Empirie, Heuschrecken und jede Menge Angst

Fidel, Sonntag, 31.01.2016, 12:45 (vor 3660 Tagen) @ Fussgänger3240 Views

Welche Dummheit, vom Verkauf solcher Infrastruktur abgesehen?

Ganz klar habe ich mich zu kurz ausgedrückt. Stadt/Land/Bund verkauft Tafelsilber, weil woanders defizitäre Löcher zu schließen sind. Die "Stadt" verwaltet selbstverständlich das Gemeineigentum ihrer Bürger, finanziert durch jahrzehntelange Steuerzahlungen. Die marode lokale Infrastruktur lässt auf weise Stadtführung, unparteilich, selbstlos und effizient schließen. Das gilt nicht für alle Städte gleich, manche haben zweifellos geringere Defizite.

Wie man hier bei dieser Qualität den
Gestehungspreis senken können sollte, verstehe ich nicht.

Preis entsteht wie? Natürlich durch Planung!

Auf Anbieterseite gibt es für dermassen infrastrukturlastige, keinen
Profit erzeugende Dienstleistungen zwangsläufig nur einen Markteilnehmer.
Selbst wenn man davon ausgeht, dass Konkurrenz allgemein (bei einem
richtigen Markt, wo's nicht nur einen Anbieter geben kann) langfristig ein
Optimum des Preis-Leistungsverhältnisses einstallen lassen würde, dann
ginge das bei Einanbieter-Dienstleistungen schon mal nicht.

Natürlich, weil wir sofort wieder eine Deutschland Genossenschaft starten. Konkurrenz darf es bei Grundbedürfnissen nicht geben. Die Bereinigung durch Pleite ist wieder pöse und führt sofort zur Ausbeutung.

Wie willst du damit Renten finanzieren? Durch überzogene Preise für
Wasser, durch verschlechterte, günstig produzierte Leistung (z.B. weniger
sauberes Wasser), durch langsam verrottende Infrastruktur oder durch eine
Kombination von allen dreien?

Schon wieder die übliche Mär. Weil Gemeinverwaltung selbstlos ist, gibt es dort keine Pfründe die auf die Planung der Wasserpreise geschlagen werden. Alles super toll. Dabei schleimt jeder Bauer seine Tochter ins Landwirtschaftsamt oder gibts Lehrstellen in kommunaler Verwaltung für den Sohn vom Spezi. Das haben wir noch nie nirgends gesehen. Kein Freundefilz um Kliniken, Versorger, Stadtwerke, Schwimmbäder, Müllabfuhr....alles immer Gemeinwohl.

Schlanke Produktion muss Gewinne abwerfen, warum soll sich die Investition nicht rechnen? Warum soll jemand etwas vorfinanzieren? Z.B. ein Trinkwassernetz? Wenn Du nicht verstehst, wie Preise entstehen, verstehst Du auch nicht warum eine Rendite nicht automatisch schlecht ist. Die Stadtwerke machen selbstverständlich eine Rendite, nur dass der finanzierende Bürger davon nichts sieht - ist ja Gemeinwohl.

Ist es wirklich besser Rentenvorsorgen in verbriefte Autokredite zu stecken oder ausfallsichere Staatsanleihen, anstelle damit lokal selbstbestimmt Infrastruktur zu finanzieren? Haben die Nutznießer solcher Investitionen kein Interesse daran, dass deren Finanziers im Alter z.T. daraus versorgt werden?
Dann lieber die anonyme Umlage über die Soz.Vers..Beiträge mit 30% Bundeszuschuss? Weil der Bund soviel bezahlt bestimmt er dann auch, dass vielleicht morgen der Flüchtlings-Familiennachzug über 50 aus der Rentenversicherung versorgt wird - ohne Beiträge bezahlt zu haben?
Der Führerinnenbefehlt machts möglich - Du schaffst das.


Die These, dass private (auch deine Genossenschaft stellt eine private
Organisation dar) öffentliche Dienstleistungen grundsätzlich besser
(qualitativ höher stehend, preislich günstiger) anbieten können, wurde
empirisch bislang nicht bestätigt.

Richtig, das ist immer gescheitert. Das wissen wir seit Lasalle und Bismarck die Selbsthilfevereine platt gemacht haben. BayWa und Raiffeisen sind Zufälle, weil nur Bankiers und Versicherungsfritzen mit Kapital umgehen können.

Eine Wasserversorgung muss und soll eben gerade keine Rendite, sondern
qualitativ hochstehendes Wasser zu tiefen Preisen bieten. Ansonsten stellt
diese Rendite nur eine neue Steuer dar.

Klar Rendite und Steuer sind dasselbe, es sei denn beides bleibt im Gemeinwohl.
Qualität und fairer Preis schließen sich aus, so degeneriert ist unser Wirtschaftsverständnis...

...und zum Verkaufen! Und am Schluss wäre es doch wieder in den Händen
von Heuschrecken-Firmen, die absahnen, ohne zu investieren und am Schluss
die runter gewirtschaftete Anlage wieder der öffentlichen Hand zurück
verkaufen. Natürlich zu einem hohen Preis: die öffentliche Hand hat ja
nur zwei Möglichkeiten
1. weiterhin schlechte Trinkwasserqualität bei (dafür) zu hohen Preisen
2. Rückkauf zu Konditionen des gegenwärtigen Eigentümers

Vertragsfreiheit ist nur negativ! Eigentum macht verantwortlich und wenn es rentiert, dann verkauft niemand zu keinem Preis, vgl. Waldbauernvereinigungen. Gleichzeitig werden die Anteilseigner ein egoistisches Interesse an auskömmlichen Preisen haben, sind sie doch Konsumenten. Das ist natürlich ein Widerspruch in sich und kann nur durch eine kommunale Verwaltung von Beamteten gelöst werden.

Ah, ich weis, dass ist libertär, kapitalistisch,
selbstverantwortlich....einfach pöse.


Nö. Nur naiv.

Danke, zurück.

Angst tötet die Seele.


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