Der Sinn oder Unsinn des Mindestlohns
Im übrigen, ich plädiere lieber für einen gesetzlichen Mindestlohn, von
dem mensch nach durchschnittlich 5 Stunden täglicher Arbeitszeit
zufriedenstellend leben kann.
Der Mindestlohn hat den Nachteil, dass er für viele Branchen unrentabel bzw. unbezahlbar ist. Ein Hotel, dessen Rezeption 16 Stunden täglich besetzt ist, müsste dafür 136 EUR Nettolohn + 27 EUR AG-Beitrag zahlen. Verteilt auf 10 Zimmer ergibt das 16 EUR Personalkosten pro Nacht und Zimmer allein für die Rezeption. Bei einer durchschnittlichen Belegung von 50% sind das schon 32 EUR Personalkosten pro Nacht und Zimmer. In einem solchen Fall wäre es irgendwann billiger, das Hotelpersonal durch einen Automaten mit Geheimnummer zu ersetzen.
Ein Musiker muss eine Woche (40 Stunden = 340 EUR Mindestlohn) für ein Konzert üben, in das vielleicht 20 Zuschauer kommen. Um den Mindestlohn zu decken, müsste er mindestens 17 EUR Eintrittsgeld verlangen. Soviel zahlen die Leute aber nicht. Der Mindestlohn ist also eine Schere, die Kultur in kleineren Orten systematisch zerstört.
Je mehr Arbeit automatisiert wird, desto weniger wirkt der Mindestlohn. Neue Jobs entstehen kaum noch, und wenn sie entstehen, so haben die 55-jährigen Entlassungsopfer kaum eine Chance auf Wiedereinstellung.