Gottesschwarm
Hallo Hinterbänkler,
wie in meinen vorherigen Beiträgen schon erwähnt, äußere ich mich nicht gerne zum Universum in seiner Gesamtheit, weil ich mich schlicht nicht in der Lage dazu sehe. Die von Menschen wahrnehmbaren Prozesse würde ich nicht auf das All, auf die Gesamtheit hochrechnen wollen. Deshalb versuche ich nur so weit zu gehen, wie es mir aus Perspektive eines erdgebundenen Ich-Beobachters noch vertretbar erscheint.
Da sich meine Orientierung also zumeist auf (un-)mittelbar Überprüfbares beschränkt, kommen Leute wie Zarathustra ins Spiel, die den lieben langen Tag nichts anderes machen, als Extrapolation zu betreiben. Meine Wahrnehmung diesbezüglich mag ein Irrtum sein oder auch nicht.
Jedenfalls versuche ich dann Lücken oder Ungereimtheiten in deren Argumentationsketten aufzuspüren, um so mein persönliches Weltbild für mich selbst besser erkennbar werden zu lassen.
Wenn Du jetzt Gegenstand eines Fatalismusvorwurfs geworden bist, ist das natürlich nichts gegen Dich persönlich, ich kenne Dich ja gar nicht. Es geht mir darum, die Möglichkeit aufzuzeigen, dass Menschen, die sehr viel Energie in ein von ihnen errichtetes Gedankengebäude gesteckt haben, dieses eventuell nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr selbstkritisch hinterfragen können.
Leistet man nun Zarathustras Argumentation Folge, das Universum sei ein einziger Schwarm - glaubt also an diesen Schwarm - dann scheint mir die Grenze zwischen Determinismus und Fatalismus tatsächlich zu verschwimmen. Denn je fester der Glaube an diesen Schwarm, von dem man ja auch glaubt ein Teil zu sein, desto mehr tritt das eigene Ich in den Hintergrund und desto mehr verbeugt man sich (vor allem gefühlsmäßig) vor seinem Schwarm als universell wirkender Instanz. Und wo ist dann noch der Unterschied zu einem Gott? Wo ist dann noch der Unterschied zwischen rein mechanischem Determinismus und Fatalismus?
Ob ich das Universum in seiner Gesamtheit auf praktischer Ebene nicht vollständig erfassen kann (zu hohe Komplexität, Berechnung für Menschen nicht möglich) oder auf theoretischer Ebene scheitere (der Wille einer höheren Instanz ist für den menschlichen Geist nicht ergründbar), ändert nichts am Gesamtergebnis. Mein Glaube bestimmt lediglich darüber, in welchem Zustand des Nichterfassbaren ich mich wohler fühle, im wissenschaftlichen oder im religiösen.
Jedoch die Intensität meines Glaubens legt sehr wohl fest, ob es mich noch als selbstkritisches Ich-Individuum gibt oder nicht mehr, weil ich dem Schwarm zuvor all meine Energie gegeben habe und vollständig in ihm und mit ihm in seiner Richtung verschwunden bin, die mal meine war. Dann nämlich ist der Schwarm Gott und es gibt keinen Determinismus mehr, da es mich als individuellen Bezugspunkt nicht mehr gibt.
Gruß
vegan