Das Gehirn als Speicher und Programm

Zarathustra, Samstag, 14.05.2016, 08:27 (vor 3562 Tagen) @ Nonpopulo3702 Views
bearbeitet von Zarathustra, Samstag, 14.05.2016, 08:34

Hoi Zara,

Saluti Nonpopulo

> Was soll daran trostlos sein? Es geht um Wahrnehmung, wodurch ein

Bewusstseinsfluss entsteht, und das ist nunmal überwiegend im Gehirn
gespeichert, und weniger in den Haaren. [/i]


Ich sehe die Wahrnehmung als etwas Unmittelbares, Unspeicherbares. Sie ist
der kontinuierliche Fluss des Augenblicklichen.

Dieser Fluss an Wahrnehmung speichert das Gehirn halt zu einem kleinen, winzigen Teil, wie ein Videorecorder einen Film speichert.

Erst die daraus resultierende Erfahrung wird gespeichert, und zwar im
Körper, insbesondere in den Muskeln. So sagt die Haltung, die Art der
Bewegungen und der Gesichtsausdruck einiges darüber aus, was der
Betroffene in seinem Leben so alles gespeichert hat und wie er es
verarbeitet.

Deine ganzen Erinnerungen an Deine Jugendzeiten sind doch nicht in den Bizeps oder den Fingern gespeichert. Michael Mross verliert ja auch nicht seine Erinnerungen an seine Jugendzeiten, nachdem er nun Hand und Bein verloren hat. Solange das Hirn intakt ist, ist auch das Bewusstsein intakt, weil es nunmal dort sitzt und nicht aus den Fingern gesaugt werden kann.

Michael Mross sagte zwar: "Ich bin jetzt ein Krüppel." Aber das muss man stark relativieren:

Das ist mir aber das Geringste, seit ich unter Menschen bin, dass ich sehe: »Diesem fehlt ein Auge und jenem ein Ohr und einem Dritten das Bein, und Andre giebt es, die verloren die Zunge oder die Nase oder den Kopf.«

Ich sehe und sah Schlimmeres und mancherlei so Abscheuliches, dass ich nicht von Jeglichem reden und von Einigem nicht einmal schweigen möchte: nämlich Menschen, denen es an Allem fehlt, ausser dass sie Eins zuviel haben – Menschen, welche Nichts weiter sind als ein grosses Auge, oder ein grosses Maul oder ein grosser Bauch oder irgend etwas Grosses, – umgekehrte Krüppel heisse ich Solche. (Also sprach Zarathustra)

Natürlich kann man auch davon ausgehen, dass der Kopf das alles steuert,
das bleibt wohl Ansichtssache. Für mich ist klar: Das Gespeicherte steuert
den Kopf (genau wie im Makrobereich des Staates das Volk die Richtung der
Politik steuert und nicht umgekehrt - auch wenn es oft so scheint).

Ja, ein autopoietischer Schwarm ohne Zentralmacht. Das sehe ich auch so. Der Körper ist ein wechselwirkendes Gesamt-System, ein neuronales Netz, bei dem kein einzelnes Organ als Zentralmacht agiert. Organe haben Eigenschaften und üben Funktionen aus. Das Hirn speichert Erlebnisse und Erinnerungen und trifft Entscheidungen, allerdings nicht losgelöst von Forderungen und Reizen aus der Peripherie.

In der Systemtheorie Niklas Luhmanns bezeichnet Reflexion eine bestimmte Form der Selbstreferenz sozialer Systeme, und zwar die, bei der das System seinen Operationen die Differenz von System und Umwelt zugrunde legt. Die Selbstreferenz dient der autopoietischen Reproduktion, d. h. der Reproduktion des Systems aus sich selbst heraus; die Orientierung an der Differenz von System und Umwelt erlaubt es dem System, Konditionierungen durch die Umwelt selbst zu wählen, was relevant werden kann, wenn das System als solches in Frage gestellt wird.[45] Luhmann formuliert, auch in Hinblick auf psychische Systeme (mit Verweis auf Jurgen Ruesch/Gregory Bateson für unbestrittene Standards von psychiatrischen Theorien):

„Jede Analyse der Selbstbeschreibung oder, in klassischer Terminologie, von „Reflexion“ wird davon ausgehen müssen, dass das System für sich selbst operativ unerreichbar und damit auch für die eigenen Operationen intransparent bleibt. […] Hier mag der Grund dafür liegen, dass die klassischen Theorien der Selbstreflexion, sei es des Bewusstseins, sei es des „Geistes“, mit dem Schema bestimmt/unbestimmt arbeiten. […] In Hegels Theorie wird dies zu einem Problem durch Dialektik disziplinierter Übergänge.“

> Da hebt sich gar nichts auf. Ganz normale Reflexion. Unterbewusste
und

bewusste Tätigkeiten und Erlebnisse wirken gegenseitig und

beeinflussen

und verändern auch gegenseitzig Bewusstsein und Unterbewusstsein. Das
Gehirn arbeitet überwiegend unbewusst, aber einiges wird einem halt
bewusst, das heisst, man stellt sich etwas vor und sinniert darüber.

[/i]

Das Gehirn empfängt die emotionalen Impulse des Gespeicherten,
Unbewussten und wandelt sie in bewusste Denkprozesse um, "beweist" sich
selbst die Richtigkeit des Impulses (tendentiell konservativ) oder
dekompensiert ihn (tendentiell linksliberal).

Ja, aber das Gehirn ist - wie der Computer - sowohl Speicher als auch Programm.

Ich fand aber den 1. Teil des Videos interessant und werde mir sicher auch
noch den 2. angucken.

Beste Grüsse Nonpopulo

Beste Grüsse, Zara


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