Das "Problem" der Gesellschaft ist die generelle "Opfer-der-Umstände-Problematik".
Zunächst einmal haben wir es damit zu tun, dass unsere westlichen Diskurse sich beständig im Spannungs-/Verengungsfeld von "entweder - oder" bzw. "ja - nein", "richtig - falsch" bewegen. Obwohl ich selbst genügend Erfahrungen damit habe, dass diese Polaritäten "so simpel" nicht stimmen, habe ich erst kürzlich (entweder bei Sloterdijk oder bei Wittgenstein) gelesen, dass die indische Kultur ihren (gebildeten) Kulturteilnehmern zwei weitere logische Möglichkeiten bietet, die den Blickwinkel und die Wahrnehmung erheblich erweitern.
Außer "ja/nein" - "richtig/falsch" bietet sie die Möglichkeiten "weder richtig/noch falsch" und "sowohl richtig/als auch falsch".
Im Zen-Buddhismus Japans versucht man mithilfe der "Koans" Wahrnehmungs-Einengungen/-beschränkungen zu durchbrechen.
Sowohl Wittgenstein, als auch Garfinkel und Sloterdijk weisen nachdrücklich darauf hin, dass die "Gestaltung" von "Realität" ein AKTIVER Prozess zwischen den Mitgliedern einer Gesellschaft ist, die nur durch beständige "Benutzung" (Aufrechterhaltung durch TUN und Bestätigung) oder "Übung" (Sloterdijk) aufrechterhalten wird.
Dieser beständige "hypnotische" Prozess" wird nur dann "zerbrochen", wenn er nicht mehr AUSREICHEND an die von außen kommenden Gegebenheiten/Druck etc. "angepasst" ist. Es folgen revolutionäre "Ereignisse", die eine "Anpassung" herstellen und einen "erfolgreicheren", gesellschaftlichen hypnotischen Prozess ermöglichen.
Die chaotischen Übergänge ("Man muss Chaos in sich tragen, um einen tanzenden Stern zu gebären" - Nietzsche) bieten das Umfeld für eine erhöhte Kreativität und für Innovationen (nicht nur im technischen Bereich).
Insofern bin ich ein strikter Gegner der derzeitigen, allumfassenden gesellschaftlich propagierten "Opfermentalität". Jedes "Opfer" ist auch "Täter". In manchen gesellschaftlichen Umgebungen ist es erschreckend dieser Tatsache ins Auge zu schauen und ihr Rechnung zu tragen. Wir werden uns mit dem Thema der "Selbstverantwortlichkeit" intensiv auseinander setzen müssen, um die individuelle und gesellschaftliche Zukunft zu bewältigen.
Wobei bedauerlicherweise in unserem Wertekontext "Selbstverantwortlichkeit" immer mit "Selbst SCHULD" assoziiert wird. Genau das ist nicht gemeint. Der Schuldbegriff hat damit nichts zu tun. Aber ein jeder von uns kann sich natürlich auch SCHULDIG machen. Ob durch "Mitmachen" oder durch "Unterlassen", das bleibt sich gleich.
In diesem Zusammenhang möchte ich auch nochmals auf die "alte" Weisheit von Seligmann hinweisen, der im Zusammenhang mit der Krankheit "Depression" von "gelernter" Hilflosigkeit spricht. Und nun ziehe man den Schluß zur derzeit in unserer Kultur am häufigsten verbreiteten Krankheit = Depression! WAS also "erlernen" wir? WIE erlernen wir "Hilflosigkeit". Ganz bestimmt aber auch dadurch, dass wir ALLE VERANTWORTUNG an "die/das da draußen" delegieren. "Wir" sind für nichts mehr verantwortlich, also sind wir "hilflos". ABER wir sind "erlernt" hilflos.
Wir müssen an unseren Paradigmen arbeiten!
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