Danke. Weitere Vorschläge meinerseits ..
Hallöchen BillHicks
Lieber Beo2, selbstverständlich geht es um "meine" Dialektik des Rechts, bzw. das was ich darunter verstehe. Was verstehst Du darunter?
"Darunter" verstehe ich gar nichts .. es ist mir einfach zu abstrakt. Ich bin ein sehr konkret denkender Mensch, ein Praktiker und Otto Normalverbraucher sozusagen. Für mich ist Recht einfach das gültige, durchsetzbare Gesetz. Ich unterscheide da:
- Naturgesetze,
- Moralgesetze (vgl. z.B. das Karma/Schicksal), und
- Sozial- bzw. Staatsgesetze.
Und warum löst diese Dialektik sich in Luft auf, wenn "direkte Demokratie" angewendet wird?
Sie löst sich nicht notwendigerweise auf, wenn geklärt wird, was KONKRET gemeint ist. Wörter haben ja keine eindeutigen Inhalte, über welche Konsens herrscht.
Welche Dialektik oder Widersprüchlichkeit hat die direkte Demokratie in der Vergangenheit aufgelöst? Kurz: Wo war "direkte Demokratie" erfolgreich?
Wo? .. ausgerechnet im alten Griechenland (vgl. demos kratia = Herrschaft der freien Bürger), genauer: im alten Athen (Region Attika), ca 570-320 v.Chr. mit Unterbrechungen .. immerhin ca. 200 Jahre netto! Z.B. hier nachzulesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratie
https://de.wikipedia.org/wiki/Attika_(griechische_Region)
https://de.wikipedia.org/wiki/Attische_Demokratie
https://de.wikipedia.org/wiki/Ekklesia_(Antike)
https://de.wikipedia.org/wiki/Demos
https://de.wikipedia.org/wiki/Solon
https://de.wikipedia.org/wiki/Rat_der_Vierhundert
https://de.wikipedia.org/wiki/Kleisthenes_von_Athen
https://de.wikipedia.org/wiki/Bule
https://de.wikipedia.org/wiki/Ephialtes_von_Athen
https://de.wikipedia.org/wiki/Perikles
Da spazierten gerade zu dieser Zeit über die Straßen von Athen noch Denker wie Sokrates, Platon, und andere Bekannte. Und, wir wollen sicher auch die heutige Schweiz nicht außer Acht lassen:
https://demokratie.geschichte-schweiz.ch/direkte-demokratie-schweiz.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Direkte_Demokratie_in_der_Schweiz
Ich kann dazu "Geschichte des Rechts" von Uwe Wesel empfehlen. Besonders das Kapitel über das antike Griechenland. Vorschlag: Du gehst das Kapitel lesen und wir unterhalten uns hier darüber.
Mal schauen, was sich machen lässt.
Anm.: Ich sage übrigens mit keinem Wort, dass wir als Gesellschaften nicht dramatisch viel Know-How und Input durch unser grottenschlechtes Gesellschaftsdesign brach liegen lassen und verschenken. Genau dort müssten wir dringend etwas unternehmen und das würde definitiv mit größerer "Beteiligung", größerer "Politisierung" einhergehen (müssen):
Volle Zustimmung! Auch ich selbst biete da einiges an Know-How an. Über manches sind wir beide uns wohl ziemlich einig, so z.B. hierüber: Wir brauchen eine positive Staats- und Gesellschaftstheorie, mit allem drum und dran, eine andere NWO sozusagen.
Aber dieser - mit Verlaub - naive Ruf nach "direkter Demokratie" geht mir gehörig auf den Zeiger. Insbesondere, wenn er als Einzeiler daher kommt.
Ja nun, eine NAIVE Vorstellung von Direkter Demokratie befindet sich leider nur in deinem Kopf, was Du im anderen Posting ja bereits gezeigt hast. Das mag Dir selbst durchaus auf den Zeiger gehen. Ich selbst habe da gewiss eine etwas genauere und ausgearbeitete Vorstellung und habe mich darüber auch schon ausführlicher ausgelassen, z.B. hier:
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=383227
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=387821
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=378593
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=386956
Hier etwas zum Thema NWO:
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=405069
Du musst aber verstehen, dass alle Innovationen, auch soziale Technologien, ganz klein und bescheiden anfangen müssen, bevor sie weiterentwickelt werden können und schließlich aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Verlasse dich darauf: Da ist ein Ende gar nicht in Sicht .. bei der Entwicklung der Direkten Demokratie. Dies muss allerdings gleichzeitig mit der praktischen Umsetzung geschehen. Denn nur Praxis befruchtet das Konzept, und umgekehrt.
Wahrscheinlich, weil ich mich von diesem unreflektieren staatswissenschaftsbefreiten und besonders gut gemeinten Müll selbst schon habe euphorisieren lassen.
Direkte Demokratie ist kein fertiges Konzept oder "gut gemeintes Müll", sondern ist ein sehr weites, von einigen Systemreformern solide reflektiertes Thema, welches viele, auch unterschiedliche Lösungen beherbergen kann. "Wir" haben gerade erst angefangen, uns damit zu beschäftigen. Und ich bin sicher, dies wird nicht mehr aufhören. Voreilige, unreflektierte Hau-den-Lukas-Urteile sind da völlig fehl am Platze.
Übrigens, das Brexit ist ein gutes Beispiel einer konkreten, praktischen Umsetzung, hoffe ich.
Mit Gruß, Beo2