Ein Blick hinter die Kulissen deiner Mentalkonstrukte (Dominoday vs. gegenwärtiger Potentialität)
Lieber Zarathustra,
es gibt keine wissenschaftliche Messgröße für Bewusstseinsinhalte. Und genau aus diesem Grunde wird das Komponentenmodell der Materie auf das Bewusstsein übertragen und aus der dogmatischen Korrelation eine Kausalität unserer Bewusstseinsinhalte ohne Beweiskraft "abgeleitet". Sacken lassen, einige Zeit die gegenwärtigen Diskussionen der Bewusstseins- und Geistesforschung verfolgen und danach bitte erst prüfen, ob du dir dein dogmatisches Urteil noch wirklich erlauben kannst.
Du am 13.12.2008: "Das Wetter ist auch determiniert bis in alle Ewigkeit. Es steht heute schon fest, ob es am 12. März im Jahre 2057 auf Sylt regnen wird oder eben nicht. Nur ist es tausendmal zu komplex, als dass wir es berechnen könnten. Genauso verhält es sich mit der gesellschaftlichen Entwicklung der Menschen."
Natürlich vertraust du in Wahrheit auf einen vorprogrammierten Weltenlauf, auf Ereignisse, die durch "Vorbedingungen" eindeutig festgelegt sind. Und genau hier liegt das Problem aller pseudowissenschaftlichen Dogmatiker. Wenn man die für dein Dogma notwendigen "Vorbedingungen der Festlegung" in die Beschreibung mit einschließt, handelt es sich bei deiner Predigt um nichts anderes, als den dogmatischen Glauben an eine Vorprogrammierung (=Vorbedingtheit) des Weltgeschehens. Was bedingt jedoch die Vorbedingung? Entstehen Vorbedingungen im Weltkreislauf aus Vorbedingungen? Sollen wir einen Kreislauf als Hilfsmittel mal einfach dir und deinem Kunstwerk zur Liebe"voraussetzen"?
So wie die Masse (Anzahl der Individuen/Funktionseinheiten) aus der Masse (Anzahl der Individuen/Funktionseinheiten) entsteht und Zarathustra alleine kraft seines Willens die Macht hat, nach einem Glas Wasser zu greifen? Alles nur eine Insichkreisung von (Vor)Bedingungen? Dein Denken offenbart mir, dass du an eine gestalterische Göttlichkeit (eine für den Menschen aufgrund seines eingeschränkten Bewusstseins unberechenbare Programmierung) glaubst, von der, da das Bewusstsein keine Messgröße besitzt, auch kein darüber hinaus wachsendes Bildnis gefertigt werden kann. Eine Göttlichkeit, die nicht verkörpert wird, sondern alles durchdringt. Bitte Gegenargument, statt dem üblichen Umherkreisungen.
Das Beispiel mit dem Griff nach dem Wasserglas ist bitter notwendig, um deine rein auf die aktiven Potenzen (Realisationsketten von Potentialen) zielenden Annahmen als glasklaren Irrtum einer vertraulichen Systembeschreibung zu erklären. Obendrein sind es solche für jedes Kleinkind nachvollziehbaren Beispiele, die deine Lucasfilm-Dogmen ("Wenn eine Funktionseinheit will, dann hat sie auch die Macht dazu.") im Handumdrehen ad absurdum führen.
Ich mache auf die kommunikativen und produktiven Prozesse aufmerksam, die von deiner autopoietischen Systemanalyse umarmt werden. Der Weltenlauf besteht nicht nur aus kausalen Handlungsmomenten (= folgewirkenden Realisationen von Möglichkeiten = aktiven Potenzen), sondern eben auch aus nicht realisierten Potentialen die nicht in der Folge realisiert werden müssen, deren Realisation der Mensch durch sein Bewusstsein in Zeit & Raum beeinflussen kann, damit nicht determiniert jeden Gegenwartsmoment beeinflusst. Wir leben in einer milliardenfach durch Realitätsgenerator (Bewusstsein) aufgefächerten Raumzeit. Der Griff nach dem Glas Wasser "ist möglich", ganz ohne die Aktivierung dieser Potenz (Handlung = Greifen = Bewirken des Griffs).
Aber deine alternativlose Rückwärtsbetrachtung ist, wie bereits erklärt, ein dem sturen aktivischen Denken geschuldetes Gedankenspiel. Das selbe war auch schon beim Thema Geld der Fall. Dir fehlt das Vorstellungsvermögen, um die Passivität, die Potentialität systematisch einzuordnen.
Die Realitätsferne deiner Mentalkonstruktion wird auch durch deine Definition des "alternativlosen Weltenlaufes" als "Ursachen und Gründe können nicht mehrere alternative Wirkungen haben, sondern nur die einzig möglichen" bekräftigt. Denn der Weltenlauf ist kein bloßer Lauf der Ereignisse (aktiver Potenzen), sondern ein die Ereignisketten durchdringendes System unterschiedlichster Potentiale und im Falle der Zentralmachtordnungen für die Masse stark begrenzter und ausschließlich zentrisch gestärkter Potentiale. Du betrachtest die Welt als ein kausales, aktives Dominospiel, statt zu erkennen, dass Milliarden Funktionseinheiten durch ihren Willen (sofern sie auch das Potential haben) sich zu jedem Gegenwartszeitpunkt auch für oder gegen eine verursachende und folgewirksame Handlung entscheiden können.
