Unterscheidungen treffen können.
Hallo BillHicks,
Grüße Dich KK,
Wen müßte das amerikanische Interesse denn interessieren, wenn sich die
Europäer einig wären???
genau mein Punkt. Mit Betonung auf "wenn".
Und eigentlich hat sich nur der lange Franzose gewehrt, wir waren schon
zugeschüttet mit Cola und Popcorn.
Ich glaube dass in deutschen Strategenkreisen die Bedeutung der "Deutsch-französischen Freundschaft" durchaus gesehen wird. Alleine, d.h. insbesondere ohne die (auch militärische) Rückendeckung der Franzosen, wird es kein "souveränes Deutschland" - d.h. ohne britische und amerikanische Truppen in Besatzungsstärke - geben. Dieses "souveräne" Deutschland würde sich dann als Gliedstaat in eine europäische Republik eingliedern müssen. Sonst bleibt diese Klarheit in der Rückendeckung seitens der Franzosen wohl weiter aus.
Die strategische Fehleinschätzung der Franzosen bzgl. des Euros dürfte ihre Selbstsicherheit in Strategiefragen nachhaltig gestört haben. Mal sehen ob die Franzosen und Deutschen ernsthaft zusammen finden. Wenn ja: alles (auch eine europäische Republik) möglich. Wenn nein: 1930er wir kommen.
Nochmal: nichts fürchtet der Welthegemon USA aus meiner Sicht mehr als
eine (funktionierende) europäische Republik, die Wirtschaftsmacht
Nummer 1
der Welt wäre und die plötzlich auch Interessen vertreten könnte,
die
nicht genau deckungsgleich mit denen der USA sind.
Nochmal: Wen müßte das interessieren?
Die Europäer sind sich aber nicht einig. Siehe nur diese eine einzige Konfliktlinie, die ich oben nicht einmal ansatzweise in ihrer Komplexität ausgeleuchtet habe: Deutschland / Frankreich
Die EU heute hat mit einer europäischen Republik freilich nichts
gemein.
Die EU könnte mit gaaaanz viel Wohlwollen vielleicht als die 21. Jhd.
Version eines absolutistischen Vorläufers einer europäischen Republik
gesehen werden. Einen absolutistischen Vorläufer, den alle heute
existierenden festlandseuropäischen Republiken in ihrer Geschichte,
teilweise bis ins 20. Jhd. hinein, hatten (Frankreich, Deutschland,
Österreich, ...).Eine Republik gründen zu wollen OHNE ein zentrales Gewaltmonopol
VORHER
zu errichten ist die Herausforderung an der bislang selbst die
wohlwollendsten Staatswissenschaftsversager der EU gescheitert sind.
Staat ohne Gewaltmonopol ist eine Fiktion. Egal ob Republik oder andere
Spielarten.
Richtig. Deshalb ist die EU auch kein Staat und genau deshalb funktioniert das Gebilde ja auch nicht.
Selbst die USA und die Schweiz haben ein militärisches Gewaltmonopol
(und
selbstverständlich auch den dazu gehörenden Krieg!) benötigt um zur
Republik zu werden.
Du meinst, daß zur Realisierung einer europäischen Republik auch noch
ein Krieg gehört? Oder daß wir das mit dem Krieg schon hinter uns haben?
Ich habe mir einfach folgende Frage gestellt:
Wie häufig haben sich Staaten schon zu einem Bundesstaat zusammen gefunden?
Ein paar Mal.
Wie oft auf "demokratische" Art und Weise?
Zwei Mal.
Wie oft ohne eine kriegerische Auseinandersetzung (d.h. eine Gemengelage, die eine existenzielle Bedrohung darstellt und gerade dadurch die Einigung - die Überwindung der Konkurrenzparadoxa - hervorbrachte)?
Kein Mal.
Ich schließe daraus:
Ein ordentliches Stück Designarbeit steht all' jenen bevor, die eine europäische Einigung anstreben, die demokratisch und gänzlich pazifistisch sein soll.
