Wechsel des Hegemons
Hallo pe,
Geht es Ihnen um eine neue Art der Hegemonie (Hegemoniewechsel) oder um den Wechsel zu einen neuen Hegemon?
Nun, die US-Hegemonie wackelt ja schon (siehe z.B.
hier).
Bei den bestehenden Kräfteverhältnissen und dessen bestehende globale Vernetzung scheint mir der Wunsch der Vater des Gedankens zu sein.
Aber in Europa sieht man nicht, daß sich daraus die Aufgabe der
eigenständigen Strategie und des Schmiedens neuer Allianzen ergibt,
sondern folgt offensichtlich weiter wie gewohnt dem Hegemonen und nimmt
sein Denken für die Wahrheit. Hinzu kommen noch die spezifischen Probleme,
die "vereinigten Staaten von Europa" entgegenstehen. Schon eine gemeinsame
Sprache gibt es ja nicht, es mangelt an leadership, etc. Es lohnt sich,
Helmut Schmidt zu lesen ("Die Selbstbehauptung Europas", "Mächte der
Zukunft") und anzuhören (z.B.
hier), meine ich.
Er betrachtet all das sehr realistisch, und dennoch hat er klare Ziele und
eine feste Strategie (und hat diese verfolgt).
Die Zeichen einer guten Strategie sind mMn Konsistenz, Realitätsnähe und Durchsetzbarkeit.
Welche Strategie kann derzeit D entwickeln, die auch nur im Ansatz diesen Kriterien entspricht?
Kann es derzeit überhaupt eine Strategie geben, die gegen VSA gerichtet ist, die diesen Kriterien entspricht?
George
Friedmans Aussagen zur Strategie der USA bezüglich Eurasien hätten
auch für andere ein wake-up-call sein können (für mich waren sie das).
Wagenknecht hat sie im Bundestag erwähnt, aber bei Merkel ging das wohl
zum linken Ohr rein, zum rechten gleich wieder raus.
Warum sind Sie sich darin so sicher?
Und abgesehen davon bräuchte es wirklich einen grundlegenden
Regimewechsel, denn schwache Opportunisten und US-Befehlsempfänger wie
Merkel würden, wenn ihnen plötzlich die Erleuchtung zuteil werden
würde,
allein um den Gesichtsverlust zu vermeiden, keine andere Richtung
einschlagen
Wie man am
"Kopf-in-den-Sand"
der Eurogruppe sieht. Es geht dabei nicht nur ums
"US-Befehlsempfängersein". Die gesamte ökonomische Ideologie in den
Köpfen nicht nur der Eliten, sondern auch des "kleinen Mannes" ist ein
Produkt "der USA" (bzw. ihrer Think Tanks - beginnend mit der Mt. Pelerin
Society und der University of Chicago).Je deutlicher mir klarwird, wie sehr die Produktion und das
Promoten/Durchdrücken auch ökonomischer Theorien (und nicht nur
ökonomischer) Machtinteressen folgt und wie sich das, was die Modelle
jeweils ausblenden, den Machtinteressen dient, desto klarer wird mir, wie
sehr die heutige Welt GLOBAL (v.a. die Situation "Entwicklungsländer")
Ergebnis des Handelns der USA ist: diese haben das Währungssystem
konstruiert, die dominante Theorie geliefert, den IWF für ihre Interessen
funktionalisiert, etc.
Richtig! Die Durchdringung ist über die letzten 65 Jahre permanent gewachsen – in ALLEN Bereichen – und fängt heute in den Kitas an.
Die Köpfe zu beherrschen (Deutungshegemonie) ist viel effektiver als
direkte Gewalt, und das ist Teil der US-Strategie der "Full Spectrum
Dominance".
Richtig, ein Teil. Ein weiterer Teil ist aber die militärische Macht, die gewünschte Dominanz fast überall in der Welt durchsetzen zu können.
Die Einschränkung bezieht sich auf die „gallischen Dörfer“ auf der Weltkarte, bei denen die Durchsetzung der Dominanz mit zu viel Risiko verbunden ist oder das Einsetzen von Verwaltern (noch) nicht möglich ist.
Für einen Teil dieser Dörfer wurde eine passende Übergangslösung gefunden und verwirklicht.
Bleiben wir kurz dabei und betrachten die SU während des Kalten Krieges.
Hat die SU gegenüber ihren Satellitenstaaten eine andere Strategie verfolgt?
Ja, eindeutig.
Die Durchdringung ist nur im Bereich der Überwachung erfolgt, die Gefolgschaft durch die permanente militärische Bedrohung und, wenn nötig, deren Anwendung.
Alle anderen Bereiche wurden vernachlässigt, überhaupt nicht bedacht oder waren nicht in den eigenen Möglichkeiten.
Deshalb gibt es heute kein funktionierendes Netzwerk der Dörfer, welches auch nur ansatzweise über so lange Zeit gewachsen ist und einen solchen Durchdringungsgrad erreicht hat (und wegen der Sprach- und Kulturhemmnisse auch in den nächsten Jahrzehnten nicht erreichen kann).
Hätte man nach Putins Rede im Bundestag 2001 den Aufbau eines Netzwerkes begonnen und permanent intensiviert, ... Hätte, hätte, Fahrradkette
(wäre auch nur im Einvernehmen mit unseren Freunden möglich gewesen, den kleinen und dem großen)
Diese meine Einschätzung lässt mich daran Zweifeln, dass in er nächsten Zeit irgendeine fundamentale Änderung der geopolitischen Situation des Westens möglich und gewünscht ist, OHNE die wie auch immer geartete friedliche Einwilligung der VSA.
Von einem "neuen, kompetenten Personal" ist leider noch wenig zu sehen
bisher. Zwar brodelt es seit 2008 an den ökonomischen Fakultäten der
Unis, aber bis daraus ein breiterer Strom des Denkens wird, der eine neue
Generation von Ökonomen produziert (wie nach 1929ff. die Generation von
Keynesianern) wird das noch dauern.
Mann oh Mann, für Strategien baucht man keine Ökonomen, man braucht MACHT.
Versuchen Sie mal, losgelöst von Ideologien und emotionsfrei unsere erste Riege unter den geschilderten Gesichtspunkten zu betrachten und zu beurteilen.
Tauschen Sie gedanklich unseren FM mit irgend einem Nobelpreis-Ökonomen – würde sich was verbessern? Und wenn ja, für wen?
Tauschen Sie unsere K’in mit irgendeinem Politiker/in – und dieselben Fragen.
Hätte einer von ihnen den Handlungsspielraum für die von ihnen eingeforderten Änderungen?
Wenn Sie die Fragen mit nein beantworten, brauchen Sie andere strategische Gedanken.
Bei ja, haben Sie den Heilsbringer gefunden; engagieren Sie ihn und alles wird gut.
Strategie ist nicht alles, ohne Strategie ist alles nichts. Richtig? NEIN
Das Wort Strategie muß durch das Wort MACHT ersetzt werden!
Freundliche Grüße
KK
PS Sollte ich Sie in einer meiner Wortmeldungen unfair angesprochen haben, bitte ich dies zu entschuldigen.
Meinen Hang zu Ironie und Sarkasmus kann ich nicht immer bändigen.
Ist aber nie persönlich gemeint, zumindest fast nie.