Das unerziehbare Wesen und der richtige Umgang damit
Hallo nemo!
Von einigen Psychologen wurde erkannt, dass in Kriegszeiten ein
Bewusstseinsprung stattfindet. Die Leute werden wacher, weil es um ihre Existenz geht.
Oft sind das auch nur Opportunisten, die dann aus der Not der Menschen noch ein Geschäft machen. Die wenigen anständigen Leute sind schon lange vorher aufgewacht bzw. haben überhaupt nie geschlafen, sondern waren immer wach. Aber das ist nur eine Handvoll.
Dieser Effekt schläft nach Beendigung des Krieges jedoch
wieder ein. Sie werden für eine gewisse Zeit aufgerüttelt und dann
fallen sie wieder in ihre alltägliche Gleichgültigkeit zurück.
Das betrifft auch nur wieder die Opportunisten, die den leichten und bequemen Weg gehen. Die wirklich Aufgewachten schlafen nie wieder ein (denn sie haben ein kosmisches Bewußtsein).
Daher denke ich, bringt es auch nicht viel, schweigende Mahnwachen
zu veranstalten. Wachheit muss auch mit einem klaren Standpunkt,
durch Gespräche und eine Haltung artikuliert werden.
Es ist im Großen wie im Kleinen: Man kann die Leute nicht so leicht erziehen. Eigentlich kann man niemanden erziehen, ohne ihn zu zerbrechen, da man immer irgendwie Gewalt anwenden muß, von sanfter Erpressung über Bestechung bis zur brutalen Methode von Sun Tsu. Jeder Mensch, jede Gruppe jedes Volk hat ein bestimmtes Wesen, und das kann man nicht so einfach ändern ("umerziehen"), wenn man nicht selber zum Straftäter werden will. Das Kunststück ist, eine Balance zu finden zwischen dem Schutz vor zu viel (nicht wegerziehbarer) Gewalttätigkeit von einzelnen Menschen, Gruppen und Völkern und einer Erziehung, die dem Anderen (Einzelner, Gruppe, Volk) so viel Freiheit läßt, daß er nicht aufbegehrt und eine gewaltsame Rebellion startet.
Vielleicht haben die Chinesen deshalb den Konfuzianismus entwickelt: Da man erkannt hat, daß man eigentlich niemanden erziehen kann, ist man - auch aus Respekt vor dem unbekannten Wesen, das da vor einem steht, erst einmal höflich (man weiß ja gar nicht, wer es ist...) Schadet der Andere einem dann aber, rächt man sich (möglichst unerkannt). Ist er freundlich, belohnt man ihn. Dadurch hat der Andere die Gelegenheit, nachzudenken und zu erkennen, warum ihm das passiert, und kann sich die Fragen selber beantworten. Das ist Lernen statt Erziehung und meiner Meinung nach richtig, denn hier werden die Menschen durch Erziehung nur gebrochen und zu Wesen, eigentlich zu Maschinen, degradiert, die die Fehler ihrer Eltern immer und immer wieder wiederholen, bis die Welt in Trümmern liegt. Nicht umsonst ist die chinesische Kultur die älteste... Sie übt geschickte indirekte Erziehung, ohne den Anderen zu demütigen oder sonstwie zu verletzen, und dieses Konzept ist vor allem in der zur dritten gemachten Welt weiter verbreitet, als man vermutet.
Ich sehe die Aufgabe eher darin, dem alltäglichen Leben in Übereinstimmung
mit den eigenen Handungs-Maximen einen Sinn zu geben. Eine neue
Ausrichtung, hin zu den inneren Werten. Impulse setzen.
Ja, man kann/muß/darf bei sich selber anfangen und den Anderen zeigen, wie es geht, ohne zu missionieren oder etwas aufzuzwingen, und die Anderen können davon lernen und es auch tun (oder nicht).
viele Grüße
Orodara