Um keine Missverstaednisse aufkommen zu lassen (Gueterabsatz und Schaerflein fuer organisierte Kriminalitaet) ...

CrisisMaven ⌂, Samstag, 29.08.2015, 12:10 (vor 3799 Tagen) @ Piter4302 Views
bearbeitet von unbekannt, Samstag, 29.08.2015, 13:06

Zudem gibt es ja noch die Politik und Gerichte, die solche Triebtäter immer wieder schützen.

Das Problem in einem kapitalistischen "marktwirtschaftlichen" System ist: wenn und solange es Konkurrenten gibt, die auf irgendeinem Gebiet 'besser' sind, als das eigene Unternehmen, muss das jeweilige Konkurrenzunternehmen versuchen, auf dem jeweiligen Gebiet mindestens gleichzuziehen, oder es verschwindet langfristig vom Markt.

Wenn es sich um differenzierbare Nischen handelt, um die konkurriert wird, dann kann man sich in jeweils einem Gebiet "konkurrenzlos" profilieren, etwa SAP im Bereich der ERP-Systeme usw. Es ergibt fuer Kunden irgendwann keinen Sinn mehr, "woanders" zu kaufen. Jedenfalls solange nicht jemand mit "the next big thing" kommt (Auto versus Kutsche z.B.).

Wenn aber sich die organisierte Kriminalitaet nicht auf wenige Gebiete beschraenkt, sondern soviel Macht hat, dass sie alle Absatzmaerkte im Griff hat, dann kann ein Konzern nur entweder

a) Tribut zahlen

oder

b) den Markt meiden.

Das geht bei kleineren Laendern oder Gebieten, etwa italienische Landstriche, ganz gut. In Russland und China scheint es aber derzeit so zu sein, dass die organisierte Kriminalitaet sich das Land flaechendeckend aufgeteilt hat (d.h. einzelne Familien/Oligarchien/Triaden haben untereinander Gebietsabsprachen, die aber keinen "Zipfel" aussparen; in China ist die Verflechtung noch etwas umfassender: dort sind Volkspartei und Volksarmee mit von der Partie).

In Japan mag es aehnlich sein, in Italien, dem angeblichen Mutterland der sprichwoertlichen Mafia, eigenartigerweise nicht, d.h. dort gibt es im Norden ein paar "weisse Flecken" (solange man nicht dort mit Rauschgift handeln will - weshalb ohne Freigabe des Drogenkonsums die organisierte Kriminalitaet auch nie ganz auszurotten sein wird).

In den USA z.B. gibt es Gebiete, da hat die Mafia die Muellentsorgung fest im Griff, in anderen wiederum herrscht echter Wettbewerb. Aber da es dort auch noch unbestochene Staatsanwaelte gibt, gelingt es manchmal, sie in die Schranken zu weisen.

Zwar versucht die Mafia immer mal wieder, ihre Gebiete auszuweiten, aber das geht nicht ohne physischen Druck und der faellt auf.

Ueberhaupt ist es ein kriminologisches Kennzeichen organisierter Kriminalitaet, dass Ruhe herrscht. Es gibt gerade keine Schiessereien. Jeder zahlt, weil er weiss, was ihm sonst geschieht und dass er auch von den staatlichen Organen keine oder keine rechtzeitige Hilfe erwarten kann.

Nur wenn es Gebietsstreitigkeiten gibt, brechen manchmal Revierkaempfe aus. Diese ziehen aber die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf sich und zwingen selbst die mit der Mafia verflochtenen Polizeikraefte, einzuschreiten.

Dies gilt es tunlichst zu vermeiden. Daher oft die Mafia-Konferenzen, die versuchen, diese Konflikte "friedlich" beizulegen.

Die Bevoelkerung wie kriminologisch/sicherheitspolitisch unerfahrene Politiker glauben dagegen, wenn "Ruhe herrscht", sei alles in bester Ordnung. Weit gefehlt.

