übermenschliche Einflüsse

Hinterbänkler, Schweiz - tief im Emmental, Samstag, 05.03.2016, 16:37 (vor 3631 Tagen) @ Wildheuer3796 Views

Wenn wir (ich betone das Wenn) "übermenschliche Einflüsse" überhaupt
erst nicht ausschliessen, bzw. nur schon zulassen, dann sind eigentlich die
autopoietischen (selbsterschaffenden und -erhaltenden) Erklärungsmodelle
per Definition aber insofern "in Gefahr", weil eben abrupte (nicht so
einfach erklärbare) Änderungen in den damals gelebten, menschlichen
Gemeinschafts- und Zusammenlebensformen damit Impulsen, Schaffens-,
Umformungs-, gar Zerstörungs-Einflüssen aussetzbar (zumindest denkbar)
werden.

Sobald ein "Mensch von damals" mit solchen Unerklärbarkeiten konfrontiert
worden wäre, wäre der Schritt nicht mehr weit, sich vor einem
unerklärbaren, unergründbaren "höherem Wesen" zu fürchten. Furcht
aufgefasst als Reaktion auf ein Trauma. Trauma aufgefasst als "Etwas
Völlig-nicht-zu-mir-Gehörendes".

(Dieser ganze Fragenkomplex hat auch damit zu tun, dass dieser moderne,
traumatisierte Mensch nicht mehr weiss, was genau nach seinem Tod
geschieht).

Die Begriffe "Furcht" und "Urschuld" wiederum weisen auf eine
interessante, nicht zu unterschätzende Beziehung hin: Wenn ich als Mensch
meine "Urschuld" (meine existenziellen Grundbedürfnisse innerhalb der
gebotenen Zeit) nicht "bedienen" kann, dann muss ich mich vor dem
Scheitern, dem Tod fürchten.

Wenn sie nicht "gefallen" wäre, so könnte man anstelle von "Urschuld" z.
B. von "Urgeschenk", "Urvertrauen" sprechen. Also anstelle von "Urdebit"
von "Urkredit".

Das Leben kann sich doch eigentlich nur verSCHENKEN, oder? Liebe, wenn sie
sich teilt und mitteilt, wächst nur noch stärker z. B. Im Gegensatz
herrschen im aktuellen Debitismus ein ständig sich verschlimmerndes
verKNAPPEN.

Disclaimer: Alles Folgende ist subjektiv, erhebt - obwohl möglicherweise klar und pointiert formuliert - nicht den Anspruch die Wahrheit zu sein, sondern sind subjektive Ableitungen aus meinem persönlichen Weltbild.


Hallo Wildheuer,

danke - das Wort zum Sonntag?
Na zum Glück kann ich vorher noch mein Senf reingeben [[zwinker]]

Ich gehe davon aus, dass, wenn wir überzeugende Erklärungen finden, die keiner übermenschlichen Einflüsse bedürfen, dass wir dann diese bevorzugen sollten.

Zudem, was ist übermenschlich?
Meinst Du damit eher transzendent oder sind tektonische Plattenverschiebungen auch übermenschlich?
Und Evolution ist das auch übermenschlich?
Oder meinst Du gar den Übermenschen Nietzsches?

Alles autopoietische Sich-selbst-Entfalten kann wohl niemand von uns verstehen.
Wenn wir in einem autopoietischen System die Ursache drücken und stoßen lassen, bis sie "wirkt" (siehe Anhang meines Postings) treiben wir es mythologisch. Das heißt, wir beschwören moderne Geister.
Ursache und Wirkung, Determiniertheit im @zarathustrischen Sinne sind eben unsere guten Geister, von denen wir noch nicht verlassen wurden.
Ich bin überzeugt, dass wir das Wesen der Resonanz - was meiner Meinung nach dem evolutionären oder dem autopoietischen Weiterentwickeln zugrunde liegt - nicht verstehen sondern nur erfahren können.

Nach @Kurt hat der Mensch mit dem Übermenschlichen eine inkompatible Bewusstseinsebene.
Der Vormalsmensch benötigte kein 'höheres Wesen', weil man sich laufend bewusst war, Teil des höheren Wesens zu sein, also Teil des autopoietischen Systems zu sein, was wieder Teil eines noch größeren autopoietischen Systems ist.
Wie wir auch hier wieder laaaangsam versuchen uns bewusst zu machen, was es heißt, Teil des sich autopoietischen Systems zu sein.

Sterben ist für jene Animisten heiliges Jasagen.
Der Tod hat ihm nicht Angst gemacht, weil er sich des Tods zu jedem Moment bewusst war.
'Leben mit Sterben' war das, was er jeden Moment erlebte.

Zudem erklärte er sich sowieso wenig, er lebte lieber (für @Nonpopulo).
Um zu leben muss man sich nichts erklären (Katze, Ameise, Vergissmeinnicht...).
Die Welt des Vormalsmenschen war die des 'stillen Wissens' und nicht die der Erklärung von Wissen.
Eine Konfrontation mit Unerklärbarkeiten, das Sich-nicht-mehr-Erklären-können von Realitäten war gerade die geliebte Seinsform des Vormalsmenschen.

Zu Traumata musst Du vielleicht wirklich die Reichianer (z. B. @Nonpopulo) befragen.
Aber was Du oben in diesem Zusammenhang gesagt hast waren sogenannte Rationalisierungen.
Ich habe die Vermutung, dass der Mensch erst psychologische Traumata rationalisieren konnte, nachdem er nicht mehr artgerecht leben konnte sondern nicht-artgerecht gehalten wurde und überhaupt zu rationalisieren anfing.

Meine Gedanken sind jetzt alle nicht sehr strukturiert dargelegt, aber ich möchte jetzt Schneeschippen.

Das mit der Bezeichnung 'Urkredit' finde ich sehr spannend, habe aber nicht reingespürt...

Danke und Gruß
Hinterbänkler

--
...und es gibt überhaupt gute Gründe dafür, zu mutmassen, daß in einigen Stücken die Götter insgesamt bei uns Menschen in die Schule gehen könnten. Wir Menschen sind - menschlicher ...

Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'


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