzgeber in den Bundesstaaten mit verursacht und zusaetzlich tun Medicaid, Medicare und Veteran Administration und noch ein paar mehr ihr Uebriges dazu. Was glaubt man denn, wie das deutsche Gastgewerbe aussaehe, wenn man dort ein aehnlich buntes halbstaatliches Angebot zusaetzlich einfuehrte!
Tarife schwanken stark mit der Postleitzahl, wer in teuren Gegenden wohnt, zahlt halt viel mehr fuer die gleiche Leistung.
Weil der Arzt, der dort praktiziert
a) auch mehr fuer seine Praxisraeume zahlt
und
b) die gutbetuchtere dort wohnende Klientel ihn auf hoehere malpractice-Schaeden verklagt.
Ist bei Wohnungsmieten nicht anders, Schwabing kostet anders als Zonenrandgebiet. Waere das nicht so, muesste man muehsam ueber noch mehr staatliche Regulierung die Zonenrtandfluechtlinge davon abhalten, in Schwabinger Wohnungen mit Gewalt eindringen zu wollen. Ich verstehe echt nicht, warum das alles bei Krankenversicherung anders sein soll als beim Baecker um die Ecke.
Zudem beschraenken sich Krankenkassen regional, fuer mich gibt es sage und schreibe zwei Anbieter, die dann noch voellig identische Tarife und Leistungen anbieten. Wettbewerb gleich Null.
WEIL die Bundesstaaten in USA den ueberregionalen Wettbewerb brutalst (!) unterdrueckt haben!!! Oder gibt es im "land of the free" auf einmal "Ladehemmung" beim Verdienen-Wollen an Gesundheitsleistungen? Warum dringt kein Wettbewerber in diesen "kuschligen" Markt vor? Vielleicht weil er sich grade erst, wie ich die Berichte seit Jahrzehnten in USA verfolge, seine Wunden leckend unter Verlust zurueckgezogen hat???
Natuerlich gibt es noch andere Kassen, aber die sind nur ueber einen Arbeitgeber zugaenglich. Aber auch dort gibt es keine Wahl, man muss nehmen was der Arbeitgeber anbietet.
Ja, der hat damit auch seine Buerokratie. In dessen Kantine gibt es auch nicht Essen auf Wunsch ("... da steht nur Brathaehnchen auf der Karte heute, ich haette es aber gerne gekocht, komme in einer halben Stunde wieder, Herr Kantinenkoch! Dann aber dalli!"). Warum muss bei Krankenversicherung immer alles anders sein??? (Hinzu kommt allerdings noch die Unsitte, dass sich Mitarbeiter von Personalabteilungen an illegalem Provisionssplitting bereichern; sie geben also bestimmten Versicherern deshalb den Vorzug. Was wiederum dem System geschuldet ist ...)
Medizinische Einrichtungen machen einzeln Vertraege mit den Kassen, welche Leistungen sie erbringen und was die kosten. Wer die Versicherung wechselt (z.B. durch Arbeitgeberwechsel) muss in der Regel auch alle Aerzte wechseln, weil die eben nur den Vertrag mit einer oder zwei Kassen haben.
Ja, hallo, da hab' ich ein Auto von Mercedes und der Toyotahaendler guckt mich schief an ... Warum, warum, warum, muss bei KV alles anders sein? Da muss der Mond nachts die Sonne sein ...
Das schraenkt natuerlich auch die Auswahl erheblich ein und die Arztsuche wird zur Herausforderung, weil man erst ueberall rumtelefonieren muss, ob der Arzt auch meine Kassen nimmt.
Nun ja, das muessen dumme Aerzte sein. Bei Toyota steht es direkt auf der Webseite, welche Autos die reparieren ... Denke nie an Verschwoerung, wenn es auch Bloedheit sein koennte ...
Dazu kommt die hohe Klagefreudigkeit von Patienten gegen Aerzte und Kassen, bei den abartigen Kosten fuer simple Behandlungen auch verstaendlich. Dies treibt wiederum die Tarife hoch, eine Spirale ohne Ende.