Das wäre "sui generis" im wahrsten Sinne des Wortes. Das gab es noch nie.
Eine Weltregierung... Kant anyone? Wir bekommen eine Regierung ja nicht
einmal in Europa hin (ungeachtet der europäischen
(griechisch-römischen)
gemeinsamen Wurzeln und Geschichte). Weltregierung im Sinne eines
Rechtsstaates? Da kann man noch lange davon träumen.
Wenn eine Weltregierung, dann kann es nur eine im Sinne eines
Rechtsstaates sein.
Das sehe ich im Prinzip genau so. Da stecken aber die Teufelchen im Detail, nämlich in der Semantik der Begriffe.
Auch der UNRechtsstaat ist ein Rechtsstaat,
Meinem Rechtsstaatsbegriff entspricht diese Sichtweise ausdrücklich nicht.
auch wenn wir uns dessen
gesetztes Recht nicht wünschen.
Klaus Stern: „Rechtsstaatlichkeit bedeutet, daß die Ausübung staatlicher Macht nur auf der Grundlage der Verfassung und von formell und materiell verfassungsmäßig erlassenen Gesetzen mit dem Ziel der Gewährleistung von Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtssicherheit zulässig ist.“
Wie man die in einigen Staaten geltende Sharia einzuordnen hat bei der
Findung und Setzung eines globalen Rechts, ist sicherlich auch eine
interessante Frage.
Sharia ist zwar "öffentliches Recht" in dem Sinne, dass das Prinzip der Über-/Unterordnung angewendet wird, das auch im rechtsstaatlichen Öffentlichen Recht Anwendung findet. Aber Sharia hat mit Rechtsstaat absolut gar nichts zu tun. Sharia hat mit Recht nichts zu tun. Ich verwende ganz gezielt einen engeren Rechtsbegriff um genau diese - aus meiner Sicht dringend notwendige - Unterscheidung zwischen Theokratie/Absolutismus und Rechtsstaat betonen zu können.
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Zu den von Dir beschworenen europäischen Wurzeln und der gemeinsamen
Geschichte möchte ich nur zu bedenken geben, daß die Wurzeln auch von
außereuropäischen Einflüssen geprägt wurden und die Geschichte bis zum
Krieg in Jugoslawien eine nur selten unterbrochene Aneinanderreihung von
kriegerischen und ökonomischen Auseinandersetzungen war.
Bei der demographischen Aufrüstung bis hinein ins 20. Jhd. für mich auch kein Wunder.
Die letzten wenigen Jahren als Basis für ein „das muß doch möglich
sein“ oder „das müssen doch alle wollen“, erachte ich als reichlich
naiv.
Davon spricht auch keiner. Mir geht es um strategische Überlegungen. Geopolitik.
Was da noch alles im Untergrund schwelt, werden wir erst sehen, wenn
uns mal das Geld zum Zuscheißen der Probleme fehlen wird.
Das Geld fehlt all jenen, die nicht verstehen was ein Rechtsstaat ist. Zum Beispiel den theokratischen Shariabefürwortern, die von Gold-Dinars und solchem Quatsch faseln. Die raffen gar nix. Und von denen geht auch keine wirkliche Gefahr aus.
Die wirkliche Gefahr sehe ich im Missverständnis unseres eigenen "Systems". Nicht zuletzt weil zentrale Begriffe, wie etwa Recht und Rechtsstaat, einfach nicht ernsthaft genug untersucht und verstanden werden.
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Rechtsetzung ist ein Monopol der Herrschenden. Kein Gesetz wird vom Volk
geschrieben und gesetzt.
Mit diesem geringen Differenzierungsgrad wird es schwer die westlichen Rechtsstaaten sauber von Theokratie unterscheiden zu können.
Damit gewinnt man mEn nichts. Außer vielleicht eine Möglichkeit mit dem eigenen Frust bzgl. der Verhältnisse scheinbar umgehen zu können.
