Ich koennte jetzt als einfacher Patient ueber das ineffzienteste Gesundheitswesen der Welt riesige Aufsaetze schreiben
... aber das ueberlasse ich mal den Experten.
Ich wollte schon fast nachfragen, wo es diesen superbilligen Tarif gibt.
Hier zahlt man $2000+ pro Monat fuer eine vierkoepfige Familie (ohne Augen
und Zaehne, das kostet nochmal extra).Ich halte sogar die 5.000 Dollar, die Wikipedia da angibt, fuer
untertrieben.
Was Wikipedia angibt, kommt sehr gut hin.
Aber die Schere zwischen 5.000 Dollar/Jahr juer JEDEN Kopf -statistisch-
und den von Dir genannten 2.000 Dollar/Monat = 24.000 Dollar je Jahr ist
andererseits auch nicht so ungewoehnlich:
$24.000/Jahr waere dann der Betrag fuer die gesamte Familie, also $6.000 pro Kopf.
die Krankenkassen, insbes. in den
USA, muessen
sehr viel mehr rueckstellen, als im einzelnen Jahr an Ausgaben
anfaellt.
Vermutlich mussen die den Grossteil fuer Klagen zurueckstellen.
Unter anderem liegt das auch an der Politik, in den meisten Bundesstaaten
und nun auch noch ueber das Bundesgesetz Affordable Care Act ("Obamacare"),
"mandatory inclusions", d.h. bestimmte Risikoeinschluesse, zur Auflage zu
machen, die mancher gar nicht freiwillig waehlen wuerde, ebenso wie alle
(!) Tarife Quersubventionen fuer eigentlich gar nicht Versicherungsfaehige
enthalten (muessen). Das fuehrt auch zu einer Zersplitterung von
Abrechnungsverbaenden, mit
gewaltigen
Folgen fuer die statistisch zu ermittelnden Rueckstellungen.Hinzu kommt noch der grobe Unfug mit den vier Leistungs- und
Praemien-Niveaus
"bronze,
silver, gold and platinum".
Diese Tarife gab es auch schon vor dem ACA, sie hiessen nur anders. Bronze ist mit der hoechsten Selbstbeteilligung (ca. $10.000/Jahr plus $1.200/Monat Beitrag - Familie), Platin hat so gut wie keine Selbstbeteilligung aber bei fast allen Tarifen drueckt man fuer jeden Arztbesuch trotzdem 10 bis 50 Dollar ab.
Gesunde werden bronze waehlen, sehr kranke platinum. Platin wird von
Anfang an Defizite machen, da die hohe Praemie nur waehlt, wer netto
dennoch mehr Krankheitskosten verursacht, als er freiwillig einzahlt.
Bronze wird Ueberschuesse machen, da dort diejenigen einzahlen, die gar
keine Leistungen brauchen und am liebsten noch weniger absichern wuerden.
Ergebnis: in wenigen Jahren wird es einen "Strukturausgleich" geben. Bronze
muss Platin finanzieren.
Naja, das ist bei Versicherungen schon immer und ueberall so, dass die Gesunden die Kranken mitbezahlen. Das war im rein privaten System vor ACA auch nicht anders.
Und die Versicherten bezahlen die Unversicherten, die Zahlenden bezahlen die Nicht-Zahlenden (die Notbehandlungen muessen nun mal gemacht werden, egal ob versichert oder nicht, egal ob bezahlt wird oder nicht - die Kosten werden dann von den Versicherten/Zahlenden reingeholt). Das war im rein privaten System auch schon immer so.
Das Obamacare-Projekt wird auch ziemlich bald nach Ende von Obamas
Amtszeit zusammenbrechen oder, wie bei uns, ueber "Gesundheitsreformen"
gesundgebetet (werden muessen),
wie
man allethalben lesen kann.
Es ist vor allem ein buerokratischer Wahnsinn, aber der war es vor ACA auch schon. Dafuer gibt es in den USA sogar einen spezifischen Beruf: Coder.
Jede Abrechnung einer medizinischen Leistung unterliegt bestimmten Bedingungen (Codes). Derzeit gibt es 144.000 verschiedene Bestimmungen (eine Verzehnfachung!!! seit den 1970ern) die beachtet werden muessen. Mit ACA ist es natuerlich noch komplexer geworden. Da wird natuerlich auch viel falsch gemacht und dann fleissig geklagt. Als Patient, blickt man sowieso nicht mehr durch und zahlt, oder auch nicht.
https://www.aapc.com/medical-coding/medical-coding.aspx
Ausserdem gibt es eine extreme Segmentierung des Gesundheitswesens, die den buerokratischen Aufwand in die Hoehe treibt, als auch den Wettbewerb verzerrt bzw. unmoeglich macht.
Tarife schwanken stark mit der Postleitzahl, wer in teuren Gegenden wohnt, zahlt halt viel mehr fuer die gleiche Leistung. Zudem beschraenken sich Krankenkassen regional, fuer mich gibt es sage und schreibe zwei Anbieter, die dann noch voellig identische Tarife und Leistungen anbieten. Wettbewerb gleich Null. Natuerlich gibt es noch andere Kassen, aber die sind nur ueber einen Arbeitgeber zugaenglich. Aber auch dort gibt es keine Wahl, man muss nehmen was der Arbeitgeber anbietet.
Medizinische Einrichtungen machen einzeln Vertraege mit den Kassen, welche Leistungen sie erbringen und was die kosten. Wer die Versicherung wechselt (z.B. durch Arbeitgeberwechsel) muss in der Regel auch alle Aerzte wechseln, weil die eben nur den Vertrag mit einer oder zwei Kassen haben. Das schraenkt natuerlich auch die Auswahl erheblich ein und die Arztsuche wird zur Herausforderung, weil man erst ueberall rumtelefonieren muss, ob der Arzt auch meine Kassen nimmt.
Dazu kommt die hohe Klagefreudigkeit von Patienten gegen Aerzte und Kassen, bei den abartigen Kosten fuer simple Behandlungen auch verstaendlich. Dies treibt wiederum die Tarife hoch, eine Spirale ohne Ende.
Die Verorgung ist natuerlich auf sehr hohem Niveau, nur leider ist das ganze sehr ineffizient. Darueber gibt es internationale Statistiken und die USA schneiden schlecht ab: Wieviel Geld reingepumpt wird und wie dann der gesundheitliche Zustand der Bevoelkerung aussieht. Die Privatwirtschaft ist in dieser Frage eben voellig unfaehig, weil diese Branche extrem von Kartellen, Lobbies und Buerokratie kontrolliert wird (schon lange vor ACA).
Ich hoffe sogar, dass dieses System schnell zusammenbricht. Es wurden ja schon wieder Tarifsteigerungen angekuendigt, nur wird die kaum noch jemand zahlen koennen, selbst bei einkommensabhaengigen, subventionierten Tarifen.
Ich finde das britische Modell weit effizienter (ich war dort sogar mal ein paar Tage im Krankenhaus, die Behandlung und Pflege waren OK, nicht ganz so sauber und neu wie in D, aber ich musste keinen Penny zahlen). Das US-System moegen nicht mal die Amerikaner, besonders wenn sie vergleichen koennen, wie es z.B. in GB aussieht. Ich koennte da jetzt noch endlos Anekdoten von Bekannten erzaehlen.
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