Es gibt viele Hinweise für beide Thesen

Lazer, Dienstag, 18.10.2016, 21:00 (vor 3427 Tagen) @ nereus2834 Views

Hallo Lazer!

mfG
nereus

Hallo nereus,

danke für die umfangreiche Antwort.

Ich habe nun auch den Film gesehen und bin daher auch etwas "klüger".

Schon mal eine Sache, bei der ich mich geirrt habe, weil ich das aus der Diskussion mitgenommen habe ist die Frage der Abstimmung. Das kam da so rüber, als ob der Zuschauer entscheiden würde, welches Ende er sehen wollte. Tatsächlich wird er aber ja am Anfang gleich als Schöffe eingeführt, der sich frei machen soll von allem, was er gehört hat und objektiv entscheiden soll. Sehr wohl also das Urteil betreffend.

Ich bin dann an den Film auch so herangegangen, habe aber auch gleichzeitig Argumente für die eine oder andere These gesammelt.

Hätte ich den Film ohne die Diskussion im Anschluss und hier gesehen und hätte mich an die Anweisung gehalten, hätte ich mich klar für die Rechtsanwältin entschieden. Sie war von Anfang an objektiv und an der Wahrheit interessiert (ich weiß, wie man das wieder interpretieren könnte, ich nehme es jetzt einfach mal als Fakt so, wie es war), der wichtigste Punkt ist, dass die Würde von Menschen angegriffen wurde, mit Vorsatz - fertig. Rechtfertigung dafür gibt es nicht, selbst wenn man es nachvollziehen kann.

Das wichtigste Argument der Verteidigung war die Schwäche, da Terroristen das dann ausnutzen und wissen, dass ihre Fliegerbomben nicht angegriffen werden. Lasse ich nicht gelten, da ich (subjektiv) keine große Angst vor Terror habe, aber davor, dass der Staat legitimiert wird, willkürlich zu handeln. Zudem würde das bedeuten, unsere Grundwerte auf Druck der Terroristen aufzugeben, damit hätten sie gewonnen - geht nicht. Da muss man eben andere Lösungen finden für das nächste Mal, diesmal war der Pilot schuldig. (Ich bitte zu entschuldigen, falls das juristisch nicht korrekt war, umgangssprachlich wird es glaube ich verstanden, kein Freispruch eben).

Das nur zum Inhalt des Films. Ich fand ihn, einfach als Unterhaltung, bei der man sich in die Rolle eines neutralen Richters begibt und aufgrund der Fakten und Argumente, die dargelegt wurden sehr interessant und nicht schlecht gemacht, eigentlich ähnlich wie Rollenspiele am Computer. Man muss sich natürlich dann auch in diese Rolle einlassen und darf sich nicht von seiner eigenen Meinung beeinflussen lassen. Von daher OK. Ganz unpolitisch betrachtet. Die paar Plotholes mal aussen vor.

Bei Deinem Punkt kann man mitgehen. Ich habe Deine Antworten nicht einzeln zitiert, weil sie alle schlüssig sind und nachvollziehbar. Es sind aber dennoch nur Hinweise, die auf Deine These schließen lassen.

Hinweise, die darauf schließen lassen, dass das Konzept tatsächlich lehrreich gedacht war, damit sich Leute damit beschäftigen, gibt es aber auch, einige habe ich schon dargelegt. Man könnte das auch so ausdehnen, dass im Ernstfalle die Bürger verstehen gelernt haben sollen, warum der Staat das Flugzeug nicht abgeschossen hat - wäre auch eine These, die man anhand einiger Stichpunkte belegen können. Nicht zuletzt ist das ja zumindest theoretisch der Auftrag der ÖR.

Deine Argumente lassen mich insgesamt auch in Deine Richtung tendieren, als gesetzt würde ich es nicht sehen, da der Rest im Grunde nur "ist doch klar, die lügen immer" etc. ist. Dem stimme ich zwar zu, aber davon lasse ich mich in meiner Entscheidung nicht zu stark beeinflussen.

Was stark für Deine These spricht ist das emotionale Plädoyer des Anwalts, der an die Angst vor Terror appelliert, leicht verkrampft (und natürlich aus dem Ärmel gezogen mit genauem Datum) mit Kant gegenargumentiert. Beides löst bei mir Reaktanz aus. Bei vielen anderen natürlich nicht, daher ja auch das Ergebnis. Und sowieso, dass er dann die Eier nicht gehabt hätte, seine Frau auch abzuschießen, also dann doch nichts mehr mit selbstlos und so.

Aber auch hier könnte man argumentieren, dass man damit dem Zuschauer den Spiegel vorhalten wollte, um zu zeigen, wie er sich von seinen Gefühlen zu falschen Entscheidungen hinreissen lassen kann und wie schwierig das für die Juristen und die Abgeordneten ist, wo wir dann wieder in Deine Richtung kommen... für mich ist es nicht glasklar.

Ich werde es beobachte, in welche Richtung es sich entwickelt. Ich persönlich habe das Gefühl, daß die Medien den Schuss langsam gehört haben, zumindest vom Hörensagen und doch versuchen, auch mal wieder etwas Qualität zu liefern. Inwiefern das nur Täuschung ist, um eben genau das zu erreichen, dass man wieder mehr Vertrauen bekommt, ist natürlich auch wieder sehr schwierig.

Es bleibt spannend. Man sollte allerdings - und dabei bleibe ich - sowohl den Film als auch die Diskussion gesehen haben, idealerweise auch offen für beide Optionen (oder einfach nur Unterhaltung, wäre auch eine Option, Einschaltquoten und Diskussionen für Bannerschaltungen), ansonsten ist das so, wie mit Leuten über "Deutschland schafft sich ab" zu reden, die es nie gelesen haben, aber wissen, dass es rechtsextrem ist. Damit meine ich Dich natürlich jetzt nicht, ganz allgemein.


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