Ich halte es für sinnvoller zu versuchen genauere Fragen zu entwickeln. Meine Vermutung: wir werden diese Fragen ohnehin (dann von der Wirklichkeit) gestellt bekommen.
Selbst vom Volk abgesegnete Verfassungen und deren Derivate sind bloße
Augenwischerei, wenn sie selbst in elementaren Teilen durch das ÖffRecht
verfälscht und Änderungen nicht auch nur durch Absegnung durch das Volk
möglich sind.
Verstehe diesen Satz nicht. Kannst Du das versuchen mir noch anders zu erklären? Danke!
Rechtsetzung ist Ausübung von Herrschaft, die heutige Verrechtlichung
aller Lebensbereiche ist nahezu perfekte Herrschaft.
Demokratie ist eine Form von Herrschaft.
Aber es ist ganz eindeutig eine Herrschaftsform. Was sollte es auch sonst sein? Die Vorstellung, dass das Label "Demokratie" die Herrschaft als Prinzip beseitigte kann sich nur dort halten wo noch nie ernsthaft über Recht und Staat nachgedacht wurde (diese Kreise sind meiner Wahrnehmung nach ohnehin weit genug...).
Welche Form von Herrschaft schwebt Dir vor?
Wenn mit "Weltregierung" die Angst der politik- und
staatswissenschaftlich
völlig ahnungslosen (und gerade deshalb oft nationalistischen) "NWO"
Befürchter gemeint sein sollte: die NWO ist (war) längst da. Sie
zerfällt gerade.
Richtig. Eine NWO gab es in der Geschichte immer dann, wenn sich eine
Nation zur Weltmacht emporgeschwungen hat.
Derzeit sind es die USA, die aber auch wie frühere Weltmächte
ökonomisch am Tropf der Tributpflichtigen hängen und gegen das Versiegen
des immerwährend erforderlichen Stroms von lustigen bunten Zetteln
ankämpfen müssen.
Bisher klappt das noch ganz gut; das Heer der mitprofitierenden Helfer und
Helfeshelfer ist groß genug und die Energieversorgung gesichert.
Geopolitik. Nothing less.
Wir leben in einer komplexen Welt. Nicht in einer komplizierten
Maschine.
Die Suggestion der Möglichkeit linearer Instruktion sehe ich heute als
Herrschaftsinstrument. Dass das angesichts der Geschehnisse in der
Wirklichkeit (die für mich ganz offenbar macht, dass da nichts aber
auch
wirklich gar nichts "perfekt" nach Plan läuft - wie auch?) weiterhin
insinuiert wird verwundert mich sehr und kann ich mir nur mit der
standhaften Weigerung erklären sich mit Kybernetik (bzw. allgemein
Transklassik) ernsthaft zu beschäftigen.
Auch die Kybernetik kann Dir nicht die Komplexität bis zu den einfachen
Antworten und den einfachen Lösungen aufdröseln
Einfache Antworten/Lösungen = Trivialisierung. D.h. nicht Reduktion von Komplexität sondern Zerstörung derselben --> ist die Komplexität zerstört so ist eine Entscheidungsfindung automatisch verunmöglicht.
Ziel wäre also: Komplexitätsreduktion hinzubekommen, ohne eine Zerstörung der Komplexität zu bewirken.
Ohne intensiv Hausaufgaben bei den Begriffen zu machen wird sich das nicht spielen.
, ebenso wenig wie andere
Fachbereiche.
Eine Krux der Komplexität ist halt, daß es die Generalisten nicht mehr
gibt/ geben kann.
Ich verstehe wie Du das meinst. Ich halte es trotzdem nicht für gänzlich richtig.
Man muss nicht jede einzelne Unterscheidung in jedem Fachbereich treffen können (d.h. so viele Unterscheidungen treffen zu können wie die Fach-Experten), aber man muss einige zentrale Unterscheidungen aus unterschiedlichsten Fachbereichen zu treffen in der Lage sein ohne die man die europäisch-westliche Zivilisation in ihrem Wesen nicht verstehen kann.
