Kapitalismus als Staatsbastard

Falkenauge, Freitag, 04.03.2016, 11:58 (vor 3631 Tagen) @ Blum4746 Views

"Der Kapitalismus ist ein Staatsbastard. Er besichert mit eingesetzter bzw. angedrohter Waffengewalt das Kapital als privates Eigentum und sorgt für die Erfüllung privater Kontrakte. Beides ist ohne Staatsmacht nicht definierbar."

Das ist zentral. Das Eigentum ist ein Institut des staatlichen Rechts und hat für die Sicherheit der materiellen Existenz des Menschen seine Bedeutung. Problematisch wird es aber, wenn das private Eigentum sich nicht nur auf Güter erstreckt, die dem persönlichen Gebrauch und Verbrauch dienen, sondern auch auf solche wie das Unternehmenskapital, das eine soziale Aufgabe hat und von dessen Einsatz viele Menschen betroffen und mit ihrer Existenz abhängig sind.

Das private Eigentum am Kapital gestattet eine prinzipiell unbeschränkte Verfügungsbefugnis der Eigentümer über die Sache und ihren Profit. Es gibt die Möglichkeit sowohl Macht über die Mitarbeitenden auszuüben, die in ein Abhängigkeitsverhältnis kommen, als auch mit dem alleinigen Gewinn ihr Kapital ständig zu vermehren, ihre wirtschaftliche Macht ungeheuer zu vergrößern und damit vielfach die politische Macht von sich abhängig zu machen und zu bestimmen.

Doch den Produktionsablauf kann der Eigentümer nicht alleine bewerkstelligen. Er braucht viele spezialisierte Menschen, die die Arbeit in den einzelnen, miteinander verzahnten Abschnitten an und mit den Produktionsmitteln leisten. Als Nichteigentümer kommen sie aber von vorneherein zum Eigentümer in die Rolle von untergebenen Hilfskräften, die nicht am Unternehmen beteiligt sind, sondern dem Eigentümer nur ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen, die dieser für seine Interessen einsetzt. Sie sind in seiner Sicht ebenfalls Produktionsfaktoren, die kostengünstig gegen möglichst niedrigen Lohn gekauft und dem Produktionsprozess eingefügt werden, der seinem Gewinn dienen soll. Damit wird die Arbeitskraft, d. h. der von ihr nicht zu trennende Mensch zwangsläufig ebenfalls zur Ware.

Doch nicht nur nach innen in den sozialen Zusammenhang des Unternehmens, sondern auch nach außen in die Gesamtgesellschaft wirkt die von der heutigen Eigentumsform des Kapitals ausgehende Macht sozial zerstörerisch. Dadurch, dass die vielfach großen Gewinne allein dem Eigentümer zufließen, kann dieser riesige Vermögen bilden, die sich durch weitere System-Elemente leistungslosen Einkommens wie Zins- und Zinseszins, Anlagen in rentablen Immobilien und Beteiligungen bei anderen Unternehmen ohne eigene Arbeit ständig vermehren. Es erweitert sich so seine wirtschaftliche Macht, die die Möglichkeit bietet, hinter den Kulissen oder über eigene Medienkonzerne die politische Macht maßgeblich zu beeinflussen, in ihren Dienst zu stellen oder auch direkt zu gestalten. Hier, im Privateigentum am Kapital, liegt die Wurzel der plutokratischen Herrschafts-Verhältnisse, die heute in allen Ländern mit kapitalistischem Wirtschaftssystem vorherrschen und sich dessen, was Demokratie genannt wird, als Fassade bedienen.

Diese sozialen Ungerechtigkeiten werden in der Tat vom Staat mit Waffengewalt abgesichert. Weitere Überlegungen dazu hier.


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