Ist doch ok wenn du nicht einverstanden bist. Aber Bott beschreibt den Übergang auch nicht friedlich

Silke, Samstag, 05.03.2016, 19:10 (vor 3630 Tagen) @ Hinterbänkler3818 Views
bearbeitet von Silke, Samstag, 05.03.2016, 19:26

Trotzdem lese ich Deine Texte :-)

Lieber Hinterbänkler,

Schau einmal hier rein:
Gerhard Bott - Zur sozialen Organisation der Boviden-Züchter z.B. S.77.
http://gerhardbott.de/ii-neolithikum-und-danach/zur-sozialen-organisation-der-boviden-z...

"Schon ein Jahrtausend , bevor die SUMERER als kriegerische Eroberer die ubaidianischen Städte unter ihre Herrschaft brachten, hatten die Rinderbauern El Ubaids die "führende und wirklich urbane Zivilisation Mesopotamiens" hervor gebracht. (Mellaart, S. 179): Es waren diese Rinderbauern, die Städte wie Eridu, Nippur, Uruk, und Ur gründeten. Sie gaben den Städten diese Namen, die später von den Sumerern beibehalten wurden. Bemerkenswert ist auch, dass die Tempel-Städte der Ubaid-Kultur noch nicht befestigt waren. Auch deshalb hatten die Sumerer später leichtes Spiel."

Insgesamt ist da wenig von "Einvernehmen" zu lesen.

Mit dem oben zitierten Abschnitt und mit den von Dir belobten
Ausführungen von @Ashitaka bin ich keinesfalls einverstanden.

ok.

Ich denke uns fehlt noch das Verständnis für den Übergang von akephalen
Gemeinschaften zu kollektivistischen Gesellschaften.

Aber ein paar Ansätze stehen schon einmal zur Debatte, einschließlich Deiner [[zwinker]] .

Kampf ums Überleben
Ich bleibe aus tiefster Überzeugung dabei, dass jene Gemeinschaften nicht
'ums Überleben' gekämpft haben.
Meine tiefe Überzeugung rührt davon, dass ich versuche mich in die
damalige Situation hinein zu fühlen.
Ich weiß, dass dies niemals zu Beweisen von Tatsachen führen wird, aber
es ist zumindest genauso gut wie: 'Kampf ums Überleben', was eben
gleichermaßen nicht beweisbar sein wird.
In dem Begriff 'Kampf ums Überleben' sind unsere heutigen Meme
verdichtet, nämlich dass das Überleben eine besondere Wichtigkeit hatte.
Ich habe das schon mehrmals dargelegt, wie ich glaube, dass der
paläolithische Mensch
gedacht
und
gefühlt
hat.

Ja. Aber jedes Tier versucht doch, nicht zu sterben, flüchtet oder wehrt sich bei drohender Gefahr, versucht, nicht negativen Reizen ausgesetzt zu sein und sich zu vermehren.
Wir sind Tiere. Damals waren wir sogar noch instinktiver.
Du hast doch viele Tiere in deinem Umfeld und beobachtest sie auch.

...die Grundlage der kontinuierlichen Bedienbarhaltung der Urschuld der
Gemeinschaften zerstörten...[/b]
Haha, 2,5 Mio Jahre konnte genau dieses Gemeinschaftssystem sämtliche
Naturgewalten und Klimaveränderungen überleben und die Menschen ihre
Urschuld bedienbar halten und gerade vor 10.000 Jahren sollte es dies nicht
mehr können?

Also eigentlich haben wir ja mit Hadrocodium gestartet.
Wir hatten dann mal bessere und mal schlechtere Jahre.

Kurts Kühler war doch immer in Funktion und es wurde laufend ausgebucht.

Ganz genau!

Die Menschen waren immer bereit zu sterben, wie alle anderen Lebewesen
auch.

Weiß ich nicht. Aber sie sind gestorben, wenn sie dran waren.

Das Mem des Überlebens auf Teufel komm raus - oder besser: auf Zwingherr
komm raus? - war noch nicht gegeben. Ein Mem entsteht eben nicht in der
Not, z. B. wenn ein Vulkan ausbricht, sondern muss in einem längeren
Prozess 'ersozialisiert' werden.

Ja. Eine gesunde Mutter verteidigt ihr Kind, will nicht dass es stirbt, riskiert ihr eigenes Leben.

Ein gesundes Tier flüchtet bei Gefahr oder wehrt sich.

Es müsste quasi also schon in Vorahnung auf die kommende Naturgewalt
angelegt worden sein, um es dann nutzbar zu machen.
Diese Vorstellung ist unautopoietisch.

Tiere flüchten sogar vor einem Tsunamie und Vulkanausbruch weil sie z.B. die extrem niederfrequenten Schwingungen vor Ausbruch besser wahrnehmen als wir.

Tod des Gemeinschaftssystems
Das sich selbst organisierende - also instinktgesteuerte -
Gemeinschaftssystem kann nicht als Prinzip sterben.

