Arbeit und ihr Wert

Piter, Montag, 21.09.2015, 09:08 (vor 3778 Tagen) @ Domac3900 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 21.09.2015, 09:17

Hallo Domac,

Vielleicht nach Deiner Wahrnehmung.
Es gibt aber gering qualifizierte Arbeiten wie Lagerreinigung, Kisten mit
Paketband verschließen usw. die keine 8,50 EUR wert sind. Das hat mit
arbeitsscheu erstmal nichts zu tun.

Wer bestimmt denn den Wert der Arbeit? Wenn für die ganzen Putzarbeiter, Paketlieferanten und Lagerarbeiter 8,50 € zu viel sind, dann soll die Unternehmensführung eben eine Maschine hinstellen, die das effizient, 24-Stunden, ohne Pause und ohne Urlaub erledigen kann.

Oder gibt es diese Arbeitsplätze nur aus Freundlichkeit?

Wo liegt also der Fehler, in Deiner Argumentation?

Richtig, eine Maschine muss man auch kaufen und bezahlen. 8,50 € Stundenlohn ergibt einen Jahreslohn von 36.720 €. Das entspricht ungefähr dem Abschreibungsbetrag für eine 500.000 € teure Maschine. Wobei die Wartungskosten noch hinzu kommen.

Ein Lagerarbeiter kann nicht nur lagern, sondern auch putzen, ausliefern und verwalten.

Finde einmal eine Maschine, die das kann. Sonst musst Du gleich vier kaufen. Aber ich empfehle noch dazu einen studierten PR-Mitarbeiter, der den Kunden dann erklärt warum sie vom Selbstbedienungsterminal besser bedient werden als von einem Mitarbeiter und die Regale putzt die Maschine auch nicht.

Darum erübrigt sich eine weitere Diskussion.

Löhne sind zwar immer mehr global wie die Inlandspreise, doch weiterhin auch immer eine gesellschaftliche Konvention.

Wenn das Porto für ein Paket in Deutschland 15 € kostet, statt 5 € in Russland, dann ist das die Konvention darüber, dass der Angestellte und das Unternehmen höhere Kosten und Löhne sowie Profite haben.

Jetzt könnte ich, wie Du es tust, genauso behaupten, dass der gesamte Versandhandel in Deutschland keine 15 € "wert seien" und demnach die Portokosten von Russland gelten sollten.

Was kostet die Gesellschaft, pro Stunde, ein Arbeitsloser? Vielleicht Alkoholkrank oder psychisch kaputt, inklusive Arztbesuchen, Therapie, Weiterbildung und Bearbeiter?

Inklusive Wohngeld, Sozialhilfe? Wenn man alle Kosten hochrechnet kommen auch schnell mal 1.500 bis 2.000 € im Monat zusammen.

Das sind 9 € in der Stunde.

Diese Kosten werden komplett von den Arbeitenden bezahlt. Was ist also falsch daran, 8,50 € Mindestlohn einzufordern, um nichtsubventionierte Arbeit zu schaffen?

Natürlich kann man auch übereinkommen, das Wohngeld abzuschaffen, die Sozialhilfe und das Mindestlohnniveau.

Doch dann sollte auch das gesamte volkswirtschaftliche Preisniveau so weit "heruntergefahren" werden, dass der 3 € Arbeiter auch leben kann.

Genau das ist aber gegen das aufgeschuldete, moderne und profitable, vollsubventionierte System.

Das wäre der Kollaps der deutschen Wirtschaft.

Ich lebe in Russland, hier bekomme ich für 200 € wesentlich mehr und frischere Lebensmittel als in Deutschland. In Deutschland müsste ich mich von Penny Dreck ernähren. Wer einmal deren neutralschmeckende blasse Hühnchen, mit einem maisgefütterten gelben Landhuhn verglichen hat, weiß wovon ich schreibe. Mein Huhn kostet dabei nicht mehr, sondern meistens weniger als im Angebot bei Penny.

Als Mindestlohnarbeiter könnte ich mir in Deutschland das alles nicht leisten.

Wo liegt Deiner Meinung nach die Untergrenze für einen nichtsubventionierten Lohn?

Doch es ist leicht darüber zu diskutieren, wie der Herr Sinn, wenn man selbst 5.000 € im Monat verdient.

Gruss
Piter


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