Ja, weil die Anwaelte, anders als Aerzte, nicht haften; sind als Juristen halt "von Fach"
. Selten wird mal einer wegen einer frivolen Klage mit einer Busse belegt, obwohl das US-Zivilrecht das hergibt.
Die Verorgung ist natuerlich auf sehr hohem Niveau, nur leider ist das ganze sehr ineffizient. Darueber gibt es internationale Statistiken und die USA schneiden schlecht ab: Wieviel Geld reingepumpt wird und wie dann der gesundheitliche Zustand der Bevoelkerung aussieht.
Ja, das wuerde aehnliche Statistiken ueber verlotterte Autos geben und die Kosten fuer deren Wartung, wenn alle Autobesitzer mit ihren Autos so umgingen, wie mit ihren Koerpern ...
Die Privatwirtschaft ist in dieser Frage eben voellig unfaehig, weil diese Branche extrem von Kartellen, Lobbies und Buerokratie kontrolliert wird (schon lange vor ACA).
Weil es ein "sanitaer-industrieller" Stamokap-Verein ist. Die Sache freigeben statt regulieren und ploetzlich wuerben Aerzte und Hospitaeler um Kunden. Soll, habe ich mal gehoert, bei Hotels ganz gut funktionieren. Bei Autowerkstaetten auch.
Ich hoffe sogar, dass dieses System schnell zusammenbricht.
Das wird erhoert werden.
Es wurden ja schon wieder Tarifsteigerungen angekuendigt, nur wird die kaum noch jemand zahlen koennen, selbst bei einkommensabhaengigen, subventionierten Tarifen.
Klar nicht, wer brennende Haeuser versichern muss, geht daran pleite. Herzlos ist es, das nicht sehen zu wollen.
Ich finde das britische Modell weit effizienter (ich war dort sogar mal ein paar Tage im Krankenhaus, die Behandlung und Pflege waren OK, nicht ganz so sauber und neu wie in D, aber ich musste keinen Penny zahlen).
Hm, wer zahlt das denn jetzt, wenn jeder Tourist in UK kostenlos behandelt wird? Den Buerokraten im britischen Krankenhaus ist es naemlich zu arbeitsaufwendig, ueber das Europaeische Sozialversicherungsabkommen die Kosten vom europ. Heimatstaat des Touristen einzufordern. Denn: sie werden ja ohnehin honoriert. Drum ist der britische NHS seit Jahrzehnten ein schwarzes finanzielles Loch. Klar, dass der nur leicht erkrankte Durchreisende das nicht merkt. Das merkt erst, wer dort todkrank sitzt.
Elli hat es drastisch hier geschildert:
Das Gesundheitssystem in Irland ist offenbar eine Katastrophe (Anm.: das ist dem britischen NHS nachempfunden!)
Das US-System moegen nicht mal die Amerikaner, besonders wenn sie vergleichen koennen, wie es z.B. in GB aussieht.
Koennen sie aber nicht. Das sind entweder Durchreisende, Geschaeftsreisende oder nur voruebergehend stationierte Expats. Meist "jung und gesund". Schau Dir dagegen Ellis Tochter an. Fliegt extra wegen einer Spritze kurz mal so nach Deutschland zurueck. Weil der dem britischen vergleichbare irische NHS ja so toll ist???
Diesen US-Schnullis wuerde schon noch Hoeren und Sehen vergehen, wenn sie dort bis Lebensende leben muessten.
Ich koennte da jetzt noch endlos Anekdoten von Bekannten erzaehlen.
Ja, das ist das Problem der anecdotal evidence. Ich habe dort laenger gelebt, auf den "britischen Inseln" ... Nicht dass anecdotal evidence fuer sich genommen falsch waere. Sie taugt aber nicht, um ein System zu planen. (Solche) Systeme sind naemlich nicht planbar.
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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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