Hat natürlich was für sich
Guten Tag,
Aber ich kann den Mund aufmachen.
Diejenigen, die damals den Mund aufgemacht haben oder sich heute die
"berühmte Frage" gefallen lassen müssen, liefen Gefahr, für ihr
Geplauder mit dem Leben zu bezahlen. Ich plaudere dagegen für lau und
meine Enkelkinder werden vermutlich nicht fragen "warum hast du nichts
gesagt", sondern "warum hast du nichts getan". Und wenn ich dann erzähle,
ich habe mich in diese oder jene Ecke der Welt verkrümelt, werde ich von
der fragenden Nachwelt sicherlich nicht als Held gefeiert.Mit freundlichen Grüßen
Schneider
Hallo, und danke für den Gedankenanstoß!
Generell ist es sehr schwierig, hier neutral zu bewerten. Ich kann es nur aus meiner Blickrichtung sehen, und die ist nun mal nur subjektiv. Ich kann naturgemäß - betreffend meiner Person - nicht objektiv sein.
Wo ist der Unterschied zwischen "nichts gesagt" und "nichts getan", oder andersrum: Ist "den Mund aufgemacht" nicht doch auch "was getan"?
Nachdem sich unsere Meinungsfreiheit immer mehr zuspitzt, sodass auch die Nachteile für denjenigen, der andere Meinungen vertritt, in bestimmten Bereichen bereits spürbar werden, nähern wir uns der Zeit, die es mal vor 80 Jahren gegeben hat.
Gewisse Behauptungen sind ja bereits per Gesetz unter Strafe gestellt. Neutrale und wertfreie Diskussionen sind über diese Themen deshalb schon gar nicht mehr möglich.
Ob ich mich verkrümelt habe, weiss ich nicht. Ich habe den Rat eines deutschen Volksschuldirektors befolgt, und meinen Jüngsten in einem Umfeld erzogen, das mir den Freiraum meiner Vorstellung von Erziehung ermöglicht hat. Der Erfolg bestätigt die Richtigkeit meines Weges.
Klar hätte ich auch in Deutschland bleiben können, - wir hatten noch zu essen.
. Aber ich habe nur eine Familie, und auch deren Interessen muss ich im Auge behalten. Wenn sich nun herausstellt, dass ich dabei vom Lebenswert her die bessere Karte gezogen habe, - soll ich jetzt meine Familie dazu überreden, vom Prinzip her wieder der Verschlechterung der Lebenssituation den Vorrang zu geben?
Lassen wir mal die Alten auf der Seite. Wenn aber ein Junge mit 21 Jahren, der unter "normalen" Umständen aufgewachsen ist und mit Rundumblick erzogen wurde, im Rahmen seiner Ausbildung in Deutschland feststellt, "dass das nicht sein Land wäre" (im Sinne, dort gefällt es ihm nicht), und er nach Abschluss der Ausbildung wieder nach Siebenbürgen zurück will, - macht das nicht nachdenklich? Er kennt viele unserer Freunde dort, Schwester, Tante, usw. sind immer verfügbar, wenn man was braucht.
Warum dann diese negative Einstellung zu Deutschland, wo er schließlich geboren wurde? Ich hab versucht, es herauszufinden. Er hält sich ja vornehmlich in größeren Städten auf. Und genau das ist es auch. Das, was er dort sieht, das schreckt ihn ab. Hauptsächlich die "neuen Facharbeiter" und was so drum herum abgeht. Bei uns kennt man sowas nicht. Er wünscht sich, nach einer beruflichen Konsolidierungsphase eine Familie zu gründen und sich nach vorne zu entwickeln. Dazu sieht er in dem aktuellen Deutschland für ihn keine Attraktivität.
Soll ihm irgendwas erzählen, vielleicht, dass das alles nicht so schlimm ist? Soviel zum Verkrümeln. Dazu kommt, dass ich in der Regel nur ein Leben habe, - und das hättte ich gerne schon so gelebt, wie es mir am ehesten gefällt. Ist es nun Egoismus, wenn ich mich nicht in Duisburg in gewissen Vierteln häuslich niederlasse?
Noch was zum Begriff "was getan". Mein Großvater hat damals im braunen Regime was getan, - er hat sich politisch engagiert, auch gewerkschaftlich, - gegen Hitler. Er hat seine Aktion mit dem Leben bezahlt. Klar kann man seinen Lebensweg als heldenhaft bezeichnen. Ist es das? Seine Frau blieb mit drei kleinen Kindern zurück, - ohne Absicherung. Aber er ist - für sich persönlich - seinen Weg gegangen, den er für richtig hielt.
Auch ich könnte "was tun". Allerdings bin ich schon bei der Erkenntnis angelangt, dass alles, was einen deutlichen Effekt produzieren würde, leider mit Freiheitsstrafe verbunden ist. Es wäre eine Option für später, - aber jetzt braucht mich noch meine Familie. Daran muss ich ja auch denken.
Warum spreche ich da so ausführlich darüber: Es ist leicht zu sagen, "hör auf zu quasseln, tu was". Viel zu oft gibt es auch persönliche Sachzwänge, wodurch man sich darauf beschränken muss, einfach nur zu reden - oder auch zu schreiben. Vielleicht ist es nicht viel, aber es ist doch mehr, als die 3-Affen-Position einzunehmen, zu sagen, - was soll ich denn als Einzelner, besser halte ich den Mund; - oder wie manche meiner Freunde, die noch was vom Leben haben wollen, einfach permanent wegzusehen.
Vielleicht kommen mir mal andere Ideen durch die Gehirnwindungen, - man wird ja sehen.
Jedenfalls genauso freundliche Grüße zurück!