Auf Russland gewendet: Es mag sein, dass auch Russland geographisch nicht vollstaendig aufgeteilt ist oder beherrscht wird, es mag Doerfer und Gebiete der Taiga geben, die einfach zu uninteressant sind. Die Mafia braucht ja einen Mindestertrag, um ihr Mindestpersonal zu entlohnen. Daher ist sie vor allem in Ballungsgebieten aktiv. Dort kann sie sich auch am ehesten in allen moeglichen Geschaeftszweigen tarnen. Auf dem Lande faellt ein ungewoehnlich Reicher auf, von dem niemand weiss, mit was er eigentlich sein Geld verdient.

Das Tragische an Russland ist, dass die Mafia mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine gewisse Zeitspanne hatte, sich "ganz oben" zu installieren, etwas, das ihr vermutlich noch nie in einem nennenswert grossen Staatsgebiet ausserhalb der Dritten Welt gelungen ist. Immer, wenn ein Staat "wackelt" und keine Renten und Gehaelter mehr zahlen kann, bzw. kompromittiertes Personal 'rausschmeisst' und insbesondere, wenn kein privater Sektor da ist, der diese Menschen absorbieren kann, wenden sich solche Menschen einer 'Mafia' zu. In Russland galt das fuer entpflichtete Geheimdienstler ebenso wie fuer Funktionaere oder Kombinats-Manager. In Deutschland ist mit entpflichteten Stasi-Offizieren ja aehnliches geschehen. Die im Uebrigen, wie jede organisierte kriminelle Organisation, auch versuchen, die jeweiligen Sicherheitskraefte zu unterwandern.

Im Irak hat George Bush als erstes saemtliche irakischen Soldaten entlassen, mit der Folge, dass diese -meist gleich noch unter Mitnahme ihrer Waffen- sich marodierenden Banden angedient haben und die militaerischen Erfolge von ISIS auch teilweise damit zu erklaeren sind, dass dort best-ausgebildete irakische Offiziere "Dienst" tun. Aber auch in Westdeutschland kann man in einem Geheimdienst zum Praesidenten aufsteigen, auch wenn der Bruder organisiert-kriminell unterwegs ist.

Die auslaendischen Konzerne haben in Russland also die Wahl zwischen Pest und Cholera:

1) dorthin nicht expandieren und aber der Konkurrenz, die weniger Skrupel zeigt, dann das Feld zu ueberlassen.

Allein die Schlagzeilen uninformierter Journalisten in einer typischen Autozeitung fuer maessig Gebildete: "Russische Millionaere fahren lieber BMW als Mercedes" ist schon geschaftschaedigend auch im Rest der Welt! Das ist also kein Problem, das sich fuer einen Weltkonzern regional begrenzen liesse!

2) Oder man geht halt in den Markt und unterwirft sich seinen Regeln, genauso, wie man PwC, KPMG oder Ernst&Young fragt, wie denn vor Ort das Steuersystem aussieht.

Nun hat man nur ein Problem, das frueher nicht bestand. Frueher konnten Unternehmen Bestechung im Ausland im deutschen Inland als sog. "nuetzliche Aufwendungen" absetzen. Das Finanzamt erkannte solche "Buchungen ohne Beleg" an, sofern das im Verhaeltnis zur jeweiligen Geschaeftstaetigkeit stand, auch wenn ein Teil davon sicher genutzt wurde, um Gewinne zu verschieben, ohne Steuern zu zahlen, ohne dass mit dem dann schwarze Kassen fuellenden Geld irgend etwas "gekauft" wurde.

Dass so etwas ein Unternehmen mit der Zeit von innen heraus korrupt macht, ist klar. Und deswegen hat man ja mit "Corporate Governance" und "Transparenzberichten" versucht, dem einen Riegel vorzuschieben.

