Mindestlohn - Ausnahmen - Wettbewerb Kleingewerbe

Dieter, Montag, 21.09.2015, 11:36 (vor 3778 Tagen) @ azur3603 Views

Hallo azur,

der Mindestlohn funktioniert doch nur in Ländern, die entsprechend viele Ausnahmen definiert haben, z.B. auch in England. Frankreich hat schon länger seinen Mindestlohn mit so wenig Ausnahmen wie Deutschland - und haben massive wirtschaftliche Probleme.

Es geht gar nicht um Abwanderung von Betrieben, dafür ist maßgeblich die Tarifpolitik verantwortlich. Es geht darum, daß bestimmte Tätigkeiten einfach nicht mehr ausgeführt werden oder in die Schwarzarbeit abdriften, da Mindestlohn + Sozialabgaben darauf zu teuer kommt.

Mindeststandards hatten wir tariflicherseits ohnehin schon in den meisten Bereichen durch die grassierende Wut von Allgemeinverbindlichkeitserklärungen von Tarifen.

Für mich ist Mindestlohn ein gleichbedeutendes Element wie Mindestgewinn, Mindestmiete, Mindesteinkommen.
Mindesteinkommen haben wir über die Hartz IV Gesetzgebung.
Mindestlohn jetzt auch,
wann kommt der Rest? Nun ich gebe zu, die Linken sprechen lieber von Maximalgewinn und Maximalmiete, deren Höhe zu definieren sei.

Es ist nun mal so, wenn plötzlich 1 oder 2 Millionen potenzielle Arbeitnehmer in eine Volkswirtschaft wie unsere hinzustoßen und im Arbeitsmarkt untergebracht werden sollen, dann geht das aufgrund der neuen Konkurrenzsituation voll zu Lasten der vorhandenen Arbeitnehmer. Senkt sich allgemein deren Preis nicht, dann wird es zwangsweise zu einer Erhöhung der Arbeitslosigkeit kommen in der Größenordnung der hinzugekommenen neuen potenziellen Arbeitskräfte. Deren Kosten trägt dann die Allgemeinheit.

Andererseits muß man auch bedenken, daß in den Herkunftsländern bei denen die Sozialstandards nicht so hoch sind wie in Deutschland der Anteil der Selbständigen traditionell deutlich höher ausfällt als hierzulande.

Es ist also davon auszugehen, daß von den Neuankömmlingen ein relativ hoher Anteil in die Selbständigkeit geht und dort vor allem vorhandene Klein- und Mittelbetriebe mit Billigangeboten unter Druck setzen wird. Und da es keinen Mindest-Unternehmerlohn gibt wird sich das Einkommen dieser Betriebe insgesamt reduzieren. Hinzukommt, daß viele "Handwerker" der Neuankömmlinge sich selbständig machen werden, aber aufgrund der Handwerksordnung zwangsweise in die Illegalität wandern, dafür aber nicht die Kosten des Staatshaushalts mittragen müssen oder sogar noch Stütze zusätzlich bekommen.

Profiteure sind letztenendes in der Industrie und den Großbetrieben auszumachen, die auch von Linken und Gewerkschaften lieber gesehen werden als die vielen kleinen eigenwilligen Selbständigen. - und so schließt sich der Kreis.


Gruß Dieter


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