In Kombination mit nachfolgender Diskussion erscheint der Film in einem anderen Licht

Lazer, Dienstag, 18.10.2016, 14:36 (vor 3428 Tagen) @ nereus3647 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 18.10.2016, 15:40

Hat jemand den Film „Terror“ gesehen, wo ein Pilot vor Gericht stand,
weil er eine Passagiermaschine abschoss, um eine mutmaßlich größere
Tragödie, den Tod von Zehntausenden in einem Stadion, zu verhindern?
[/i]

Interessanterweise wollen die Kolumnenschreiber der Medien dem
„Kriegsgeschrei“ aber diesmal nicht folgen. Die Kommentare sind
erstaunlich und angenehm zurückhaltend.

Frage an den Regisseur des Films?
Wie hätte das Publikum eigentlich abgestimmt, wenn im Flugzeug die
Fußballnationalmannschaft gesessen hätte oder gar eine Abordnung der
Regierung inkl. der Kanzlerin? [[zwinker]]

mfG
nereus

Ich habe den Film aufgezeichnet, da mich das Konzept - auch mit der Wahl, wie es weitergeht (was nicht heißt, dass das Publikum auch zwingend eine Meinung bekunden sollte, auch wenn es das sicherlich zum Teil getan hat, tatsächlich ging es nur darum zu wählen, wie es weitergehen soll, egal welcher Meinung man selbst ist. Vielleicht interessierte ja den einen oder anderen, wie das Urteil argumentiert wird, was gegen die eigene Überzeugung verstößt) interessiert hat. Allerdings noch nicht gesehen, nur die nachfolgende Sendung zum selben Thema.

Leider habe ich vorher nicht gesehen, dass der Film nur Teil eines Themenblocks war, im Anschluss wurde in hart aber fair der Film und die dargestellte Situation sehr genau und differenziert analysiert. Probanden konnten ihre Meinung zu der Entscheidung dann tatsächlich abgeben und es wurde gemessen, wie die Entscheidung sich im Laufe des Films veränderte (bei 9 Probanden 28 Mal imo). Auch wurden diese Zuschauer zu ihrer Meinung befragt.

Was bei mir hängen geblieben ist als kommunizierte Meinung:

- Der Abschuss verstößt gegen das Grundgesetz Artikel 1, die Würde des Menschen ist unantastbar, auch in einer solchen Situation
- Der Abschuss ist moralisch vertretbar, wenn eindeutig ist, dass die Menschen im Flugzeug ohnehin sterben werden, mit dem Abschuss aber die 70k Zuschauer überleben
- Der moralische Aspekt darf rechtlich nicht über eben dem Gesetz stehen
- Um den Piloten freisprechen zu können, müsste Artikel 1 geändert oder angepasst werden, was unmöglich ist, da er Ewigkeitscharakter besitzt

--> Den Artikel 1 gibt es aus gutem Grund, um den Bürger (insbesondere sein Leben) immer auch vor dem Zugriff des Staats zu schützen, es ist unantastbar, auch zur Rettung anderer Leben. Eine Aufrechnung der Leben kann nicht sein (dies auch zum Thema Fußballmannschaft / Ehefrau / Kind im Flugzeug). Hierzu äußerten sich auch die Teilnehmer der Diskussion sowie die Probanden (z.B. meine Frau ist Flugbegleiterin, sie hat gesagt, auch wenn sie drin säße, würde sie von ihrem Mann erwarten, dass er das Flugzeug abschießt, um andere Leben zu retten). Genau die Fragen, die hier so "frech" gestellt wurden, wurden dort also dann auch schon behandelt.

Obwohl ich den Film noch nicht gesehen habe, teile ich Deine Meinung daher nicht, zumindest dann nicht, wenn man das ganze Konzept und nicht nur den Film isoliert gesehen hat. Durch die differenzierte Auseinandersetzung wurde dem Zuschauer klar, warum es keinen Freispruch für den Piloten hätte geben dürfen, auch wenn er moralisch richtig gehandelt haben mag.

Wenn man eine Manipulation unterstellen möchte, dann die, dass der Einzelne nun die Auffassung bekommen haben könnte, sich in so einer Situation gegen Gesetz und Befehl widersetzen zu müssen, also den Abschuss tätigen, sich dann aber dessen bewusst sein muss, dass er sich damit strafbar macht und keine Gnade erwarten darf ob seiner "moralisch überlegenen" Handlung.

Somit wurde dem Zuschauer auf Basis des Films eine Motivation gegeben, sich mit einer solchen Situation gedanklich zu beschäftigen und im Nachgang wurden dann die Fürs und Widers ausführlich besprochen, ich hatte auch nicht den Eindruck, dass dies zu Gunsten oder Ungunsten der einen oder anderen Meinung geschah, die Argumente der Diskutanten schienen auch fundiert zu sein.

Dieser Eindruck wurde durch die Kommentare der Probanden gestärkt, die sich genauso äußerten, dass sie z.B. erst zu dem Piloten "gehalten haben", ihnen dann aber bewusst wurde, dass er damit gegen das GG verstößt und somit ein Freispruch nicht zu rechtfertigen ist, woraufhin sie ihre Meinung änderten (wie gesagt änderte jeder seine Meinung etwa 3mal).


So sehr ich sonst auch - nicht zuletzt durch langjährige Arbeit in der Öffentlichkeitsarbeit - von der Propaganda in den Medien überzeugt bin, war diese Sendung im Gesamtkonzept genau das, was ich von den ÖR erwarte, die Verknüpfung von Unterhaltung mit gesellschaftlichen Problemen mit dem Ziel, sich damit differenziert zu beschäftigen.

Auch wenn ich den Film erst noch sehen werde, wurden in der Diskussion auch die hier angesprochenen Schwächen des Films in Form der positiven, sympathischen Figur des Piloten, auf dessen Seite der Zuschauer gezogen werden soll, angesprochen, also auch hier recht transparent und differenziert. Bei gutwilliger statt böswilliger Betrachtung könnte man auch denken, das war genau Absicht, um dem Zuschauer vor Augen zu führen, dass er sich durch vermeintlich überlegene Moral und Sympathie / Empathie für den Angeklagten tatsächlich falsch im Sinne des GG entschieden hat, um so noch einmal ein intensiveres Nachdenken über dieses Thema zu erreichen.

Daher sehe ich keine stichhaltigen Beweise für eine Manipulation in eine bestimmte Richtung außer der, sich erst schlau zu machen und dann zu entscheiden, was ja im Grunde positiv zu bewerten ist.


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