Das Fiasko des "Cross-Border-Leasing" hat m.E. eine ganz, ganz prosaische Ursache ...

CrisisMaven ⌂, Sonntag, 31.01.2016, 14:32 (vor 3661 Tagen) @ azur3464 Views
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 31.01.2016, 15:41

Durch etwa 70 CBL-Verträge pro Transaktion werden die kommunalen Anlagen für etwa 99 Jahre an den Trust vermietet (Hauptmiete) und gleichzeitig für etwa 29 Jahre an die Kommune zurückvermietet (Rückmiete). Am Ende der Rückmietzeit hat die Kommune die Möglichkeit, das dem Trust durch die Hauptmiete eingeräumte Nutzungsrecht zu einem bei Beginn der Transaktion vereinbarten Festpreis zu erwerben."

Wer das liest, fragt sich doch (oder etwa nicht???): wozu das Ganze???

Und der Grund dahinter ist sehr einfach: die Leasinggeber und Kaeufer (nach meiner Kenntnis alle in den USA) haben durch dieses "Geschaeft" erhebliche steuerliche Abschreibungen realisieren koennen - in den USA.

Um diesen Betrag wurde das Geschaeft "fuer beide Seiten billiger". D.h., in der Annahme, dass die Vertraege an sich nichts kosteten und alle sonstigen Transaktionskosten Null waeren (was natuerlich auch nicht stimmt), saehe das meinetwegen so aus:

Das Wasserwerk hat einen "Wert" von 150 Millionen Euro. Da es ohne Gewinne arbeiten soll, ist das "der reine Wert", Barwertrechnungen usw. braucht man nicht machen (wirtschaftlicher Wert fuer einen Investor waere NULL Euro!!!!!!!!!! - ALLE Geschaefte, bei denen ein Non-Profit bewertet wird, muessen doch nach ueblicher Barwertlogik einen Kaufwert von NULL haben!!!).

Nun soll es also verkauft und rueck-gemietet ("Lease" = "Miete") werden. WENN das nicht zu hoeherern Gebuehren fuer das Trinkwasser fuehren soll, als bisher in staedtischen Haenden, dann muss der Gewinn fuer einen Kaeufer, der ja eine Verzinsung einrechnen muss, um sein Kapital zu bedienen -egal, ob extern oder intern finanziert-, ja woanders her stammen!!!

Sonst .... haette man das Geschaeft doch bleiben lassen koennen!?

Viele Stadtkämmerer werden zu naiv und viele Kommunen zu gierig gewesen sein, und es ist auch nicht auszuschließen, dass da mit "Vermittlerprovisionen" gearbeitet wurden.

Ja, das kann man so sehen, aber: woher kamen denn nun, einen "ehrlichen und belesenen" Kaemmerer mal unterstellt (wieso sollten denn alle Kaemmerer ploetzlich in einer bestimmten Geschichtsperiode zu Schurken mutieren?), woher kamen denn nun die "Gewinne" bei solch komplexen Transaktionen? Aus der ersparten US-amerikanischen Steuer!

Nehmen wir an, durch Kauf und "verlustreiches" Vermieten von 150 Millionen Euro Wasserwerk kann der Kaeufer 50 Millionen US-Steuern sparen.

Und nehmen wir an, er ist nett und macht "halbe/halbe" - dann bekommt die Leasingnehmerin-Stadt 25 Millionen "bar auf die Kralle" fuer ... nix!!!

Dass es weniger sind, ist u.a. den o.g. Transaktionskosten, Notar- und Rechtsanwaltsgebuehren und meist beratenden Investment-Banken zuzuschreiben!

"Wie gewonnen, so zerronnen".

Aehnliches gab/gibt es bei den sog. Steuersparmodellen.

Man lese nur Jochem Erlemanns Biographie, aus der einem klar wird (einige steuer- und bilanzrechtliche und -technische Kenntnisse vorausgesetzt), dass fuer's Steuersparen der wirtschaftliche Zweck gar keine Rolle spielt. Lieber einen schlechten Film als Steuersparmodell "finanziert", als einen zu guten!

Mit anderen Worten: "unrecht Gut gedeiht nicht gut" - alles, was wegen Subventionen oder Steuerersparnissen in Angriff genommen wird, statt aufgrund eigenwirtschaftlichen Nutzens "aus der Sache heraus" traegt stets den Keim des Scheiterns in sich ...

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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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