Erstens und zweitens - Habe immer darauf geachtet, dass meine Lieferanten Kostendeckung haben u. meine Leute gut bezahlt sind
Hallo Olivia,
nur dass kein Missverständnis aufkommt: Bin selbstständig. Und habe, wie ich es hier mal schon maöl verteidigen durfte, gleich bei Übernahme meiner kleine Unternehmens die Preise und die Bezahlung von Mitarbeitern angehoben. Die Leute arbeiteten hart, und sollten gut arbeiten, als habe ich zu den einfachen Rängen (Hands, aber vor allem Hostessen und Hosts usw.) gesagt, unter 10 Euro die Stunde, arbeitet keiner bei mir. Und vernünftig begründet haben Kunden das auch mitgetragen (zumal die aus dem Bundesgebiet ohnehin andere Preise gewohnt waren, als in Dumpingcity Berlin). Als z. B. die Spritpreise anstiegen, mussten wir anpassen, und ich habe meinen Lieferanten immer Mut zugesprochen, auf ihre Kostendeckung zu achten, auch wenn ich die Preise bei den Kunden zu vertreten hatte (denn was nützte mir, wenn es auf Grund längeren Dumpens zu Problemen kam?).
Und genau da habe ich es auch gesehen: Die Kunden diskutieren nicht über Sachkosten in der Weise, wie über Personalkosten! Auf Grund dieser steten Propaganda. Alles darf was kosten, nur die Leute nicht!
Weißt Du, wie teuer so richtig chice Messestände sind? Das geht ganz fix in die Millionen. Alles vom Allerfeinsten, denn es muss ja brillant wirken. Alles schnell aufgebaut usw. Voll modernster Veranstaltungstechnik auf Messen wie der IFA. Da wird richtig sehr viel Geld ausgegeben. Aber über die Preise bei den Hostessen: Da wurde gern diskutiert. Dabei waren die selbst in Summe ein geringer Posten im Vergleich zu anderen Kostenpunkten oder -gruppen, geschweige denn zu den Gesamtkosten. Verludert, wie es alles ist, wurde aber genau da oft geschachert. Wirklich albern.
Und genau so ist es auch bei den anderen Niedrigverdienern. Wie gesagt: Die Leute geben für alles Mögliche in Deutschland mehr als anderswo aus. Aber die Friseure, Pizzabäcker und Bäcker gehen angeblich zu boden, wenn sie ein paar mehr Euro einpreisen sollen? Das ist doch, entschuldige bitte, lächerlich.
Bitte Dich zudem sehr, Deinen Ton etwas zu prüfen. Du bist nicht die Einzige mit Erfahrung und überhaupt, geht es verbindlicher im Ton imho besser.
Weißt Du, was der Vorteil ist, wenn man seine Leute halbwegs anständig behandelt? Sie arbeiten lieber für einen. Das ist in meinem Geschäft, wo vieles sehr schnell und temporär ist, auch nicht ganz unwichtig.
Wir müssen uns jetzt Zuhause Lebensmittel liefern lassen (das ist zudem ganz bequem). Das Unternehmen, das nun liefert, scheint besser zu zahlen, als eine andere Truppe, die wir mal hatten. Das sieht man den Leuten direkt an. Auftreten insgesamt viel angenehmer.
Man muss doch nicht so tun, als sei das, was gespart wird, ohne Folgen.
Die Arbeitsbelastung steigt überall. Aber die Entlohnungen in Deutschland stagnieren an vielen Stellen. Das führt auch zu weniger Loyalität.
Die Welt und FAZ berichteten unlängst, dass jedes 6. Kind in Deutschland von HIV lebt. Es gibt 1,4 Mio Aufstocker, offziell, die arm trotz Vollarbeit sind.
Das liegt sicher nicht alles nur am bösen Druck von außen, oder?
Nein, es liegt auch an uns.
Und wir müssen uns nicht wundern, wenn viele auch angesichts des modernen Arbeitslebens, mit viele Arbeit usw. bei stellenweise miesester Bezahlung kein Basis sehen, eine Familie zu gründen oder, dass einer der Elternteile sich mehr um die Kinder kümmert, oder gar zuhause bleibt.
Wie lange soll denn die Lohnpreisschere auseinandergehen können?
Deine Rede, und es tut mir leid das sagen zu müssen, kann mich leider nicht überzeugen.
Viele freundliche Grüße
azur
PS: Habe zweimal miterlebt, wie ein großer Konkurent zu Boden ging. Das sahen viele in der Branche mit lachendem und weinendem Auge, denn Bestände von Miettechnik und Mietausstattung sind für alle wertvoll, und man ist auch nicht selten aufeinander angewiesen, wenn der Kunde mehr will, als man auf Lager hat usw.
Gerade dieser Blick auf auch solche Effekte zeigt, dass es nicht nur gegeneinander geht, sondern auch miteinander.
Nicht vergessen: Nach den Marxisten besteht der antagonistische Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit. So etwas ähnliches hört man auch dort heraus, wo es immer nur um weniger Bezahlung von Menschen geht.
Mensch, wir sind doch auch aufeinander angewiesen, und leben nicht im luftleeren Raum (da gibt es eine Menge legitimer Interessen: Z. B. das der Niedrigverdiener, von den kargen Mitteln Miete usw. zahlen zu können, und vielleicht sogar Urlaub, der bei mir auch viel zu knapp kam, fahren und sich erholen zu können). Da bedarf es auch Ausgleich.
Das ist eine Schande: http://www.focus.de/finanzen/news/armut-der-eltern-zeitung-jedes-sechste-kind-lebt-in-e...
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