bin nicht überzeugt
Hallo Lazer!
Du schreibst: Obwohl ich den Film noch nicht gesehen habe, teile ich Deine Meinung daher nicht, zumindest dann nicht, wenn man das ganze Konzept und nicht nur den Film isoliert gesehen hat.
Das ist Dein gutes Recht.
Durch die differenzierte Auseinandersetzung wurde dem Zuschauer klar, warum es keinen Freispruch für den Piloten hätte geben dürfen, auch wenn er moralisch richtig gehandelt haben mag.
Jein.
Die Debatte könnte man auch als Alibi-Debatte beschreiben.
Wie Heribert Prantl richtig schreibt, wurde eine Alles-oder Nichts Konstellation suggeriert, die jedoch realitätsfern ist.
Der Fall erinnert mich an die Diskussion um die Entführung des Bankiers-Sohn Jakob Metzler, wo der Täter zwangsweise gefoltert (oder besser, etwas härter rangenommen) wurde, um das Leben des Jungen zu retten, was letzten Endes nicht gelang.
Der Vernehmer handelte sehr wohl im Notstand, aber ohne Verfahren konnte die Angelegenheit nicht über die Bühne gehen.
Meines Wissens wurde der Polizist schuldig gesprochen aber lediglich mit einer geringen Geldstrafe belegt.
Diese Lösung wäre auch beim Major denkbar gewesen, doch die stand überhaupt nicht zur Disposition und das ist schon mal bedenklich, weil der Zuschauer hier diverse Optionen vorenthalten bekam.
Somit wurde dem Zuschauer auf Basis des Films eine Motivation gegeben, sich mit einer solchen Situation gedanklich zu beschäftigen und im Nachgang wurden dann die Fürs und Widers ausführlich besprochen, ich hatte auch nicht den Eindruck, dass dies zu Gunsten oder Ungunsten der einen oder anderen Meinung geschah, die Argumente der Diskutanten schienen auch fundiert zu sein.
Ja, das kann man so sehen, aber man kann die Wahrheit auch verbiegen, in dem man Wesentliches einfach unterschlägt.
So sehr ich sonst auch - nicht zuletzt durch langjährige Arbeit in der Öffentlichkeitsarbeit - von der Propaganda in den Medien überzeugt bin, war diese Sendung im Gesamtkonzept genau das, was ich von den ÖR erwarte, die Verknüpfung von Unterhaltung mit gesellschaftlichen Problemen mit dem Ziel, sich damit differenziert zu beschäftigen.
Ich meine subtile Meinungsbildung verspürt zu haben.
Nicht umsonst habe ich den Beitrag mit der Herkunft des Terrors „verstärkt“, denn das ist ein ganz wesentlicher Punkt dabei.
Denn wenn z.B. ein Entführer seine toten Landsleute rächen will, weil der Aggressor-Staat zuvor mit diesen keine Gnade kannte, würde sich die Betrachtung schon ein wenig relativieren.
Und wenn der Passagier-Jet in die NATO-Hauptzentrale gelenkt worden wäre, also dorthin wo die gesamte Problematik (die den Terror generierte) überhaupt ausgedacht und umgesetzt wurde, würde die Schieflage noch größer.
Denn jetzt stellt sich nämlich die Frage, ob man Hitler-Attentäter zu Helden erklärt und nachträglich frei spricht, obwohl sie einen Menschen ermorden wollten und ob man die juristische Brille je nach politischer Lage und Gutdünken benutzen darf.
Was ich den ÖR diesmal wirklich anrechnen muß, sind die gelungenen Kommentare zum Film und anhängender Abstimmung.
Doch schau mal was Franz-Josef Wagner von der BILD dazu schrieb.
Der wird zehnmal so oft gelesen wie Heribert Prantl oder Richter Fischer.
Terroristen haben ein Flugzeug mit 164 Passagieren entführt. Selbstmordattentäter. Sie drohen sich mit dem Flugzeug in die Allianz-Arena vom FC Bayern zu stürzen, wo 70 000 Fans sind.
Ein Luftwaffenpilot steigt auf und schießt das Flugzeug ab.
Nun sitzt er vor Gericht. Mörder oder Held?
Nach unserer Rechtsprechung ist er ein Mörder.
Er hat unschuldige Menschen getötet.
Er hat 164 Menschen getötet, weil er 70 000 Menschen retten wollte.
Ich bin nicht in der Lage zu urteilen, ob er ein Mörder oder ein Held ist.
Er hat Leben ausgelöscht, um Leben zu retten.
Ich kann nicht schlafen. Ich gebe ihm recht und ich gebe ihm nicht recht.
Ich wünschte, all dies im Film „Terror“ würde nie passieren.
Quelle: http://www.bild.de/news/standards/franz-josef-wagner/lieber-ard-film-terror-48330396.bi...
Das schaut ziemlich neutral aus, nicht wahr?
Aber der Teufel liegt im Detail.
Schon der Zahlenvergleich ist eine Zumutung.
Er ist nicht falsch aber eben suggestiv, denn jeder Fünftklässler WEISS, das 70.000 Tote SCHLIMMER sind als nur 164.
Und wenn er nach UNSERER Rechtsprechung ein Mörder ist, gibt es dann etwa Rechtsprechungen wo er kein Mörder, ggf. sogar ein Held ist?
Denn ein Held war er ja, weil er den Mut hatte 69.836 Menschenleben zu retten, nicht wahr?
Das hatten weder der Minister noch seine Vorgesetzten drauf, weil die sich besser an verstaubte Gesetze halten.
Und so wie Wagner gedacht hat, es aber nicht schrieb - genauso hat das Publikum abgestimmt.
Nee @Lazer, das hat alles ein ziemliches Geschmäckle und sollte wahrscheinlich ein Test für das Volksgewissen sein weil demnächst ein ähnlicher Ernstfall eintreten wird.
Die Kriegstrommeln werden immer lauter und der Verteidiger brachte es schließlich auf den Punkt – es ist ja Krieg!
Möglicherweise sind wir davon nur noch wenige Zeiteinheiten entfernt und dann muß das Volk diese Abstimmung wieder ins Gedächtnis rufen, weil nun Pearl Harbor Nr. 3 aufgeführt wird.
mfG
nereus