Jedoch: damit das wirkt, siehe oben a) oder b), darf man nicht bei den Unternehmen anfangen. Einem Unternehmen seitens Transparency International und seitens Ober-Governor Cromme zu verbieten, Schmier- oder Bestechungsgelder oder Mafia-Tribute zu zahlen bedeutet, ihm zu untersagen, in bestimmten geographischen Gebieten wirtschaftlich taetig zu sein. Punktum.

Dasselbe kaeme ja niemand in folgender Formulierung in den Sinn: "Mercedes, betaetige Dich auf dem russischen Markt, sei fruchtbar und mehre Dich, aber zahle ja niemals Steuern an den boesen Putin".

Jeder weiss, das geht nicht, man muss die oertlichen Rechtsvorschriften einhalten.

Ja jaaaa, aber man muss eben auch andere, ungeschriebene, Gesetze einhalten.

Waehrend viele, siehe Griechenland, geschriebene Gesetze sich sogar straflos umgehen lassen, lassen sich oertliche ungeschriebene Gesetze oft nicht umgehen. Und waehrend auf die Umgehung geschriebener Gesetze in den meisten Staaten heutzutage nur noch Geld- oder Gefaengnisstrafe steht, droht bei Missachtung regionaler organisiert-krimineller Strukturen die Todesstrafe. Und diese wird sogar im Ausland oder an Familienmitgliedern vollstreckt.

Wenn also Transparency International und andere Schoenwetter-Vereine meinen, die Gesundung der wirtschaftlichen Kultur koenne von den Unternehmen ausgehen, indem sie in bestimmten Maerkten einfach darauf verzichten, ihre dort ueblichen Steuern zu bezahlen, so zwingen solche verblendeten Gutmenschen die Unternehmen zur Wahl zwischen drei Moeglichkeiten:

I) Den dortigen Markt zu meiden und ueber kurz oder lang auch in allen anderen Maerkten Einbussen zu erleiden, weil es immer Konkurrenten gibt, die das ausnutzen.

II) Oder Schaden an Leib und Leben und an den dortigen Investitionen, die dann meist erstaunlicherweise oft in Brand geraten, inkauf zu nehmen.

III) Oder sich mit Lippenbekenntnissen der Oeffentlichkeitsmacht von Transparency International zu unterwerfen und gleichzeitig parallele Strukturen zu schaffen, die das Unternehmen -vom Standpunkt der Corporate Governance!!!- noch intransparenter machen, als vor diesen Corporate-Governance-Initiativen.

Aber Gutmenschen scheinen sich in den letzten Jahrzehnten durch Klonung fortzupflanzen, anders ist nicht erklaerbar, wie diese Sittenwaechter immer mehr Zulauf bekommen koennen, obwohl die Geburtenraten zurueckgehen.

Und ein Schelm, wer Boeses dabei denkt, dass auch diese Sittenwaechter bei ebendenselben Konzernen kraeftig die Hand aufhalten, oder woher finanzieren die sich wohl sonst und drucken ihre Hochglanzbroschueren???

Um eines abschliessend klarzustellen: ich beschreibe rein kriminologisch, wie die Dinge liegen. Ich heisse das weder gut, noch verurteile ich es. Ich richte ja auch nicht ueber Schiffbruechige, die sich kannibalisch ernaehren, um ihr Leben zu retten.

Die beteiligten Staaten haetten zuerst selbst die organisierte Kriminalitaet zu bekaempfen, in ihre Schranken zu weisen und auszurotten, bevor irgendjemand mittels Transparenzberichten die Vorstaende grosser Aktiengesellschaften zu einem permanenten Doppelleben und zum Luegen zwingt.

Und: es ist auch klar, dass damit die Auswahl unter Kandidat(inn)en fuer gehobene Vorstandspositionen sich von vornherein auf solche Personen einschraenkt, die bereit sind, ethische Massstaebe flexibel zu interpretieren.

Andere ziehen sich dann in kleinere Unternehmen oder die Beratung zurueck ...

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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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