Eine Gemeinschaft überlebt durch das Mehrgenerationenkonstrukt und die räumliche Auffächerung viel besser als z.B. eine einzelkämpfende Meeresschildkröte.

Im Einzelfall kann es sich entweder aus sich selbst heraus
(selbstorganisiert) ändern oder durch Gewalt zerstört werden.

Ja. Jagen und sammeln, bis das Futter im Gebiet alle ist -> weiterziehen -> weiter sammeln und jagen...

Das zweite passiert beispielsweise, wenn hierarchisch-patriarchalisch
organisierte Stämme über einen Stamm herfallen und ihn in einer
Gewaltorgie vernichten.

Oder ein harter, schnell herein brechender Winter oder eine schwere Dürre führt sowohl beim Bleiben als beim Flüchten zum gemeinsamen Tod aller Gruppenmitglieder.

Einzelne überlebende 'Individuen' werden dann in neue Strukturen
gepresst, domestiziert und weiter das ganze debitistische Programm...

Wie die Männer der besiegten Stämme in die römischen Legionen gepresst wurden und dort teils so eifrig gekämpft haben, wie die Römer selbst weil sie Freiheit und Reichtum gewinnen konnten.

Die Frage bleibt, wie der erste solcherart 'entartete' Stamm entstehen
konnte.
Ich behaupte es ging nur selbstorganisierend, langsam und aus sich heraus
neue Meme schaffend und durch eine laufende Sozialisation etablierend...

Es ist denkbar, dass die gängigen Sitten, Regeln und Gebräuche versagten um Zeiten mit mehreren kritischen Jahren mit Mangel/ Not/Hunger usw. zu überstehen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf mehrere...

...der nach Gefolgschaft und Versprechungen dürstenden
Einzelindividuen...

Auch hier wieder bringst Du - und leider auch @Ashitaka - Deine modernen
Meme in die Interpretation der damaligen Verhältnisse ein.

Stelle dir den Bürgerkrieg in Syrien vor. Jahrelange unhaltbare Zustände, die von den Menschen in und um Syrien ausgehalten werden. Dann brechen die Leute redcht schnell massenweise auf weil die Hoffnung auf eine Besserung der Situation vor Ort so weit gesunken ist, dass das Versprechen auf die paradiesische Zukunft nach Überquerung des Mittelmeeres ein enormes Potential entfaltet.

Oder stelle dir die Besiedlung der Osterinseln vor. Die ersten Siedler waren vorzügliche Seefahrer, aber von den nächsten Inseln oder gar vom Festland ist es schon ein Stückchen weg. Die Hoffnung auf ein neues Paradies wurde größer, als die Hoffnung, im alten Paradies gut überleben zu können.

Oder warum sind die Menschen überhaupt zu unterschiedlichen Zeiten in mehreren Wellen aus Afrika nach Arabien, Europa, Asien, Australien und Amerika aufgebrochen wenn doch alles so schön war, dort wo sie jagten und sammelten.
Das war doch nicht nur Neugier.

"...nach Gefolgschaft und Versprechungen dürstend..." - da dreht sich
mein ganzes paläolithisches Erbe in meinem Mem-Grabe um.
Entarteter kann ich mir keinen Menschen vorstellen.
Und ich glaube, dass diese Entartung auch erst am Ende der Zivilisation so
denkbar ist.

Anders kann ich mir das Überbordwerfen sämtlicher Regeln, Sitten und Gebräuche und das Brechen der größten Tabus nicht erklären als durch grässliche akute und nicht anders abwehrbare Not und Verzweiflung.
Wie weit würdest Du gehen, wenn du zusehen musst, wie dein Kind verhungert und du nichts menschliches mehr tun kannst, als einem Versprechen auf Abhilfe auf Kosten anderer zu folgen?

Nun, ich unterschreibe den Pakt mit dem Teufel...
... jeden Tag von neuem, vorgestern, gestern, heute, morgen, übermorgen – denn ich lebe hier in BRD materiell gut versorgt und gebe nicht alles was ihr habe und kann hin, um das Verhungern der 25 Tds. Menschen am Tag weltweit zu reduzieren – ich kümmere mich zuerst um die Meinen und soweit es dann noch geht um Nähere und Fernere.
Ich lebe gerade, weil andere irgendwo in der Welt sterben, weil ich nicht autark und unabhängig von Staat bin.

Meine Vorstellung, wie sich
UckmuckdA
I
selbstorganisierend in allerbestem Einvernehmen aller
Menschen
etabliert haben könnte,
habe ich ja
hier bereits dargelegt
.
In meinen Augen bisher die erste konsistente Erklärung für die
allererste Abwendung vom gemeinschaftlich organisierten zum
gesellschaftlich organisierten Menschen.
Leider hat es bisher praktisch keine Anerkennung bekommen.

Trotzdem haben viele deine Vorstellungen gelesen und als Option gespeichert.
Ich muss auch damit leben, für andere nicht nachvollziehbare Gedankengänge zu entwickeln, die nur mir teils sehr gut gefallen.

Deshalb werden wir doch nicht aufgeben oder?

Ganz liebe Grüße
Silke


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.