Falsch! Reziprozität.

Weiner, Freitag, 22.05.2015, 01:21 (vor 3891 Tagen) @ Phoenix55885 Views

Guten Abend bzw. Guten Morgen!

Die Psychopathie oben hat ein Spiegelbild unten. Weil ich selbst hier auf dem Forum einmal auf Psychopathen in den höheren (und hinteren) Etagen staatlicher und wirtschaftlicher Institutionen hingewiesen hatte (und neulich KK mich daran erinnern wollte), darf ich hier die Gelegenheit wahrnehmen, eine notwendige Ergänzung und Klarstellung nachzureichen.

Die Psychopathen da oben können sich nur halten, weil die Defekten und Bequemen hier unten das zulassen. Es mag so gewesen sein, dass die ersten Staatssysteme vor 6000-7000 Jahren durch gewalttätige Überlagerung von Männerbanden über nicht wirklich wehrfähige Agrargemeinschaften entstanden sind. Und ganz zweifellos hat sich diese Gewalttätigkeit mit psychopathischen Charakteren fortan gepaart - und ist in dieser Kombination seither eine wesentliche Komponente für die Aufrechterhaltung des Staatsparadigmas geblieben. *)

Man darf aber nicht übersehen, dass Untertan zu sein, auch Vorteile bietet: man zahlt, und andere nehmen einem die soziale Organisation des Lebens - die sehr anstrengend sein kann ... - auf weite Strecken ab. Immer mal wieder in der Geschichte wird diese Korrespondenz zwischen Hirt und Herde durchschaut, ein sehr schöner Traktat ist etwa der von Étienne de La Boëtie (1530-1563) "Die freiwillige Knechtschaft des Menschen". **) Und Immanuel hat be-kan(n)t-lich dieselbe Sache unter einem anderen Zeitgeist dann klassisch formuliert:

"Selbstverschuldet ist die Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen."

„Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit außer dem, daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.“ ***)

Die Psychopathologie an der Basis geht so weit, dass wir uns fast ganz entäußern, selbstentfremden, vielfach die Menschlichkeit eigentlich verlieren. Indem wir freiwillig unsere Gesundheit an ein Gesundheitssystem abgeben, die Erziehung unserer Kinder an die Schule, die Versorgung unserer Eltern an die Altenheimindustrie, den Schutz der Umwelt an die Grünen, die Verhandlung mit dem Arbeitgeber an die Gewerkschaft, unsere Phantasien an Hollywood, unser Denken an die Medien, das Lebensrisiko an Versicherungsgesellschaften, unseren Beutel an die Banken, die politische Willensbildung an Parteien etc. etc. geben wir letztendlich uns selbst auf. Wir sind auf diese Weise kaum weniger psychopathisch als die da oben: und diese unseren psychischen Defekte sind letzlich der Dünger auf dem die ganz bösen Blumen hervor - und nur scheinbar nach oben wachsen.


Meint, freundlich grüßend, Weiner


*) Weil die Psychopathen ganz oben sich nur selten die Hände schmutzig machen, brauchen sie stets psychopathische Helfershelfer in den mittleren und unteren Rängen; bester Beweis dafür sind Phänomene wie die folgenden: http://de.wikipedia.org/wiki/Dezimation bzw.
http://de.wikipedia.org/wiki/Fustuarium


**) http://gutenberg.spiegel.de/buch/von-der-freiwilligen-knechtschaft-des-menschen-5225/1

***) Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? Berlinische Monatsschrift, 1784, 2, S. 481–494

PS: Der Begriff der Psychopathologie müßte im Kontext von sozialen Ordnungen und Politik eigentlich erst definiert werden. Hätte man die betreffenden Kriterien fixiert, würde man wahrscheinlich finden, dass ihr Vorkommen gleichverteilt ist. Ich spekuliere manchmal aber, ob nicht bestimmte Merkmalskombinationen auch vererbt werden können und somit familiär, vielleicht sogar schichtenspezifisch (Kasten in Indien) gehäuft aufscheinen.


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