Ist der Aufkauf von Titeln durch die Zentralbanken u.a. ein verzweifelter Versuch Werthaltiges zu ergattern, statt positive anonyme Tar

Brigitte, Montag, 12.09.2016, 11:52 (vor 3459 Tagen) @ Literaturhinweis5495 Views

Hallo Literaturhinweis,

um verstehen zu können, was Target bedeutet, müsste man sich tiefer in den Wirtschaftskreislauf (Verschuldung) incl. des Bankensystems einarbeiten. Da ich derzeit anderweitig ziemlich beschäftigt bin, gehe ich nun lediglich vereinfacht auf das Bankensystem/Target ein.

Geld entsteht durch Personen, welche sich verschulden. So bucht sich die Bank bei Kreditgewährung eine Forderung gegenüber dem entsprechenden Bankkunden (Aktiva), sowie eine Verbindlichkeit, inform der Bereitstellung eines Kontoguthabens gegenüber dem Bankkunden (Passiva), ein. Wird dieses Guthaben auf ein Konto eines weiteren Bankkunden innerhalb der Bank überwiesen, wird die Verbindlichkeit der Bank gegenüber dem Kunden A ausgebucht und dem Kunden B gutgeschrieben. Reales Geld wird hierfür nicht benötigt. Verlässt das gebuchte Kontoguthaben die Bank und wird auf das Konto einer weiteren Bank überwiesen, so wird dieser Betrag, sowie viele andere Beträge, welche von den Banken überwiesen werden, gegenseitig aufgerechnet. Letztendlich bleibt ein wesentlich kleinerer Betrag, als die Gesamtsumme der Überweisungen, am Tagesende übrig, welcher den Banken gutgeschrieben bzw. belastet wird. ( Netting/Clearing) Lediglich für diesen Betrag wird, sofern keine weitere Clearingstelle hierfür in Anspruch genommen wurde, Zentralbankguthaben benötigt. Es fließt auch in diesem Falle kein reales Geld.

Eine Bank verfügt dann über Zentralbankguthaben, wenn sie dieses bei der Zentralbank einzahlen/überweisen konnte, Geld auf diesem Konto einging oder sie sich bei der Zentralbank refinanziert (verschuldet). Die Banken können ihre oben beschriebenen Tagessalden über dieses Guthaben ausgleichen oder Kundenüberweisungen in weitere EU-Länder tätigen. Überweist nun eine italienische Bank Geld eines ihrer Kunden auf ein Konto bei einer deutschen Bank, so benötigt diese Zentralbankguthaben. Dieses wird entsprechend des Überweisungsbetrages bei der italienischen Zentralbank verringert und dem Konto der jeweiligen Bank bei der deutschen Zentralbank gutgeschrieben. Zwischen den beiden Zentralbanken befindet sich das Targetsystem, dessen Saldo sich, durch diese Transaktion, postiv wie negativ mehrt.

Die Targetsalden verändern sich, wenn es Banken gibt, welche über heimisches Zentralbankguthaben verfügen und dieses in ein weiteres Land mit angeschlossener Zentralbank überwiesen wird oder z.B. die deutsche Zentralbank italenische Staatsanleihen aufkaufen würde. In letzterem genannten Fall würde sich die Deutsche Zentralbank als direkter Gläubiger dem Schuldner italienischer Staat gegenüberstellen, was dazu führen würde, dass sich der positive deutsche Targetsaldo, sowie der negative italienische Targetsaldo verringern.

Ein Problem der Targetsalden ist es, dass sich Guthabenbesitzer "weigern", gewisse Schuldpapiere aus Italien, Griechenland, ... zu kaufen. So könnte sich die Bundesbank durch den Kauf, so hoffe ich, einigermaßen sicherer italienischer, .... Schuldtitel als direkter Gläubiger den Schuldnern in Italien und als Schuldner gegenüber den deutschen Guthabenbesitzern gegenüberstellen. Die Bundesbank würde dann über eher werthaltige Sicherheiten verfügen, statt über einen zwar positiven, aber zweifelhaften, da nicht zuortbaren Targetsaldo (ELA, ..).

Letztendlich nutzt auch die Abwertung einer Währung nichts, wenn man z.B. die Handlung der Schweizer Zentralbank betrachtet, welche, um den Kurs des Währungspaares Euro/SFr stabil zu halten, gezwungen ist, Europapiere zu kaufen.

Was würde z.B. passieren, wenn die EU, die USA, ... ein Veto in Bezug auf den Verkauf sicherer Papiere an Personen im Ausland, z.b. aus der Schweiz einlegen würde?

Brigitte


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