Wirtschaftlich wirksames Eigentum
Hallo Bill,
Hallo azur,
es gibt unterschiedliche Rechtstraditionen, und -kulturen.
so ist das wohl, ja.
In nicht allen Rechtskulturen ist a) ein Grundbuchwesen vorhanden und b)
von der Bedeutung, wie in Deutschland.
Ja.
Eigentum an Grund und Boden kann aber auch dort, c) noch kein
Grundbuchwesen vorhanden war (vor 18.00 in D) und d) noch kein
Grundbuchwesen vorhanden ist.https://de.wikipedia.org/wiki/Kataster#Begriff_und_rechtsgeschichtliche_Entwicklung
https://de.wikipedia.org/wiki/Kataster#Geschichte_des_Katasters
Vielrfach wird auf das Lehenswesen verwiesen, aber das ist falsch. Denn
das durchzpg nie alle Ländereien. Es gab auch kirchlichen Besitz und immer
auch Privatbesitz, siehe Allod.
Ja, Besitz schon. Je nach Besitzbegriff haben den Bienen an ihren Waben auch.
Und das Allod kommt dem Eigentumsbegriff, den ich - aus rein wirtschaftstheoretischen Gründen - nutze zwar recht nahe, aber auch diesem Allod fehlt die rechtmäßige, öffentlich-transparente Verlierbarkeit. Spiegelt sich darin wieder, dass das Allod auf eine bestimmte Art Obereigentum + Eigentum vereint hat. Wer dem Landesherrn nicht einmal (Grund-)Steuer zu zahlen hat, der kann sein Allod auch nicht in einem Rechtskontrakt verpfänden, weil er es nicht rechtmäßig verlieren kann.
Angelsachsen übertragen Grund und Boden ohne Kataster (viele dieser
Länder habeb auch keine Einwohnerregister bzw. -meldeämter, und lösen
das mit Referenzen) und Auflassung.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/immobilien/wohnen/immobilienrecht-amerika-ganz-oh...
Die Angelsachsen machen es anders als Rechtsrömer, aber aus meiner Sicht letztlich mit einem sehr, sehr ähnlichen Effekt: man kann den "equitable title" deshalb kreditbesichernd verpfänden (und so endogen Geld schaffen), weil der "legal title" per REGIStration längst auf das municipal government übergegangen ist. Dieses kann dann gerade deshalb im Fall der Fälle eine rechtmäßige Enteignung durch foreclosure proceedings durchführen (lassen).
Hier braucht man eine Auflassung, die aber, da gibt es verschiedene
Herangehen, nur den öffentlichen Glauben an die Übertragung
darstellt.https://de.wikipedia.org/wiki/AuflassungIn Österreich: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufsandungserkl%C3%A4rung
Siehe vor allem: https://de.wikipedia.org/wiki/Grundbuch
Bei den Griechen gibt es da Probleme mit dem Katasterwesen, dass heißt
aber für mich nicht, dass es dort keinen Wechsel von Eigentümerpositionen
an Grund und Boden gibt.
Das will ich gar nicht bestreiten. Aber förderlich für eine Bankkreditvergabe an produktive und innovative Unternehmen wird es nicht gerade sein. Könnten solche Unternehmen allerdings mit Boden haften, der ihnen nicht nur gehört mit allem drum und dran, sondern sie diesen Boden auch noch rechtmäßig verlieren können, dann dürfte es weit weniger Schwierigkeiten geben an ein solches, dann solventes Unternehmen Kredit zu vergeben. Der Boden gehört dem Unternehmen also auf eine ganz bestimmte Art und Weise, d.h. z.B. es ist KEIN Allod, nicht bloßer Besitz, kein Lehen, usw. usf.
Es ist ein ganz bestimmtes Gesamt-Setup erforderlich um wirtschaftlich wirksames Eigentum hervorzubringen. Dass wirtschaftlich wirksames Eigentum auf unterschiedliche Arten und Weisen hervorgebracht werden können zeigen die Rechtsrömer einerseits und die Angelsachsen andererseits (wenngleich sie letztlich am mehr oder weniger identischen "Ort" rauskommen).
Konkretes aber gänzlich fiktives Beispiel: ein Staat in welchem ausschließlich nicht verlierbares Allod (oder wirtschaftlich ähnlich gelagertes Fideikommissgut) existiert, kann kein Geld hervorbringen.
Selbst wenn das Verkaufen-können theoretisch denkbar ist, so erlaubt das zwar prinzipiell die Bilanzierbarkeit, aber nutzt eben nichts, wenn man nominal fixierte Forderungen hervorbringen möchte (die andere dann als Cash in Zahlvorgängen verwenden können).
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/ueberall-ist-niemandsland/8891202.html
(Der Titel ist besser rethorisch zu verstehen)
http://www.cicero.de/weltbuehne/auf-der-suche-nach-dem-katasteramt/52211
http://www.evia-gr.com/wissenswertes.htmlNur, weil es nicht so läuft wie bei uns, heißt das noch nicht alles.
Stimmt schon.
Aber wenn man nicht einmal weiß wie groß das Land ist und man darauf (u.a. deshalb) keine (angemessenen) Steuern bezahlt ist es dann sehr verwunderlich, dass dieses "Eigentum" kaum gut geeignet zur endogenen Geldherstellung erscheint?
Wie kann ein Staat glaubhaft die rechtmäßige Enteignung im Fall der Fälle versichern, wenn er nicht einmal zutreffende Steuern auf das Land erheben kann, weil das Land nirgendwo definiert ist?
Wie soll sich eine kreditierende Bank auf so eine Situation einstellen?
Ich kann es Dir aus eigener Erfahrung schildern: da werden dann locker flockige 8% verlangt. Trotz "Besicherung". Pro Monat.
Viel Spaß als Unternehmer. Da bleibt wahrscheinlich nur Drogenhandel, Zwangsprostitution, Schutzgelderpressung, ... als Geschäftsmodell, alles andere ist schlicht nicht rentabel genug in so einem Umfeld (Setup).
Merke: Der, der über das Eigentum wie ein Eigentümer verfügen darf, der
ist der Eigentümer. Also über Nutzungen und Übertragung an andere.
Ja, eh.
Sag mal azur, könnte es sein, dass Du zwar weißt was Eigentum ist, Du Dir aber noch keine tiefergehenden Gedanken darüber gemacht hast was bloßes "Eigentum" zu wirtschaftlich wirksamem Eigentum werden lässt?
Oder anders gefragt: was wären Deine Vorschläge an die griechische Regierung um ein solches zu etablieren?
Alles so lassen wie es ist?
Viele freundliche Grüße
azur
Beste Grüße
--
BillHicks
..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.