Ich gebe (noch einmal) drei Beispiele für Unterscheidungen dieser Art:
- Eigentum vs. Besitz
- Einzahlung (Auszahlung) vs. Einnahme (Ausgabe)
- Öffentliches Recht (Über-/Unterordnung) vs. Privatrecht (Konsensprinzip)
(Man betrachte das Aussterben / Verstummen der
Philosophen).
Das ist tatsächlich ein Problem. Und liegt meiner Ansicht nach daran, dass die wenigsten Philosophen die Philosophie (als im griechischen Denken verwurzelte Staatsreligion) selbst reflektieren und deshalb in der Klassik (insbes. aristotelische Logik) hängen bleiben und damit vor der Komplexität der Wirklichkeit kapitulieren müssen (und sich in z.B. sog. "analytische Philosophie" flüchten). Dazu ein transklassischer Klardenker (Gotthard Günther): https://www.youtube.com/watch?v=xokyh7QVOjY
Und daß zur Bewältigung der Komplexität immer komplexere Strukturen
gebraucht werden, die wiederum nur dann „segensreich“ sein können,
wenn sie übersummativ intelligent sind.
Das (potenzielle) "Lösungssystem" muss die gleiche oder größere Komplexität als das "Problemsystem" aufweisen. Meinst Du das?
„Private“ Think Tanks sind nicht von ungefähr entstanden und die
wirklich mächtigen, ökonomisch starken wie Google & Co. werden nicht an
technischen Innovationen kleben bleiben, sondern sich auch immer mehr mit
der Weiterentwicklung des Menschen beschäftigen. Ob zu derem Wohle bleibt
abzuwarten.
Dazu Rudolf Kaehr (Günther-Schüler) https://www.youtube.com/watch?v=SIpVMgHIIEE
„Staatliche“ Think Tanks sind immer am Machterhalt und an der
Machtausweitung orientiert; das Wohl der Welt spielt da keine Rolle.
Du mit Deiner Abneigung gegen alles was das Label "staatlich" trägt.
Auch die Parteien in den Nationalstaaten selbst sind in einem Paradox
verfangen. Von dort wird es keine entscheidende Energie für eine
Bewegung in Richtung europäische Republik geben können.
Na ja, Du könntest ja derzeit die Parteienkonstrukte des Europaparlaments
in diese Überlegungen einbeziehen.
Aber letztlich sind es Parteien, die immer nur einen Teil der Bevölkerung
befriedigen können und werden.
Dies würde dem gemeinen Publikum spätestens dann deutlich werden, wenn
die Parteien absolut nach den Wahlberechtigten und nicht relativ nach den
abgegebenen Stimmen gewichtet würden.
Spätestens dann könnte jeder erkennen, daß er, zumindest meistens, von
einer Minderheit regiert wird.
Und würde dies auch auf Referenden angewendet, gäbe es vermutlich keine
Entscheidung durch das Volk, weil sich eine absolute Mehrheit von 50%+
nicht zusammenfinden würde.
Ich kann nur sagen: zum Glück werden wir nicht durch Dauer-Referenden über jeden Hühnerfurz regiert. Das ginge nicht gut.
Wäre vielleicht gar nicht so ganz verkehrt als (vermutlich ohnehin äußerst kurze) Episode um die Euphorie für "direkte Demokratie" so ein wenig einordnen zu können. Dank gütiger Mithilfe der Wirklichkeit.
Zum Teufel: Ich WILL gar nicht über ALLES befragt werden! Ich kenne mich nämlich gar nicht ÜBERALL aus!
Da muss man sich aus meiner Sicht weit mehr überlegen! Designer und Systemingenieure (und alle systemisch denken und erklären Könnende) sind da gefragt. Way to go.
So lange bleibts erstmal beim Mehrheitsprinzip und parlamentarischen Demokratien. Als den schlechtesten Systemen... aber immer noch besser als alle bisher bekannten Alternativen. "Direkte Demokratie" eingeschlossen.
Freundliche Grüße
KK
Schöne Grüße
--
BillHicks
..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.