Naivität der Erkenntnis
Jede Einzelwissenschaft, auch die Hirnforschung, setzt naiv die Sicherheit und Zuverlässigkeit der eigenen Erkenntnis, mit der sie Aussagen über ihren Gegenstand macht, voraus. Es ist daher logisch unzulässig, wenn die Ergebnisse der Einzelwissenschaften, die eine bestimmte Auffassung von Erkenntnis bereits voraussetzen und diese unbewusst, naiv handhaben, Aussagen über das Bewusstsein, also Erkenntnis machen wollen. Denn dann liegt ja das Paradoxe vor, dass Begriffe, die an einem Gegenstand der Erkenntnis gewonnen wurden, auf das Erkennen selbst übertragen werden, das man noch gar nicht kennt, weil man es ja ständig naiv vorausgesetzt hat.
Es ist aber ein fundamentales wissenschaftliches Prinzip der Voraussetzungslosigkeit, dass der Untersuchung eines Gegenstandes keine fertigen Meinungen und Begriffe von Anfang an als Voraussetzung zugrunde gelegt werden dürfen, die eben erst gewonnen werden sollen.
Der Bewertung solcher Ergebnisse der Neurowissenschaft über Dinge, die mit Erkenntnis zusammenhängen, muss also eine Erkenntniswissenschaft vorausgehen, die den Erkenntnisprozess selbst zum Gegenstand macht und diesen voraussetzungslos untersucht, also eine Wissenschaft der Erkenntnis der Erkenntnis.
Ich halte daher das Video wissenschaftlich für höchst anfechtbar, nicht die experimentellen Befunde, sondern ihre erkenntnistheoretischen Schlussfolgerungen, die logisch in der Luft hängen.
Gruß
Falkenauge