Der Nutzen von Gefängnissen: Der Schutz der Gesellschaft vor Menschen, die anderen schaden wollen.

Prophet, Freitag, 29.04.2016, 12:11 (vor 3577 Tagen) @ Mephistopheles4679 Views
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 29.04.2016, 13:22

Hallo Mephistopheles,

Wenn alle unfrei sind, wieso gibt es dann Gefängnisse?


Du verwechselst äußere Freiheit mit innerer Freiheit.
Außerdem heißt die Unfreiheit des Einzelnen nicht, dass er straflos alles machen können sollte, was ihm beliebt. Mit der banalen Ausrede: "Ich kann ja nichts dafür, ich bin unfrei."

Gefängnisse dienen einfach dem Schutz der Gesellschaft. Es gibt zwar keine "Schuld" im herkömmlichen Sinne (so wie es der normale Mensch versteht), sondern lediglich Ursache und Wirkung. Aber das heißt nicht, dass sich eine Gesellschaft nicht schützen dürfe, weil jemand mit irrsinnigen Vorstellungen oder einem ausgeprägten Aggressionstrieb andere Menschen terrorisiert und frei herumläuft. Gefängnisse sind eine praktische Einrichtung, die ihren Sinn haben, sofern die Gesellschaft tatsächlich geschützt werden muss.

Der Missbrauch ist allerdings vorhanden. Aber es gibt wohl kaum etwas, was nicht missbraucht werden kann. Zudem: Wer kennt denn heute die Psychologie, die hinter menschlichen Verbrechen steckt? - Kaum jemand! Außer der Gefängnispsychologe vielleicht. Unterstelle sogar: Richter und Staatsanwälte sind ziemlich einfältig in solchen Dingen!

Die Drohung mit Gefangennahme bei Nichtbefolgen der Anweisungen würe ihre
Wirkung verlieren.


Nein. Wenn du mit "Verbrechern" zu tun hättest, würdest du wissen, dass deren Verhalten von IHREM Standpunkt aus immer sehr real, logisch und schlüssig ist. Auch wenn sie dir als Außenstehender als irrsinnig, schwachsinnig oder unnütz erscheinen. Wahnvorstellungen sind auch bei Insassen der geistigen "Heilanstalten" sehr real. Dem Patient IST nunmal Maria oder ein Dämon erschienen, der ihm zum Töten aufgefordert hat, weil dieser ihn sonst selbst malträtieren wird. Ob dir das in den Kram passt, oder nicht: für "geistig Behinderte" mit "Wahnvorstellungen" sind diese Dinge real, weil sie in seinem Kopf vorhanden sind. Deswegen gibt es ja auch allerhand Therapieansätze, um diese Fehlvorstellungen zu korrigieren. Glaubst du, dass diese Therapien alle nur eine Farce sind, und Auswüchse einer perversen Gesellschaft? - Nein, es ist sogar ein Zeichen einer hochentwickelten und ethisch hochstehenden Gesellschaft, dass sie sich diesen "Luxus" erlauben kann. Auch wenn diese Therapien mit Fehlern behaftet sind. Aber Fehler finden ist immer billig. Selber etwas besseres auf die Beine zu stellen, ist dagegen sehr schwierig.

Es gilt das Lust-Unlustgesetz. Wenn die Lust zu töten (oder ein "Problem" zu beseitigen, z.B. empfundener Geldmangel) eben größer ist, als die unlustvolle Vorstellung dadurch im Gefängnis zu landen, wird er/sie das "Verbrechen" begehen.

Die wenigsten Kapitalverbrecher lassen sich allerdings von Gesetzestexten beeinflussen. Taten die im Impuls entstanden sind, schon gar nicht. Ebensowenig wie die allermeisten Sexualverbrechen. Wenn ein Sexualstraftäter in spe so "Druck" hat, dass es für ihn unerträglich wird, dann wird er wohl ein Opfer suchen. Für IHN ist der körperliche und seelische Schmerz eben zu groß. Und dann denkt er nicht mehr an die Gefühle seines Opfers.

Das heißt allerdings - siehe oben - ja nicht, dass die Gesellschaft ein solches Verhalten tolerieren müsste. Sondern so jemand wird dann eben von der Gesellschaft ferngehalten, was ja auch korrekt ist. Manche Straftäter kannst du therapieren, andere nicht.


Die Gefängnisse und das Rechtssytem sind ja nicht von heute auf morgen entstanden. Sondern durch einen langen Entwicklungsprozess.

Wieso gibt es Gedanenverbreechen, die mit (faktisch) Lebenslang bestraft
werden, wenn es keinen freien Willen gibt?

Was verstehst du unter "Gedankenverbrechen"?
Nur weil es keine freien Menschen gibt, heißt es ja nicht, dass es nicht auch andere Menschen gäbe, die andere unterdrücken wollen, weil sie vor Machtverlust Angst haben (zum Beispiel). Dann werden Gedankenverbrecher ins Loch gesteckt. Gerade das ist ja ein Beweis, dass wir es mit innerlich völlig unfreien Menschen zu tun haben. Weil jeder so handelt, wie er von seiner Sicht aus eben handeln MUSS. ER ODER SIE KANN NICHT ANDERS.

Auf einer flämischen Kirche aus dem 14. Jahrhundert ist ein Satz eingemeißelt: "SO IST ES, ES KANN NICHT ANDERS SEIN."

Ist doch einfach zu verstehen.

Grüße,
Prophet

PS:
Exkurs: Warum schießen Menschen im Krieg auf Menschen, mit denen sie vorher noch Grillfeste gefeiert haben? - Weil: "Wenn du, Soldat, nicht auf den anderen Soldat schießt, dann schieße ich dir eine Kugel in den Kopf. Oder du kommst für den Rest deines Lebens in den Kerker, und deine Familie verhungert!" Und dann schießt der Muslimsoldat auf den Christensoldat, der Christsoldat auf den Muslimsoldat, der Franzose auf den Deutschen und umgekehrt. Weil: lieber stirbt ein anderer als ich. Wie ich schon sagte: jeder ist ein Egoist, mit wenigen Ausnahmen. Märtyrer sind auch Egoisten, sie haben die lustvolle Vorstellung, als Märtyrer zu sterben und in den Geschichten der Nachkommen unsterblich zu werden!


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