"ius occupandi imperatoris", oder warum H/S ihre bisherigen Werke endlich "entschweigerisieren" sollten!

Ashitaka, Montag, 06.07.2015, 22:42 (vor 3849 Tagen) @ Silke4059 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 06.07.2015, 22:54

Liebe Silke,

Das ist doch das Riesenproblem der „Eigentumsökonomik“ und der
„Saldenmechanik“: sie stellt Größen in den Raum, die ausschlißlich
durch die Machtökonomik definiert sind und nicht durch Tahlenschubserei:
„Kann ich Dir (ohne in Zeit und Raum für mich nachteilige Folgen)
Wegnehmen.?“

So ist es. Das Problem ist so gewaltig (extern gewalttätig und derzeit gegenüber Intern schlagend noch im Wartemodus), dass die am Erfolg vorbei denkenden Thinkaholics unserer Zeit ihren Gedankenkreis nimmer schließen können bzw. wollen.

Für einen ehrlichen Debitisten gibt es nichts unter ökonomisch motivierten Dauerdenkern, Möchtegerndauerdenkern (=Kreisfliegern) und den um die Gunst der Stunde (nimm mich, kauf mich!) flehenden Speedwritern und Bloggern zu ernten. Schließlich ist die Geschichte unserer Vergewaltigung trotz all der Jahrtausende schnell erzählt, das Problem und die Voraussetzungen dieser Entfatungen des Debitismus bei ausreichend freien Synapsen ganz schnell verstanden. Und dann raubt der Debitismus jeder Theorie (Vermögen der Thinkaholics) ihre illusionär aufklärerische Triebkraft. Und deshalb meidet auch jeder, der noch an die Idee einer durch Reparatur (Politik/Reform) erzielbaren Vollkommenheit glauben will (an die HEILWERDUNG bzw. das "We light up the world!") eine ernsthafte Eingehungen auf den Debitismus, d.h. im Kern die Machttheorie.

Schau dir z.B. Stelter seine Antwort (muss ich noch drauf antworten) auf meine Kritik an. Da schrieb dieser doch in seinem Punktekommentar einleitend und jeden Debitisten erschaudernd, dass der Debitismus mit der Eigentumsökonomik gleichgesetzt werden könne, ja, dass die Eigentumsökonik nichts anderes sei, als Debitismus.

Stelter: "Leser meiner Seiten wissen, dass ich mit der Theorie der Eigentumsökonomik nicht nur wohl vertraut bin (seit meiner Dissertation 1990), sondern diese für absolut richtig halte. Nichts anderes ist das, was die Diskutanten im Gelben Forum „Debitismus“ nennen, nach dem mir persönlich bekannten und auch sehr geschätzten Paul C. Martin. Alle seine Bücher finden sich in meiner Bibliothek." http://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/so-glaubt-der-oekonom-loesen-sich-s...

Was soll man von solchen auf die Dissertation verweisenden Hilferufen halten? Wie wir alle hier im Detail anhand der Aufarbeitungen lernen durften, beruhen H/S's Theorien lediglich auf einer "schon irgendwie möglichen" Pfändbarkeit und erklären diese zur Eigenschaft des Eigentums. Martin hingegen bezeichnet H/S's Theorien als "Schalmeien-Theorie" und sein Blick geht unaufhaltsam (ewig dankbar dafür!) weiter, indem er durch seine Machttheorie (Macht, der Staat und die Institution des Eigentums, 2003) unterstreicht (ewigen Dank für diese Rücksichtslosigkeit!), dass die Institutsgarantie des Privateigentums lediglich unter einer Zwingherrschaft möglich ist, die immer und ausschließlich auf gewaltsamen Unterdrückungen aufbaut (Origin of war).

