Mit verbrennenden Illusionen kann man nicht gemütlich heizen.

nvf33, Montag, 13.06.2016, 14:33 (vor 3538 Tagen) @ Phoenix56762 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 13.06.2016, 17:26

Hallo Phoenix5,
vielen Dank für Deinen ausführlichen Beitrag. Ich lese große Enttäuschung daraus, und ich gebe Dir in genau diesem Punkt auch recht: Enttäuschung ist die dominante Stimmung gerade. Aber Deine konkreten Folgerungen: Nein, die halte ich für irreführend, wir sind doch kein suizidales Bienenvolk! Da gibt es auch nichts zu respektieren. Selbst wenn ich der letzte meiner deutschen Art wäre, so bliebe ich Teil dieser Art. Wenn ein Teil meiner Art aus der ihren schlägt, dann ist das bedauerlich, aber doch töricht und zwecklos. Man wird sich selbst und seine Herkunft nicht los, egal wie weit man reist (oder wie viel man trinkt o.ä.).

Das Feuer der Enttäuschung, das wir da gerade mehr oder weniger bewusst erleben (dürfen oder müssen), ist m.E. von herberem Kaliber. Es lässt sich nicht so einfach in eine Kategorie sperren, weder in Spenlger'sche Apokalypse-Onanien, noch in handliche Survival-GLossare. Es ist nicht leicht zu erkennen, wie weit die Illusionen in die eigenen Gewohnheiten hinreichen, aber sicher ist, dass ein/e jede/r da ihr/sein eigenes Feuer wird durchstehen müssen. Enttäuschung heißt aber in unserem unerbittlich ehrlichen Deutsch: Die Täuschung Ihrer finalen Bestimmung zuführen, d.h. ENTweder zur Wirklichkeit zu erheben oder zum Nichts aufzulösen.

Es gibt einige Diskussionsthemen, an denen man m.E. die Tiefe der kommenden Enttäuschung ermessen kann, unabhängig von den Mehrheitsverhältnissen. Ein hier schon gut abgedecktes Beispiel ist Pegida & Co., ein bislang kaum erkanntes das Problem des spirituellen Deutungsspins in den Naturwissenschaften (und zwar das der Daseinsverneinung, wie es sich u.a. in den Relativitätstheorien äußert). Letzteres ist nach wie vor geistiger Sprengstoff, aber das nur am Rande, weil ich es nur für ein Symptom halte.

Die Frage ist doch, wohin die inzwischen unstrittige Enttäuschung auf breiter Front führen wird. Ich meine, dass der Moment der wirklichen Wende erst dann gekommen ist, wenn die zur Wachheit bereiten Menschen einander als gleichgesinnt unter dem Himmel der schöpferischen Ewigkeit erkennen.
Das bedeutet natürlich zuallererst, spüren oder wenigstens ahnen zu können, dass da eine schöpferische Ewigkeit in, um und mit uns wirkt.
Es bedeutet zu erkennen, dass echter Frieden nicht etwas Jenseitig-Fantastisches ist, sondern eine völlig reale Möglichkeit, die gesetzmäßig auch in unseren irdischen Mühen angelegt ist. Das Böse, Dumme und Grobe macht genau dann keine Angst mehr, wenn man seinen absoluten Sinn erkennt: Es liegt nicht in ihm selbst, sondern es ist ein lupenreiner, auch aus der Verirrung lesbarer Verweis auf das Gute.

Manche hier versuchten (u.a. Ashitaka), die Wirklichkeit als Simulation zu erklären: Ich habe den Verdacht, dass das ein Versuch war/ist, den Schmerz über den Irrsinn zu relativieren, oder auch der Erkenntnis der unsimulierten Basis der Simulation auszuweichen. Wir selbst sind höchst realer Teil jeglicher Irrtümer und Simulationen. Dem Schmerz durch Daseinsverneinung entgehen zu wollen, halte ich daher für eine irdische Themenverfehlung. Die Enttäuschung, die so viele hier auf breiter Front erleben, hat m.E. den Sinn, unseren realen Kern herauszubrennen. Auswandern oder Resgnieren vertagt diese Spannung nur, es löst sie aber nicht.

Die Welt muss offenbar von Zeit zu Zeit ins "Feuer getaucht werden" (Ernst Jünger), um sich zu entfalten. Tun wir das also mit vollen Sinnen und wirklich respektabel, wenn es schon nicht gemütlich ist!

Tiefe Erkenntnis wünschend
nvf33


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