Tja, die alten Zeiten

Martin, Montag, 21.09.2015, 16:54 (vor 3778 Tagen) @ CrisisMaven3273 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 21.09.2015, 16:59

Den Menschen, die hier ankommen muss man teilweise erklären, dass man

bei Rot nicht über die Straße gehen darf.

Aeh, ach so, das hatte ich auch bereits verdraengt ... [[zwinker]] ...
Kein Wunder, wenn schon der Bio-Deutsche mit schlechtem Beispiel
vorangeht.

Ja, daran habe ich auch gedacht, als ich das schrieb. Das macht die Sache natürlich noch komplizierter.

Ich habe in den 60ern als 15-jähriger mit den Gastarbeitern (vorwiegend italienische) auf dem Bau gearbeitet. Stimmt, da gab es noch die Lohntüte am Ende der Woche. Das mit dem Versaufen des Lohns war aber kein Thema. Das war ein Thema Ende der 20er-Jahre, wenn die Arbeitslosen ihr Arbeitslosengeld beim Arbeitsamt abholten. Da stand dann die Frau mit dabei, damit das Geld nach Hause kommt (Schilderungen meines Vaters).

In den 70er Jahren habe ich mir etwas Geld neben dem Studium verdient und Autos von Stuttgart nach Istanbul für eine türkische Firma überführt. Gastarbeiter konnten einmalig zollfrei ein Auto (Mercedes oder amerikanischer Schlitten) in die Türkei bringen. Das hat sich bei 200 % Zoll gelohnt. Die türkische Firma hat dann Türken ohne Führerschein und Ambitionen gesucht, die dann mitfahren mussten. Der Kofferraum war voll von Haushaltsgeräten, dafür wurde dann der türkische Zoll geschmiert. Der Fahrer bekam 1000 DM pro Fahrt, der Zoll 300 DM pro Auto, was der Gastarbeiter bekam weiß ich nicht. Einer von denen sprach mit mir nur ein Wort Deutsch: Immer, wenn wir über einen Fluss fuhren hat er 'Neckar' gesagt.

Im Übrigen gibt es hier noch eine ganze Menge Italiener, die auch nach 20 Jahren nur ganz schlecht deutsch sprechen. Ich schätze, 10 % schaffen es nie, das hängt auch von den geistigen Voraussetzungen ab. Ein vietnamesischer Boat-People, Bruder eines Studenten, kam mit 16 in D an und hat mit 18 das deutsche Abitur gemacht. Sarrazin hat schon recht.

Ansonsten ist klar: Mit den heutigen Arbeitsrandbedingungen hätte man D nie nach dem Krieg wieder aufbauen können. Die 'Guck' waren in der Minderzahl, die 'Schaff' haben gemacht was sie für richtig hielten. Heute kommen die 'Brems' noch dazu.

Wir hätten heute auch keinen Mangel an bestimmten Arbeitskräften, wenn wir ein paar alternative Berufsaussichten von vornherein schon gar nicht zuließen. Und eine Menge Lehrstühle obsolet machten. Ich vermute mal, dass die demographische Struktur bei Männern direkt nach dem Krieg nicht viel ungünstiger war als heute, vor allem, wenn man auch noch die die in Gefangenschaft waren außen vor lässt. Es gibt also theoretisch noch eine Menge Luft bevor wir Arbeitskräfte importieren müssen.


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