Also da widerspreche ich, teilweise ...

CrisisMaven ⌂, Mittwoch, 20.01.2016, 19:44 (vor 3670 Tagen) @ Martin3588 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.01.2016, 19:48

... auch wenn ich seit mindestens fuenf Jahren nichts mehr mit ISO-Zertifizierungen zu tun hatte.

...wenn man selbst ISO-Zertifiziert ist, auch (eben nicht 'oder') wenn der Lieferant ISO zertifiziert ist. Da ein solches Lieferantenaudit dokumentiert ist, müsste im Schadensfall erst mal nachgewiesen werden, dass ein ISO Zertifikat den Schaden verhindert hätte.

Nochmal:

A) Ich bezweifle, dass ein Grosskonzern ueberhaupt einen nicht-ISO-zertifizierten Lieferanten in Erwaegung zieht.

Drum ja so Sachen wie SAP Electronic Buyer/Marketplace etc. pp. wo dann zwar die Kugelschreiber selbst bestellt werden koennen (oder Reisemanagement, soll der Deutschen Bank -SAP-Pilotkunde Anfang der 2000er- auf Anhieb 300 Millionen gespart haben). Aber dieser Bueromaterial-Lieferant ist eben zertifiziert und ggf. vom Zentraleinkauf auditiert, damit nicht doch mal einer "schnell ueber die Strasse" beim Tante-Emma-Laden einkauft.

B) Bei jeder Norm, so auch der ISO-Norm, darf man abweichen. D.h. man hat die Moeglichkeit, einen nicht-ISO-zertifizierten Lieferanten selbst zu auditieren, auch in Abweichung vom ISO-Konzept, wenn dieses "gleichwertig" ist. Genauso kann, ausser vielleicht im Flugzeugbau, bei Medizinprodukten (GLP / GMP - "Give me paper"), auch ein Norm-abweichendes Teil gekauft oder eingebaut werden oder hergestellt, wenn es dafuer Gruende gibt und dieses gleich- oder hoeherwertig ist. Nur sind die Dokumentationsanforderungen dann so hoch, dass das i.d.R. unterbleibt.

Am Bau passiert das haeufiger, aber da ist ja das Bauamt mit beteiligt als Pruefinstanz.

Ansonsten muss schon eine Oelquelle lichterloh brennen und Red Adair kommt und sagt "Ich loesch' Euch das, aber nur mit meinen eigens dafuer entwickelten Konzept, das keinerlei Feuerwehrzulassung hat".

C) Wie @Plancius ja nun geschrieben hat, hat er SAP-Kunden mit z.T. 1-3 Mitarbeitern, d.h. das zaehlt nach gaengigen Definitionen nicht mal als Mittelstand (das faengt bei z.B. 500 Mitarbeitern an - der Rest ist das "K" in "KMU") und ich haette mir nie traeumen lassen, dass SAP bei solchen, Verzeihung, "Klitschen" je eingesetzt werden wuerde. Extra dafuer hat man mal Business One zugekauft ... Dort gelten natuerlich andere Regeln, da geht noch einiges und tatsaechlich kann man sich dort noch direkt vermarkten. Im Gegenteil, manche Recruiting Agency wird vermutlich deren Suchauftraege ablehnen, die vermitteln am liebsten "100 MM-Berater am Stueck".

D) Aber an einem halte ich fest, jedenfalls kenne ich nichts anderes, und ich berate Kollegen auf dem Gebiet, habe also einen ueber meine eigenen Auftraege hinausgehenden Horizont: noch nie wurde ein SAP-Berater (egal, ob als Einzelkaufmann, Freiberufler, oder Ein-Mann-GmbH) weder auditiert noch von ihm von der Agency ein ISO-Zertifikat verlangt. Stattdessen verlangen diese Agencies (seit 'gefuehlt' 2005) i.d.R. drei "unabhaengige" Referenzen aus frueheren Projekten (was es Anfaengern zunehmend schwerer macht).

Dennoch sind diese Berater der Agency gegenueber Lieferant - aber aus hunderten kenne ich nicht einen Zertifizierten oder (auch nur) Auditierten.

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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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