Erdöl IST die Vorfinanzierung
Hallo Centao,
In der erweiterten ETP-Diskussion bei dem Block von Frau Gail Tverberg ist
dies ein wichtiger Punkt. Sonst versteht man nicht das Nachfragemodell. Den
der höchste bezahlbare Oberbetrag für die nutzbare Energie ist eben
monetär in der Praxis verankert. Siehe Venezuela, wo der Sprit nichts
kostet, aber alles hungert und es keine Nachfrage nach Produktionsenergie
gibt..
das ist nicht abwertend gemeint, aber Du hast wirklich das ETP-Modell noch nicht ganz "verinnerlicht". Ich empfehle Dir unbedingt den Faden im Peak-Oil Forum. Dort kannst Du erstens BW Hill direkt Fragen stellen und zweitens nachlesen, warum Venezuela, Saudi Arabien und die ganzen ÖL-Konzerne keine Gewinne mehr machen sondern extrem am Aufschulden sind. Denn das ETP-Modell bietet eine Erklärung, mit Nachfrage hat diese allerdings nichts zu tun.
Im übrigen wir Erdöl global gehandelt und nicht in Venezuela. Die Kameltreiber sind ja auch reich geworden, indem sie ihr Öl an andere verkauft haben und nicht, indem sie lokal die "Nachfrage nach Produktionsenergie" befriedigt haben.
Ja, burakumin, alles incl. Infrastruktur ist auf Schuldenstand /
Vorfinanzierung gebaut.
Wie erklärst Du Dir dann soetwas? Ameisen bauen riesige Infrastruktur ganz ohne Vorfinanzierung, wie kann das sein?
Ein paar grundsätzliche Dinge dazu: Der Debitismus bedingt eine "Macht" (Zwang) die a priori einen Handlungsrahmen schafft, der die Einhaltung von Kontrakten und Eigentumsrechten garantiert.
Was Du Vorfinanzierung nennst, ist ein Energieüberschuß. Dieser muß vorher gegeben sein, damit eine bestimmte Anzahl an Menschen sich mit anderen Dingen beschäftigen kann, als mit der Nahrungsbeschaffung.
Als Motivator benötigt man allerdings stets einen Zwang (Macht), da der Mensch sich wohl kaum wie eine Ameise ohne extrinsische Motivation in sein "Schicksal" ergeben würde.
Im Debitismus zwingt die "Macht" mittels Monopolgeld und Zwangsabgabe (Steuer) sowie Zins zur stetigen Aufschuldung. Voila unser Kettenbriefsystem. Dies stellt eine Organisationsform dar, einen Möglichkeit der Ressourcen-Allokation. Es ist ein Management-System mehr nicht.
Stell Dir Folgendes vor:
Du strandest mit 99 Menschen auf einer einsamen Insel. Du kannst die fünf stärksten (die mit den Knüppeln) davon überzeugen, dass sie Deinen Anweisungen folgen. Fertig ist der "Staat".
Du "überredest" 20 Menschen, Muscheln zu sammeln und zu fischen. Du hast Glück und diese Menge an Fischern kann auch die restlichen 80 mit Nahrung versorgen. Fertig ist die "Vorfinanzierung" = Energieüberschuß.
Jetzt hast Du noch 74 Menschen. Die machen Werkzeuge, fällen Palmen, sammeln Steine, bauen Häuser, finden Eisenerz, graben Brunnen, bauen Häuser, usw.
Alles zentral gesteuert, ohne Geld und ohne Zins! Nimm noch freie Liebe dazu und Du hast den schönsten Kommunismus aller Zeiten. Was Du dafür benötigst, sind lediglich Menschen, Land, zuviel Energie und Zwang. Das ist in etwa das, was auch unsere Altvorderen hatten, als sie die antiken Zivilisationen gründeten.
PS: Die Energie nach der Subsistenz war nicht zuerst da, sondern der Zwang
zur Vorfinanzierung und der Möglichkeit danach "Ertrag" zu scheffeln.
Ohne Energieüberschuß kann es nichts außer Subsistenz geben. Wenn selbst der "Häuptling" mit auf die Jagd gehen muß, weil er sonst hungert, wer ist dann übrig, um den "Zwang" zu erzeugen?
Allein schon die Herausbildung einer Zwingmacht als Herrscherkaste erfordert a priori einen Energieüberschuß. Sonst würden zuerst ihre Untertanen verhungern und dann sie selbst. Das ist auch der Grund dafür, warum Stammesgesellschaften so egalitär sind.
Ohne Zwinger kein Zwang.
Beste Grüße
burakumin
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