Martin dazu im alten EWF:

"Er (der Kapiatlismus, A.) ist die Konsequenz eines per Waffengewalt etablierten Abgabensystems mit nachfolgenden Machterhaltungs-Zessionen (sog."Privilegien" oder"Freiheiten") und ist ohne Waffengewalt (= Besicherung des"Kapitals" sowie der Erfüllung von"Kontrakten", letztere im Sinne des bekannten"Kettenbriefs") nicht definierbar."

Was Dottore mit seinem Macht-Paper messerscharf erklärt, sind die Geburtsstunden derjenigen Adern des Debitismus, aus denen Abgaben- und spätere Kontraktschulden erst entstehen können. Wir erkennen dank der zahlreichen Aufarbeitungen in diesem Forum, dass zwischen Heinsohn/Steigers "Eigentumsökonomik" und dem Debitismus nach Paul C. Martin ein himmelweiter Unterschied besteht und man diese beiden Theorien deshalb nicht miteinander gleichsetzen können wird. Die Voraussetzungen für Eigentum und Kapitalismus bilden eben keine privaten Freien, wie sie bei H/S "mal eben so da" rumturnen, sondern immer und ausschließlich auf Zentralmachten/Zwingherren und deren Gewaltanwendungen und -androhungen.

Dottore ging die Sache von Grund auf an. So sieht er auch den Ursprung des Zinsen ganz klar nicht in dem Verlust einer Eigentumsprämie des Gläubigers, sondern erklärte fein säuberlich, dass das Eigentum selbst überhaupt keine Prämie (Zins) bietet, dass es aber sehr wohl die Prämie erzwingen kann (siehe Mietzins). Um dies zu verdeutlichen musste Dottore nur eine Frage in den Raum stellen, damit der Zirkelschluss in dem Theoriengebäude H/S's bewusst wurde:

"Wer sollte sie (die Prämie) bezahlen?"

Weshalb Privateigentum belastet wird und sich der Gläubiger eine Blockierung entschädigen lassen muss (Prämie/Zins verlangt), über die Antriebskraft, darüber ist in H/S's Theorie nichts zu finden. Es wird uns stattdessen eine bereits irgendwie vorhandene nebulöse Notlage des Privateigentümers untergeschoben, die ihn halt einfach (grandiose Simplifikation) zur Belastung zwingt.

Dass aber jemand, der in Not geraten ist zu 99% keines Kredites (Vertrauen) würdig ist, solche Ausflüge in die Realität wollten H/S ebensowenig zur Kenntnis nehmen, wie sie erklären konnten, weshalb auch die Personen, die nicht in Notlagen geraten, tagtäglich ihr Eigentum belasten. Uns Debitisten geht es im Gegensatz zum Eigentumsökonomiker um die Systemfrage: Was zwingt die Menschen ursächlich und systematisch (d.h. von Anfang an und zeitlich regelmäßig wiederkehrend) dazu?

Die Antwort: Formlose Macht und formelle Herrschaft, in der erst die Machtzession an die Untertanen den Glauben in die Legitimität des Machthalters erweckte. Anders ausgedrückt: Der Vergewaltiger ist zugleich derjenige, der unsere Wunden säubert und uns die Löcher pudert!

Martin bietet mit seiner Machttheorie (als Voraussetzung für die wichtigste Ader des Debitismus (Abgaben-/Kontraktschuld) einen donnernden Ansatz, der den Klassikern und Eigentumstheoretikern aus einem bestimmten Grund nicht schmecken kann: Es ist die Bewusstwerdung, dass wir vergewaltigt wurden, vergewaltig werden und das ganze System schließlich in Gewalt enden wird! Die Antriebskraft aller Kontraktschulden ist nach Martin die Abgabe (Zinnß) an die Zwingherrschaft, eine nichtkontrakliche Schuld (ex nihilo). Der Zinnß-Treiber ist in erster und letzter Konsequenz der zunächst angedrohte und im Falle der Sanktion ausgeführte Waffeneinsatz.

Open your mind. Die Wahrheit ist banal und unangenehm.

Herzlichste Grüße,

Ashitaka

--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.


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