Jemand muss Direkte Demokratie fordern, Macht wird selten von alleine abgegeben

pigbonds, Sonntag, 29.11.2015, 21:56 (vor 3772 Tagen) @ CrisisMaven5281 Views

... dass es andere gibt, die genau das wieder NICHT wollen.

Also, es gibt Leute, die sind FUER Direkte Demokratie, aber GEGEN
Zuwanderung.

Andere sind sind FUER Direkte Demokratie, UND FUER Zuwanderung.

Der dritte ist GEGEN Direkte Demokratie, aber FUER Zuwanderung.

Nein, das sind Meinungen.

Wer Direkte Demokratie will, will mitentscheiden. Egal zu welchem Thema, egal
ob pro oder contra und egal, ob er am Ende gewinnt oder nicht.

Der vierte ... Das nennt sich
Permutation.

Genau deshalb fordert man nach Direkter Demokratie. Man kann dann jedesmal
abstimmen, ob man AKW will oder nicht, ob man Flüchtlinge will oder nicht, ob
man einen Bahnhof will oder nicht,...

Dieses Recht muss man sich genau einmal erstreiten und jeder, der auf die Strasse
geht, um für ein politisches Ziel zu kämpfen, ohne Direkte Demokratie zu fordern,
ist, ganz ehrlich gesagt, Bestandteil einer Trachtentruppe - ein zahnloser Tiger,
völlig irrelevant, wie auch die damaligen riesigen Demonstrationen gegen den
Irakkrieg ("PACE" - wir erinnern uns) gezeigt haben.
Nur wenn für das, was das Establishment sowieso will, demonstriert wurde, wird
der Erfolg der Demonstration zu geschrieben.

Wenn man also erreichen will, dass eine "Bewegung" folgenlos bleibt,
dann muss man es nur so anstellen
. Keiner waehlt eine Partei
wegen ihres Programmes, sondern aus einem "Gefuehl" heraus, oder aus
Familientradition. Oder aus "Protest". Das Programm lesen die wenigsten und
noch weniger erwarten, dass es eingehalten wuerde. Im Gegenteil.

Direkte Demokratie ist weder Partei noch Programm. Es ist eine Machtverschiebung
innerhalb des Systems.

Nur Bewegungen, die EIN Ziel verfolgen, koennen (voruebergehend!!!)
punkten. Die Gruenen waren urspr. vor allem gegen den "Atomwahn"
(bis sie einen
Vorsitzenden waehlten, der fuer Atomkraft war
...). Dann wurden sie
"politisch erwachsen" und mussten ploetzlich eine Meinung zu Kosovo,
Mindestlohn, Gentechnik, Hoechstgeschwindigkeiten auf Autobahnen,
Mutterschutz, Timbuktu und Rechtschreibung haben.

Wer gegen die AKW demonstrierte, hatte zu keinem der Themen je etwas zu sagen,
hätte er sich für Direkte Demokratie eingesetzt, hätte seine Stimme gezählt und
dies auch zu all den anderen Themen, zu denen ihn "seine Repräsentanten" verschaukelt
haben.

Das Ergebnis kann man bewundern, auch bei der mehrfach gespaltenenen AfD.
Der Partei der Vernunft. Grundrechtepartei. OeDP. Piraten.
Pegida
... und und und ...

Genau, hätten sich die alle gemeinsam für Direkte Demokratie eingesetzt, könnten
sie ihre Anliegen alle paar Jahre wieder zur Abstimmung bringen. So wie die GSoA
in Schweiz regelmässig versucht, die Wehrpflicht abzuschaffen.

Wer Parolen ausgibt, denkt fuer andere. Wer fuer andere denkt,
zieht die magnetisch an, die nicht selbst denken wollen. Was
uebrigens auch dagegen spricht, fuer direkte Demokratie zu werben. Wer das
wollte, taete es doch schon. Oder warten alle nur auf @pigbonds und
@Bergamr und schreien dann begeistert: "Heil ... ja wenn Sie
nicht waeren ..."
???

Wer Direkte Demokratie will, der denkt nicht für andere, sondern hilft ihm, für
sich selber zu denken.

Was wollen also die PEGIDAner oder all die anderen, die gegen die (Massen)Aufnahme von
Flüchtlingen auf die Strasse gehen? Sind die dort, weil sie denken, sie seien eine
Minderheit, die so "die Masse der Ahnungslosen" aufklären kann? Na dann viel Spass.

Oder denken sie vielleicht, es gebe so etwas, wie eine grosse, schweigende Mehrheit,
die nicht unbedingt jeden Flüchtling nach Deutschland einladen möchte?

Der Protest macht doch politisch nur Sinn, wenn man eine stille Mehrheit erwartet, nur
was nutzt einem diese schweigende Mehrheit? Nichts.

Wenn man also nur ein kleines bisschen vorausdenkt, dann ahnt man, dass bald wieder ein
Thema kommt, zu dem es möglicherweise eine schweigende Mehrheit gäbe, die man nutzen könnte,
wenn jeder abstimmen könnte. Deshalb nutzt man jedes grössere polarisierende Thema und
wirbt für Direkte Demokratie, denn zu den Flüchtlingen hat fast jeder eine Meinung, zur
Atomkraft auch, zur Totalüberwachung auch, zur Bargeldabschaffung auch, zur EU-Verfassung auch,
zur EU-Armee auch, zum EU-Grundeinkommen auch, ...

Will man sich jeden Montag übergangen fühlen, dann wirbt man halt für politische Inhalte zu
einem aktuellen Thema - das ist dann wie ein Hobby.

Mach's doch wie die Kanzlerin, denk die Dinge einmal von ihrem Ende her. Dann wird man nicht
total emotionalisiert jeder neuen Sau durchs Dorf nachrennen. Das ist nämlich genau das, was
diese Medien-Hypes bewirken, man ist voll auf das unerhebliche fokussiert. Da kann man sich
noch so wegen der Waffengeschäfte mit den Saudis aufregen, die eigene Stimme wird nie etwas
zählen, ausser man geht selber in die Politik und gehört dann selber zu jenen, die man jetzt
als Psychos schimpft.

Direkte Demokratie bedeutet einen erheblichen Machtverlust des Parlamentes. Die Leute, die
jetzt im Parlament sitzen, sitzen dort, weil sie diese Macht wollen. Die werden nie auf die
Idee kommen, diese Macht abzutreten, ausser, wenn es darum geht, sich ein Alibi zu verschaffen,
wenn man vor einer Lose-Lose Alternative steht.


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