Zur Lage in der Ukraine - ein hauptstrommedienkritischer Nachrichtenüberblick

Bernadette_Lauert, Montag, 20.07.2015, 16:19 (vor 3839 Tagen)11448 Views
bearbeitet von Bernadette_Lauert, Montag, 20.07.2015, 16:58

Themenkomplex Minsk 2

Dass die Umsetzung von Minsk 2 beim Thema Sonderstatus des Donbass von der Kiew-Junta unterlaufen wird, habe ich hier bereits eingebracht:
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=361883
Pigbonds vermutete, dass Obama hier einen segensreichen Deal bei Poroschenko durchgedrückt hatte.

Gestern stellte sich heraus, dass Minsk-2 von Kiew wieder mal missachtet wird: Poroschenko sagte: „Weder das neue Gesetz noch die Verfassung beinhalten einen Sonderstatus für diese Regionen.“

Heute sagte er dem ukrainischen TV-Sender ICTV: „Wir müssen alles tun, um diese Territorien wieder in die Ukraine zurückzuführen. Auf dem besetzten Territorium leben ja zurzeit rund vier Millionen Ukrainer, die heimkehren müssen. Gibt es unter diesen Bedingungen eine Norm, die eine Gefahr darstellt? Nein. Diese Norm entsprich voll und ganz den Minsker Vereinbarungen.“ (Quelle)

Tut es nicht. Aber Poroschenko bekommt Rückendeckung aus den USA. Später bekräftigte US-Vizepräsident Joseph Biden* bei einem Gespräch mit Präsident Poroschenko die volle Unterstützung der USA für die Herangehensweise Kiews an die Regelung des Konfliktes im Donbass.

*Dessen Sohn einen schönen Posten im Vorstand bei einem Ukrainischen Energiekonzern bekommen hat.

Allerdings kommt keine Kritik aus Moskau an der neuesten Initiative Kiews zu den Verfassungsänderungen, die unter dem Druck des Westens umgesetzt werden. Die einzige Seite, die die Schritte Kiews bei der Verfassungsreform kritisierte, sind die Volksrepubliken Donezk und Lugansk. „Indem Poroschenko offen verkündet, dass die Verfassungsänderungen keinen Sonderstatus des Donezbeckens vorsehen, bestätigt er, dass Kiew den Verhandlungsprozess vortäuscht und keinen Friedensdialog anstrebt“, so der Vertreter der Volksrepublik Lugansk in der Kontaktgruppe, Wladislaw Dejnego.

(Quelle)

Wie diese verhaltene Reaktion aus Moskau einzuschätzen ist, weiß ich nicht.

Themenkomplex "ATO in Donezk" und die Mainstream-Lügen

Es ist ja nicht so, dass die feigen Übergriffe auf die Zivilbevölkerung aufgehört hätten:
Vergangenen Samstag war Donezk wieder massiv unter Beschuss:
Wieder heftig unter Beschuss – Donezk kommt nicht zur Ruhe
https://youtu.be/WT2AjGotGWo (44s)

Offiziell läuft hier ja eine ATO (Anti-Terror-Operation). Dass hier zivile Infratsruktur und Wohnhäuser beschossen werden, ist freilich eine Farce.

Wie das zurechtgelogen wird, zeigt sich hier: Die Propagandaschau hat die journalistische Fehlleistung der ARD dokumentiert:

Zitat: "Donezk wurde gestern wieder beschossen” und die ARD weigerte sich wieder einmal, die Täter beim Namen zu nennen. Es ist ein wiederkehrendes Phänomen deutscher Propaganda und Desinformation, dass Donezk und andere ostukrainische Städte und Dörfer seit Monaten immer wieder mehr oder weniger heftig beschossen werden, ohne dass deutsche Journalisten in der Lage – oder besser gesagt willens – wären, die Täter beim Namen zu nennen."

Beim ZDF hat man besser gelogen. Durch Schweigen. Propagandaschau kommentiert das:
"Das ZDF hat sich dem Zwang zu dieser Art der Propaganda und Irreführung gestern auf seine eigene Weise entzogen und hielt es für besser, überhaupt nicht zu berichten. Das ist zwar auch kein Journalismus, aber immerhin besser, als würden sie behaupten, die Separatisten würden sich selbst beschießen."

