Grottenfalsch!! Es lebe die Republik!!

Weiner, Mittwoch, 28.12.2016, 17:55 (vor 3363 Tagen) @ BBouvier5000 Views

Hallo!

Republiken entstehen ganz natürlich, wenn in Völkern und Staaten die
Kultur
dahinschwindet, wenn die zuvor organisch gefügten, lebendigen
und ehemals kraftvollen Ordnungen sich in Beliebigkeit auflösen,
das flache Land sich entleert und deren Bewohner
in den krebsartig wachsenden Städten (hedonistisch) vermassen.

Werter BB,

wenn Du das Wort 'Republik' durch 'Demokratie' oder durch 'Pseudo-Demokratie' bzw. 'fake democracy' ersetzen würdest, dann könnte man Dir gerade noch zustimmen können. So jedoch ist die ganze Sache ziemlich falsch.

Tatsächlich ist die originale Republik das genaue Gegenteil des von Dir negativ beschriebenen Prozesses: sie war eine Schöpfung des Frühstadiums eines Volkes, genauer gesagt sogar ein spezifisches Instrument zur Volksentstehung und Volksformierung - insofern mit ihrer Hilfe aus verschiedenen Volksschichten und Clans innerhalb einer Siedlung sowie mit städtischen Nachbarn in der äußeren Umgebung) ein über lange Zeit fast perfekt funktionierender Staats-ORGANISMUS geschaffen wurde. Es gibt nichts Klügeres als die Republik für die effektive Organisierung größerer Menschenansammlungen, weswegen die Idee bzw. das Modell der Republik auch in der Neuzeit wieder aufgegriffen wurde, jedoch halt meist nur theoretisch und als Fassade (fake ...), nicht jedoch ihrem guten Sinn und Zweck nach.

Selbst als Rom sich in eine Monarchie verwandelt hatte, haben seine Kaiser (und zwar bis in die byzantinische Zeit hinein!!) sich aus Respekt vor der großen Tradition - und natürlich auch um zu 'faken' - sich noch als Konsuln tituliert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Consulat
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_r%C3%B6mischen_Konsuln
https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_Verfassungsrecht
https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6mische_Republik
(Stichworte besonders: Mischverfassung, Gewaltenverschränkung etc.)

Nicht nur in Bezug auf das Recht allgemein sondern auch speziell im Verfassungrecht gab es bisher keine Tradition in der Menschheitsgeschichte, die klüger, pragmatischer und effektiver angelegt war wie die römische - wenn man einen Staat im Auge hat (in der Organisation von Stämmen und Stammesbünden herrschen etwas andere Regeln). Selbst die Athener, die in diesem Bereich ebenfalls viel Geist verbraten haben, waren nicht so gut wie die Sieben-Hügel-Leute.

Der weltgeschichtliche Erfolg des neueren Abendlandes beruht nicht nur auf seiner Technik (im speziellen Militärtechnik ...) sondern eben auch darauf, dass er (etwa ab 1600 nChr. beginnend) einzelne Elemente des republikanischen Modells in seine Staatsorganisation aufgenommen hat (das ist eine echte geistesgeschichtliche Leistung!). Es konnten dadurch phasenweise Bevölkerungselemte in das Staatssystem integriert und ihre Energien und Begabungen positiv 'abgeschöpft' werden, die in anderen (etwa ostasiatischen, rein zivilsatorischen) Systemen nur als Sklaven, Eunuchen oder bestenfalls Bürokraten dahinvegetiert hätten.

Die zweifellos kommenden Imperatoren sind klug beraten, wenn sie deswegen das 'republikanische Modell' stets sorgfältig studieren lassen und nicht völlig über Bord werfen. Nur dann werden es (weiterhin) erfolgreiche Imperatoren sein.

Weiß, freundlich grüßend,
Weiner

PS: ist auch als Antwort gedacht an die @Hopi, die am vergangenen Wochenende dieses eminent wichtige Thema hier wieder aufgeworfen haben: auf welche Art und Weise sollten sich große Menschenansammlungen einer tragfähigen Region miteinander verbinden und organisieren, damit zwar der einzelne Mensch seine eigene Individualität höchstmöglich erkennen und entfalten, zugleich aber auch das allen Menschen gemeinsame Wohl bestmöglich erkannt und verwirklicht werden kann. Neben der 'Energiefrage' ist das aktuell die 'Menschheitsfrage' schlechthin.


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