Staatliches Privatgeld

Nico, Donnerstag, 03.11.2016, 05:27 (vor 3414 Tagen) @ Rybezahl3746 Views
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 03.11.2016, 05:52

Eine von der ZB emittierte Note kann kein Falschgeld sein, weil sich
Falschgeld ausdrücklich dadurch definiert, nicht über die ZB

emittiert

worden zu sein, und dieses aber fälschlich vorgibt. Nur vor dem
Hintergrund deiner konfusen Vorstellung über das Geld erscheinen dir
„ungedeckte“ Zentralbanknoten irgendwie falsch.


Hallo,

emittiert ist das Zauberwort. Die Scheine werden aber nicht "instant"
ausgedruckt, wie du offenbar zu glauben scheinst.

Deine Vorstellung von „instand ausgedruckt“ dürfte dem hier von dir geschriebenen entsprechen:

„Frech daran ist, dass "er" selbst nichts dafür tut. Der Geldschein entsteht durch Hinterlegung marktfähiger Sicherheiten bei der EZB und verschwindet wieder, wenn der marktfähige Kredit getilgt wurde. DANN nimmt der Staat etwas davon weg und verteilt es um (Sozialhilfe, Straßenbaufirma, Wurstfachverkäuferin). Und weil die EZB auch noch einen "Zins" verlangt, ist das Ende des Spieles schon am Anfang ziemlich klar (-> Pleite).“

Also nein, einen solchen Unterschied gibt es nicht, und wäre auch weiterhin nicht darzustellen. Dein Problem im Verständnis vom Geld liegt in deinem irrigen Verständnis vom Staat begründet. Du weißt, das Geld Schuld bedeutet, d.h., wer Schulden macht, emittiert Geld. Wenn ein Privatier Schulden macht, dann emittiert er Privatgeld (ich bevorzuge den Begriff „Kreditgeld“), und wenn der Staat Schulden macht, dann emittiert dieser Staatsgeld. Dieser Unterschied ist fundamental. Die ZB ist ein Staatsorgan und emittiert Staatsgeld. Das besondere an der bestehenden Situation ist dabei, dass im bestehenden System die ZB bedauerlicherweise einen Staat im Staate bildet – und damit einen von der Geldversorgung (Zahlungsmittel) abgeschnittenen Scheinstaat zurück lässt.

Die von der ZB emittierten Noten können also im Prinzip als deren Schuldscheine betrachtet werden, nur tragen diese auch ausschließlich dem Staatsgeld vorbehaltenen Eigenschaften. Diese Schulden haben nämlich keinen Termin, und sie sind zinsfrei. Diese für den Gläubiger ungünstigen Eigenschaften bestehen dabei auch noch ohne alle Sicherheiten - und selbst wenn Sicherheiten von der ZB entgegen genommen werden, so nimmt der Halter von Banknoten ja keine Sicherheiten von der ZB. Während du selbst (ganz in Heinsohn-Manier) die Bedeutung der Sicherheiten noch besonders betonst, könnten diese die genannten Konditionen bei Privatgeld niemals bewirken – auch die best-besichertsten gewerblichen Schulden tragen Zins und zumeist auch einen Termin (und/oder sind zumindest kündbar). Es ist unverzichtbar die Natur des Staates als den Ausdruck des Kollektiven und in Abgrenzung dazu die Natur des Privaten zu verstehen, um den Unterschied zwischen Staatsgeld und Kreditgeld zu verstehen – welchen Heinsohn natürlich nicht kennt. Zins, Termin und Sicherheiten sind ausschließliche Erscheinungen des privaten Kreditgeldes. Staatsgeld wird zwar vergleichbar mit dem Kreditgeld durch die Entgegennahme einer Leistung emittiert, aber es sind zins- und terminfreie Schulden, und zins- und termin-freie Schulden sind gar keine Schulden. Es wäre eher müßig zu fragen, ob diese schuldfreien Schuldscheine nun Zahlungsmittel sind, weil diese dazu erklärt wurden, oder weil es empirisch so funktioniert.

Die ZB welche den Staat repräsentieren sollte, aber den Staat im Staate bedeutet ist schuldenfrei – folglich kassiert diese auch nur Zinsen und bezahlt nirgendwo welche (ausser dass sie diese als NB-Gewinn an den Staat abführt). Der Staat, welcher kein Staat sein kann, wenn er einen Staat in sich trägt, oder über sich hat, würde keine Schulden haben, hat sie aber, wenn er wie beschrieben demontiert ist.

Dass die ZB Staatsanleihen nur über den s.g. „Sekundärmarkt“ erwirbt, wird dir, werter Rybezahl, nicht neu sein. Für die allgemeine Wohlfahrt bestehen hierfür keine Gründe, außer vielleicht diffuse Vorstellungen von Solidität, vermittelt durch Begriffe wie „Sicherheiten“oder „Eigentum“, am besten in Form von Gold. Solches soll unser Geld wertvoll machen, ohne zu unterscheiden, von welchen Geldern gerade die Rede ist, und die Eigenschaften von dem einem Geld einfach auf das andere übertragen werden. Davon abgesehen erklärt dieser diffus motivierte Anspruch gar nicht, weshalb der Staat nun zum Markt -> nämlich zum Primär-Markt zu machen sei. Dafür findet sich nur die offenkundige Absicht, den Staat zu privatisieren, und die Menschen die diesen Staat bilden gleich mit.

Schöne Grüße

PS:

Schau wenn du willst auch hier rein:

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=338156

PPS:

Entschuldige, wenn ich zuvor vielleicht etwas scharf formuliert habe, manchmal glaube ich vielleicht zu unrecht, dass jemand stur ist.

--
... in Wirklichkeit ist ... immer alles ganz anders, als es ... in Wirklichkeit ist ...


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