Militärausgaben wurden in 5 Jahren um 50 % gekürzt

nereus, Donnerstag, 09.07.2015, 13:51 (vor 3848 Tagen) @ Olivia5688 Views

Hallo Olivia!

Du schreibst: Die EU hat nun die Inhalte der letzten Verhandlungen mit den Gr veröffentlicht (N24 Nachricht). Einer der Knackpunkte war, dass die EU das Militärbudget um 400 Mio gekürzt haben wollte und die Gr es nur um 200 Mio kürzen wollten.

Daraus folgt, daß Tsipras & Co. sich den Sparauflagen der EU widersetzt haben.
War es wirklich so?

Anders als es in der breiten europäischen Öffentlichkeit wahrgenommen wird, hat Griechenland seit Krisenbeginn einiges unternommen, um die Ausgaben für Armee, Marine und Luftwaffe zu kürzen. Zahlen des Stockholmer Friedensinstituts Sipri belegen das: Lagen die griechischen Militärausgaben 2009 noch bei 7,6 Milliarden Euro, sind sie auf rund vier Milliarden im vergangenen Jahr gesunken – eine Kürzung um 47,7 Prozent.

Quelle: http://www.taz.de/!5136061/

Die Angaben kann man auch in der FAZ und anderswo nachlesen.
Es ist also ein wenig unfair so zu tun, als wären die Budgets nicht gesenkt worden.
Im Deutschlandfunk spricht man sogar von aktuell "nur" 3,3 Milliarden.
Das wären weit über 50 %!

Und was sagt unsere liebe NATO zum Thema?

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat die griechische Regierung davor gewarnt, das Militärbudget zu kürzen. Er erwarte, dass Athen auch weiterhin zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgebe, sagte Stoltenberg im Rahmen des Festakts zum 60. Jahrestag der Aufnahme Deutschlands in die Nato der Nachrichtenseite "heute".
..
Die griechische Regierung müsse sich, wie alle 28 Nato-Partner, auch in Zukunft an Zusagen halten - das sei wichtig für alle.

Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/nato-jens-stoltenberg-warnt-griechenland-vor-rues...

Hü und Hott aus der westlichen Hemissphäre?
Wie hätte man es denn nun gern?
Und was sagen die Griechen selbst zum Thema?

Nikos Toskas, der stellvertretende Verteidigungsminister, sieht das etwas anders. Der General, der früher der sozialdemokratischen Pasok angehörte und nun Syriza nahesteht, sprach im Radiosender "Parapolitiki" zwar auch davon, dass niemand eine Diskussion über Rüstungskürzungen erwartet hatte. Aber er ergänzte:
"Wenn sie mich fragen, ob wir von dem wenigen, was wir für das Militär erhalten, noch etwas einsparen können, dann sage ich: Ja das können wir. Und zwar durch Verringerung von Verschwendung, durch Rationalisierungen und Schließung überflüssiger Standorte."
Tatsächlich hat Griechenland 500 Militärstandorte. Versuche, diese Anzahl zu vermindern, sind bisher fast immer am Widerstand der Gemeinden und der Abgeordneten der konservativen und sozialdemokratischen Parteien gescheitert.

Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/griechische-militaerausgaben-athen-streitet-ueber-plaene-...

Wir sehen also, die Welt ist sehr komplex.
Wer die Probleme westdeutscher Kommunen kennt, wo die Besatzer Teil einer funktionierenden Infrastruktur waren, der dürfte zumindest nachvollziehen können, daß sich griechische Gemeinden Sorgen machen, wenn auch noch dieses Standbein „bröckelt“.
Da nützt es wenig Allgemeinplätze in die Welt zu pusten, wie das z.B. unlängst bei Telepolis geschah.

Man tut Griechenland kein Unrecht, wenn man ihm bescheinigt, das Land sei vom militärischen Größenwahn befallen. Daran hat sich auch unter Tsipras nicht viel geändert.
..
Wenn selbst die Linke keinerlei ernsthaftes Bestreben an den Tag legt, die horrenden Militärausgaben zu senken, die Armee zu verkleinern, abzurüsten und alle geplanten Einkäufe neuer Waffensysteme zu streichen, kann man davon ausgehen, dass ein weitgehender nationaler Konsens herrscht:
Griechenlands schimmernde Wehr bleibt auf absehbare Zeit von allen Sparmaßnahmen verschont.

Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/45/45039/1.html

Von allen Sparmaßnahmen? Das ist schon ziemlich verlogen oder nur dämlich so einen Stuß zu schreiben.
Und wie trickreich die Politik agiert, sehen wir hier:

Bei seinem letzten Besuch in Griechenland 2013 bestand der damalige Außenminister Guido Westerwelle nachdrücklich darauf, dass die beim deutschen Staat und Unternehmen aus Deutschland aufgelaufenen Schulden zuerst zu bedienen sind und dass Griechenland an den vereinbarten Rüstungseinkäufen festhalten müsse.

Quelle: ebenda

Es wäre also mehr als hilfreich wenn die Diskutanten sich auf reale Ereignisse beziehen würden als auf markige Statements, welche die Wirklichkeit nur unscharf abbilden.

Da verbleibt aber nun die Frage, wo ist denn die ganze Kohle eigentlich hin geflossen, wenn das Militär den Gürtel deutlich enger schnallte, die Bevölkerung noch viel mehr und warum explodierten zusätzlich die Staatsschulden?

Ich verbleibe in hoffnungsvoller Erwartung bezüglich einer informativen und mathematisch einwandfreien Auskunft. [[zwinker]]

mfG
nereus


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