Fatalismus

Zarathustra, Mittwoch, 24.08.2016, 12:21 (vor 3440 Tagen) @ BillHicks2040 Views

Hallo BillHicks,

Die Geldvermögen sind in geschlossener Wirtschaft netto immer genau
Null.
Immer. Keine Ausnahme.


Ja, und?


Das heißt - zum Beispiel - dass Probleme auf der Basis der
Geldvermögenssalden (z.B. auf der Ebene der
Handelsbilanz-Ungleichgewichte) immer auch politische und eben nicht nur
ökonomische sind.

Alles ökonomische ist gleichzeitig auch politisch. "Der Kapitalismus ist ein Staatsbastard"

Verzinstes Geldvermögen sparen und halten ist das Wesen des
Kapitalismus.


Unter Deflationserwartungen würde ich als "vernünftige"
Rechtsperson jedenfalls versuchen Nettogeldvermögen aufzubauen, d.h.
versuchen Käufe hinaus zu zögern und andere zu Käufen bei mir zu
bewegen.

Moneymind hat dieses Argument auch immer wieder vorgetragen. Du vergisst die Zinsen. In inflationärem wirtschaftlichem Umfeld waren die Zinsen real höher! Es lohnt sich also gerade auch in Zeiten der Inflation, Nettogeldvermögen aufzubauen.

Das ist einzelwirtschaflich total rational. Und
gesamtwirtschaftlich katastrophal.

Wodurch willst Du es denn ersetzen?


Wieso ersetzen?
Ich würde in einem Erwartungsumfeld wie heute versuchen die Deflations-
in Inflationserwartungen zu verwandeln. Jetzt müsste man nur
noch Mittel und Wege finden um solcher Art die Erwartungen von
Rechtspersonen beeinflussen zu können... wie könnte das wirksam gehen?

Du willst den Schwarm manipulieren. Okay, ich auch, aber nicht in Richtung Planwirtschaft, sondern in Richtung Anarchat, und bestenfalls noch in Richtung Direkte Demokratie als kleineres gesellschaftliches Uebel.

Haben sich in der Vergangenheit schon einmal allgemeine
Deflationserwartungen in Inflationserwartungen verwandelt? Wie ging das in
der Vergangenheit?

Ja, im 19. Jahrhundert wechselten Inflations- und Deflationserwartungen wohl ständig, da Inflation tatsächlich ständig auf Deflation folgte und umgekehrt.

Zurecht? Wer den Debitismus befürwortet, muss sich nicht beklagen

über

die ewiggleiche Endlösung. Kein Keynesianer und kein Oesterreicher.


Die verstehen auch jeweils nur bestimmte Teilaspekte, s.o., und stehen
sich aufgrund ihrer unterschiedlicher blinden Flecken feindlich gegenüber.
Geeint lediglich in ihrer Hilflosigkeit bzgl. tatsächlicher Probleme.
Von den Schalthebeln der Macht sind sie freilich beiderseits weit
entfernt. Die halten weiter die sog. "Neoliberalen" in der Hand, deren
"Lösungskonzept" darauf basiert immer mehr der eigenen, nicht
funktionierenden "Medizin" zu verschreiben auf Basis einer
"Wirtschaftswissenschaft", die damit fast nichts, mit politischer Ideologie
dafür umso mehr zu tun hat.

Was deutsche, italienische, französische und japanische Wirtschaft mit Neoliberalismus zu tun haben, ist mir schleierhaft. Diese Wirtschaften sind ein Mix dessen, was die Lobbies der Arbeitgeber und Arbeitnehmer halt so aushandeln.

Für das Unlösbare gibt es keine Lösung.

Das Staatsproblem ist nicht zu lösen.

Früher oder später geht's dahin. Mal einzelne, mal Grupppen. Diesmal
endlich alle.


http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=250729


Ja, schon.
Aber weißt Du, Zara, da nirgendwo im Debitismus sauber zwischen
Öffentlichem Recht und Privatrecht unterschieden wird, ihr dialektisches
Zusammenspiel und ihre versuchte Mediation im Verfassungsrecht beleuchtet
wird, bin ich mir bzgl. des aus diesem Debitismus abgeleiteten Fatalismus
was das Gesamte betrifft einfach nicht mehr so sicher (wie ich einst war.
Du kennst ja meine Positionen und deren Veränderungen vermutlich besser
als 99% der Leser hier).

Kollektivismus (Wirtschaftswaxtum) als unlösbar zu postulieren, ist nicht fatalistisch. Wer wider besseres Wissen das Gegenteil behauptet, ist es. Er postuliert den homo oeconomicus als alternativlos.

Grüsse, Zara


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