Weiterlesen: https://propagandaschau.wordpress.com/2015/07/20/ard-tagesschau-donezk-wurde-gestern-wi...

Themenkomplex Waffenabzug der selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk

Besonders wichtig ist für mich aber folgende Meldung, die der Kleber Clausi und andere Karrieretransatlantiker in den Medien wahrscheinlich unterschlagen werden, da der Tag erst Struktur hat, wenn "das Böse" mit klaren Konzuren gezeichnet wird:

Die Selbstverteidigungskräfte der selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk haben den Rückzug aller Waffen mit einem Kaliber unter 100 Millimeter von der Frontlinie angekündigt. Überwacht wird die bisher unilaterale Initiative von der OSZE.

„Wir sind bereit, den nächsten Schritt Richtung Frieden zu machen. Deswegen werden wir unsere Einheiten die mit Panzern und anderen Waffen unter einem Kaliber von 100 Millimeter ausgerüstet sind, um mindestens drei Kilometer von der Frontlinie zurück zu ziehen.“, so die Selbstverteidigungskräfte in Lugansk und Donezk in einer gemeinsamen Presseerklärung. (Quelle)

Themenkomplex RECHTER SEKTOR

Die gewählte transatlantische Maulhure des Jahres 2014, Claus Kleber, der uns erklärt hatte, dass es in der Ukraine keine Faschisten gäbe: https://www.youtube.com/watch?v=SmTMELrdazg
"Wir haben das nachrecherchiert.", rudert nun zurück.
Der klebrige Moderator und Leiter der ZDF-Nachrichtenredaktion ist Kuratoriumsmitglied einer Stiftung des deutsch-amerikanischen Elitenetzwerks Atlantik-Brücke sowie der US-amerikanischen Denkfabrik "Aspen-Institut".

Inzwischen hat Kleber die faschistischen Batallione dort entdeckt, die im Rahmen von Maidan (und Odessa-Progrom) die Jaz-Poroschenko-Junta an die Macht geputscht hatten.
Das berichtet die Junge Welt in einem lesenswerten Artikel:
"Zweimal erlitten die Söldner Kiews in der Ostukraine schwere militärische Niederlagen. Das machte die beiden Abkommen von Minsk möglich. Faschisten erkennen Niederlagen aber nicht an, da sind die ukrainischen nicht anders als die deutschen. Das »Reich« ist für die Banditen des »Rechten Sektors« der Maidan, wo sie – wie Claus Kleber auf einmal weiß â€“ »Verbündete« waren. Sie seien »Ultranationalisten, ultrarechts und sogar faschistisch«. Wenn die Grünen das erfahren! Kleber schränkt vorsorglich ein, »von hier aus« könne man das nicht »durchschauen«. Klarheit wäre beim »heute journal« auch zu geil. Aber da ist noch Katrin Eigendorf, ZDF-Korrespondentin in Moskau, Russenhasserin, eine Art PR-Frau des »Rechten Sektors«. Sie sagt, die Mörder aus SS-Tradition seien »glaubwürdig, weil sie Opfer gebracht haben«, und lässt deren Häuptling Dmitri Jarosch vom »verfaulten System« in Kiew erzählen. Die beiden vom ZDF mögen Niederlagen Verbündeter und Waffenstillstand auch nicht. (Quelle)

[image]


Persönliches FAZIT:

Die Geschichte hätte wirklich einen guten Sinn für Humor, wenn der Rechte Sektor nun die Junta aus dem Amt fegt.
Glücklicherweise ist Deutschland noch kein gefailierter Staat. Und ich kann belustigt zuschauen, wie die Lügner in den Konzern- und Staats-Medien (JA, ES GIBT AUSNAHMEN), die für uns skizzierten Kinderwelten immer neu zurecht lügen müssen, weil historische Ereignisse immer die Konsequenz der Summe der bisherigen Ereignisse sind. Es gibt nichts Richtiges im Falschen (Frei nach Adorno). Und irgendwann wird "das Falsche" so offensichtlich, dass nachjustiert werden muss. Wie bei dem zuletzt genannten Kleber-Beispiel und dem ignorierten Rechten Sektor.

Gruß, Bernadette


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