Das kommt zur rechten Zeit - Coincidence?! ;)
Hi,
da ich auch gerade drüber bin, mich freiberuflich im SAP-Bereich selbstständig zu machen, kommt dein Beitrag zeitlich sehr günstig.
Ich habe allerdings dank von der Leyen eine ganz andere Starthürde - die des 2011/2012 weggefallenen Rechtsanspruch auf Gründerzuschuss, die mir ziemlich Kopfzerbrechen bereitet und wobei ich seit Wochen versuche, taktisch so korrekt zu agieren, das ich diesen bewilligt bekomme ohne mich gleichzeitig allzusehr der Drangsalierung der Agentur für Arbeit auszusetzen. Alles andere empfinde ich hinsichtlich der komplett willkürlichen Änderung dieses Rechtsanspruchs auf eine Kann-Entscheidung als unfair, insb. wenn man sich deren lächerliche Begründungen reinzieht: bspw. die Vermittelbarkeit als Ablehnungsgrund (das ist so eine interne drangsalierende Vorgabe, denn dafür gibt es keinerlei gesetzliche Grundlage).
Heute kam nun der Bescheid der 12-wöchigen Sperre für ALG1 herein (beidseitig einvernehmlicher Aufhebungsvertrag), wobei ich nun rätsele, ob es sinnvoller ist, sich erst mal nur nebenberuflich selbstständig zu machen oder doch gleich richtig und mich dann in 3-4 Monaten nochmal dort zu melden. Das zieht aber einen Rattenschwanz mit sich: neben der Versicherungsproblematik (ALV, RV und KV) die Abrechnungsproblematik beim Kunden & Vermittler, die ja diesen Zirkus gescheit mitspielen müssten. Wenn ich mir dabei immer wieder überlege, dass es diesen Hickhack vor 5 Jahren nicht brauchte (...)
In meiner Branche fangen viele nach einer mehrjährigen Berufstätigkeit
als Freelancer an. In der Regel nimmt man ein oder mehrere Kunden seines
Arbeitgebers mit und führt zu Beginn seiner Selbständigkeit das letzte
Projekt beim Arbeitgeber in Eigenregie weiter fort.
Hier sichern sich eigentlich Auftragnehmer (dein ehem. Arbeitgeber) und der jeweilige Vermittler (ohne geht bei großen Kunden ja nichts mehr, v.a. wegen der Scheinselbständigkeit) gegenseitig hinsichtlich des künftigen Einsatzes des Auftragnehmers und seiner Mitarbeiter mit hohen Strafzahlungen ab. Ob und inwiefern die dann mit Karenzentschädigung in den Arbeitsvertrag fließen, bleibt dahingestellt. Bei mir stand bspw. gar nichts von Kundenschutz oder dergleichen drin.
Die Provision der Agenturen vom
Stundensatz ist in der Regel so hoch, dass nach Abzug der Kosten und einer
Risikoprämie der Nettolohn eines Freelancers nicht höher als der eines
angestellten Beraters/Entwicklers des entsprechenden Leistungslevels ist.
Diese Rechnung wage ich noch ernsthaft zu bezweifeln, denn letztlich lässt sich der Unterschied Arbeitnehmer oder Selbstständiger auf eine Wette mit zwei großen Unbekannten herunterbrechen, die das unternehmerische Risiko, was ja gleichzeitig als Chance begriffen werden kann, eben ausmachen:
1) wie ist die künftige, langfristige Auslastung (zahlende Kundschaft, die ich glücklich mache)
2) was kommt mir dazwischen, dieser Auslastung nachzukommen (Krankheit, Unfall, ...)
Je nach Alter liegt dann der Schwerpunkt mehr bei 1) oder 2), wobei für 2) ja noch etliche Versicherungen zur Verfügung stünden, die man vernünftigerweise auch abschliessen sollte (Spezialrechtsschutz, Haftpflicht, PKV+KTG+Kurortklausel, BU, Unfall, Betriebskosten). Mangels Glaskugel kann man aber von vornherein nicht sagen, das oder das wäre besser und gerade im SAP-Bereich ist es doch wohl kaum ein Problem, wieder (erfahrener) in die Anstellung zu wechseln.
Ich bin jedoch einen anderen Weg gegangen. Ich habe in jahrelanger Arbeit
ein Produktportfolio entwickelt, das ich als Ergänzung und spezifische
Problemlösung zu SAP Software anbiete. Deshalb auch keine Tätigkeit als
Freelancer, sondern gewerblicher Auftritt in Form einer GmbH.
Das klingt interessant. Kannst du mir mehr Infos per PM zukommen lassen?
Wie gesagt, ich nutze die Wordpress-Technologie für meine Website. Und
was habe ich festgestellt? Der Inhalt auf meinem Blog wird viel schneller
indexiert und rankt auch höher als der Rest meiner Website.
Wordpress war schon vor 10 Jahren für derartige Belange hervorragend.
Trotz meines fulminanten Starts im Google Pagerank haben sich meine
Investitionen in meinen Webauftritt nicht ausgezahlt. Bis heute habe ich
keinen einzigen Backlink generiert und auch keinen einzigen Kommentar auf
meinem Blog erhalten. In einem Jahr habe ich 8 Telefonanrufe, 4 Emails und
ein kleines Projekt über meine Website erhalten.
Das bestätigt mich in meiner Vermutung, nicht allzuviel Zeit in einen Webauftritt zu investieren.
Eine größere Hürde bei meiner Unternehmensgründung waren die
Eröffnung eines Geschäftskontos und die Unterzeichnung eines
Mobilfunkvertrags. Da ich ein Privatkonto bei der Postbank habe, hat die
Postbank letztendlich mir auch ein Geschäftskonto eröffnet. Kreditlinien
habe ich bis heute keine und auch meine VISA ist eine Prepaid-Karte. Ein
Mobilfunkvertrag bei T-Mobile und Vodafone war nicht möglich. Beide haben
mich abgewiesen. Daraufhin habe ich meinen privaten Vertrag bei der Telekom
gekündigt. Allerdings war ein Business Mobilfunkvertrag bei O2 ohne
weiteres möglich, auch als Existenzgründer. Bei vielen meiner Einkäufe
muss ich nach wie vor in Vorkasse gehen.
Phew... da lob ich mir die Freiberuflichkeit.
Mit meinem Steuerberater bin ich gar nicht
zufrieden, er gibt mir keine genauen Auskünfte und kann mir nicht
weiterhelfen. Am liebsten würde ich auf ihn verzichten.
Es gibt ja zum Glück nicht nur einen Steuerberater.
Summa summarum, bisher habe ich den Gang in die Selbständigkeit nicht
bereut. Allerdings musste auch ich feststellen, dass ohne schlagkräftigen
Vertrieb die eigene Leistung am Markt keinen Wert hat. Und in meinem
Bereich spielen persönliche Kontakte doch weiterhin eine überaus
dominierende Rolle.
Der Vertrieb läuft meines Wissens nur über Kontakte.
Alles Gute weiterhin!
Gruß!â„¢
--
Gruß!™
Time is the school in which we learn,
Time is the fire in which we burn.
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