Automobilverkäufe pausieren Russland geht es trotzdem nicht schlechter als Deutschland
Hallo Kirov,
In Russland fehlt ganz einfach die Kaufkraft
Ach ja richtig, darum betreibt BMW ein eigenes Montagewerk in Kaliningrad,
und Mercedes befindet sich in diskreten Verhandlungen mit der
Regionalverwaltung St. Petersburg um ein Stück Land geschenkt zu bekommen,
auf dem sie einen Produktionsstandort hochziehen wollen.Ganz typische Vorgangsweise in Ländern wo die Kaufkraft fehlt.
Naja bei der russischen Bevölkerung sind keine Neuwagen mehr sondern eher Gebrauchtwagen der Mittelklasse gefragt. Diese steigen sogar (in Rubel). Da die wenigsten Russen etwas mit Aktien anfangen können, kaufen sie darum Gebrauchtwagen um rund 10.000 US$.
BMW und Mercedes ist eher für die Reichen. Denen ist die Rubelkrise egal. Die zahlen noch immer die gleichen Löhne, während sich die Exportpreise - in Rubel - verdoppelt haben. Die Aktien der Rohstoffunternehmen sind darum in Rubel auf Allzeithoch. Teilweise 5-10 Mal so hoch wie in der Krise 2008. In US-Dollar immer noch deutlich höher wie damals.
Ein paar Entwicklungen aus meinem Bekanntenkreis:
Das Geld ist im Prinzip schon noch da. Es wurde in den letzten Jahren in Immobilien und in Autos gesteckt. Viele Russen haben mit der Rubelabwertung aber nur noch halb so viel Kaufkraft, in Auslandswährungen gerechnet, aber trotzdem haben die meisten Nettoersparnisse. Seit letztem Herbst haben die meisten ein paar Dollar.
Wer Geld hat kauft auch weiterhin Gebrauchtwagen und Wohnungen.
Darum haben sich die meisten mit der Krise abgefunden. Es gibt auch noch keine Massenentlassungen. Aber es fängt an weh zu tun.
Russiche Rohstoffe sind dennoch weiterhin wettbewerbsfähig und die großen Konzerne profitabel.
Hätte Russland im letzten Jahr - wie von der liberalen Presse gefordert wurde - den Rubel gestützt und die Fremdwährungsreserven auf den Markt geworfen, hätte die russische Rohstoffindustrie wesentlich mehr Kostendruck zu verarbeiten. Wahrscheinlich wären jetzt einige Produzenten in finanzieller Schieflage und müssten noch mehr Entlassungen tätigen.
Doch das ist nicht der Fall. Die Rubelabwertung ist den fallenden Rohstoffpreisen immer einen Schritt voraus.
Die Wohnungen sind in Rubelpreisen nicht so stark gestiegen. Der Quadratmeter kostet immer noch rund 60.000 bis 120.000 Rubel, je nach Lage. Das nutzen viele Familien, um zum Beispiel den Kindern zu helfen, damit diese eine Familie gründen und eine eigene Wohnung zu beziehen.
Nur die wenigsten nehmen dafür eine Hypothek auf. Es wird alles Bar bezahlt!
Daher würde ich sagen, dass das Vermögen in Russland weit höher ist, als in Deutschland. Wenngleich das Einkommen natürlich weitaus geringer ist.
Momentan verdient man in Russland zwischen 300 und 500 Euro monatlich. Letzten Frühjahr waren es noch 500 bis 800 Euro monatlich.
Viele Russen jammern natürlich deshalb. Aber ich erkläre denen oft, dass das Familieneinkommen mit Netto 600-800 Euro immer noch besser ist, als in Berlin. Dort verdienen die meisten Familien, nach Steuern, vielleicht 2.000 Euro. Davon gehen dann er 400 Euro gleich mal weg, für Kranken- und Rentenversicherung. 800 Euro Warmmiete gehen vom Rest auch noch ab. Netto bleibt der Berliner Familie darum auch nicht mehr übrig, für Konsum und Essen wie der Sankt Petersburger.
Oft glaubt man mir das nicht. Aber es ist ein Fakt. Das Preisniveau ist in Deutschland zudem höher. Viele deutsche Familien sind gezwungen bei Penny oder noch schlimmeren Läden einzukaufen.
Frisches Obst und Gemüse kostet das dreifache wie in Russland.
Es ist paradox. Es wundern sich die Deutschen immer noch, wie die "armen" Russen sich das alles leisten könnten. Umgekehrt wundern sich die Russen wie "arm" manche Deutsche herumlaufen. Sie denken das ist der Geiz. Weil Deutsche doch eigentlich reich sein müssten.
Schwer haben es in Russland jetzt diejenigen, die keine Wohnungen geschenkt bekamen oder diese in den Unruhejahren, Ende der 90er, verloren haben.
Gruß
Piter