Du schreibst, dass du dich im Falle der Fähigkeit zur Tötung eines gefesselten Tieres mit einer Handfeuerwaffe nur für einen von beiden Wegen (Abdrücken oder leben lassen) entscheiden kannst, dass es daher nur eine einzige Möglichkeit gibt. Dabei wird dir nicht bewusst, dass diese der Realisation folgende Annahme ausschließlich als ein Konstrukt der Vergangenheit im Zeitpunkt der Gegenwart (Jetzt wo du dies denkst) mentalisiert wird. Für alle gegenwärtigen Entscheidungen ist die Behauptung falsch. Das Mögliche wird immer nur in der Gegenwart (hier & Jetzt) realisiert. Die einzige Möglichkeit gibt es gegenwärtig nicht. Die Vorstellung eines dominoartigen, determinierten Weltenlaufes ist immer und ausschließlich eine im Mental simulierte Geschichte, deren Fortsetzung kraft dieser immer bleibenden Gegenwart offen ist.
Du kannst also deine rein auf aktive Potenzen abzielenden Behauptungen nicht messen, sondern leistest bloß einem Dogma Folge, welches das Komponentenmodell der Materie (=d.h. die Bewusstseinsinhalte) auf das Bewusstsein selbst überträgt und aus dieser wissenschaftlich nicht nachweisbaren Korrelation eine Kausalität aller Bewusstseinsinhalte abgeleitet. Dieser Kritik solltest du dich stellen, zumal es auch bei der hundertsten Wiederholung keine Schublade der Wissenschaft gibt, in der die fehlenden Messgrößen der Bewusstseinsforschung aufwarten. Hier, beim Gedanken an die Tatsache, dass Raum und Zeit nur "bewusst" nachweisbar sind, stoßen vorurteilende und an die vorbedingte Festlegung lobende Mentalkonstrukte wie die deinen an ihre Grenzen.
Dein Versuch, gegenwärtige Zustände der Potentialverhältnisse durch mentale Zeitreisen ("früher oder später, alles ein Einbahnstraßenprogramm") zu negieren ist zwar kunstvoll und sicher auch für viele Leser wie eine Folge Enterprise, aber für einen ernsten und vor dem Fokus auf das Bewusstsein, dem Mental und die Gegenwart keinen halt machen Verlauf einer Diskussion wenig hilfreich. Der Versuch, statt einer erklärenden Argumentation lediglich fremdes Gewicht in der Autorenlandschaft aufzuladen scheitert im Übrigen schon am nackten Künstler.
Denn deine Behauptung, dass z.B. das Wetter auf Basis von Ursachen und Gründen nur einzig möglich ist lenkt von deiner rein auf aktiven Potenzen (Realisationen des Möglichen) abzielenden "Rückwärtsanalyse der Gesellschaft" ab. Der Lauf der Gesellschaft ist nicht durch Ereignis-/Handlungsketten (Realisierungen einer Möglichkeit) einzig möglich, sondern durch aktive Potenzen und milliardenfache passive Potenziale beeinflusst (die nicht realisierten Möglichkeiten).
Du klammerst ganz gezielt die real vorhandenen und nicht jedem gleichwertig zugänglichen Potentialräume der Zentralmachtordnung aus, welche durch Milliarden Bewusstseine (für deren Inhalte es immer noch keine Messgröße gibt) zwar willentlich beeinflusst, aber in Bezug auf die machtzentrische Verhältnismäßigkeit (Machtordnung) eben nicht umgewälzt werden können. Dass die Funktionseinheiten erst durch Zentralinstanz ihre das System besichernde Funktion erhalten, muss schnell als Kauderwelsch abgetan werden, ehe klar wird wie wenig Ahnung du überhaupt hast, wie groß das Kunstwerk Zarathustra bitte bleiben soll. Die Funktionseinheiten der Gesellschaft bilden schon deshalb, aufgrund der Funktion als Abgabenpflichtige und Gezwungene, keinen souveränen Gesamtschwarm. Das suggerierte Umherschwärmen der Funktionseinheiten ist nichts weiter als eine blinde Analogie, angereichert mit ein wenig Biologie und pseudowissenschaftlichem Quark.
Und im Übrigen ist Macht nicht die Wirkung, sondern das Potential (die Möglichkeit das jemand etwas bewirken kann). Und die Wirkung ist zuerst einmal ein konstruiertes Verhältnis zu einem mentalen Zielzustand, und zweitens von einer aktiven Potenz (der Realisation des Potentials) abhängig.
Es amüsiert mich, dass jemandem, der juristische Personen aufgrund fehlender biologischer Analysierbarkeit für machttheorertische Analysen nur als ein unbedeutendes Werkzeug betrachtet.
Das bringt die Diskussion voran.
Herzlichst,
Ashitaka
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Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.